Temsirolimus
mTOR-Inhibitor (Proteinkinase-Inhibitor)
Temsirolimus ist ein selektiver Inhibitor von mTOR (mammalian target of rapamycin), einer Kinase, die die Zellteilung steuert. Es bindet an das intrazelluläre Protein FKBP-12, und der Komplex blockiert mTOR; dadurch werden Tumorzellen in der G1-Phase angehalten, und die Bildung hypoxieinduzierbarer Faktoren und des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors kann ebenfalls verringert werden. In der EU ist es zugelassen zur Erstlinienbehandlung von Erwachsenen mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom, die mindestens drei von sechs prognostischen Risikofaktoren aufweisen, sowie für Erwachsene mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom. Es wird im Krankenhaus einmal wöchentlich als intravenöse Infusion über 30 bis 60 Minuten nach einer Prämedikation mit einem Antihistaminikum gegeben. Überempfindlichkeits- und Infusionsreaktionen, Hyperglykämie, Infektionen, interstitielle Lungenerkrankung und Hyperlipidämie gehören zu seinen schwerwiegendsten Reaktionen.
Erhältlich unter folgenden Markennamen
Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:
- Torisel ®
Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.
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Häufig gestellte Fragen
Temsirolimus: Wofür wird es angewendet?
Temsirolimus ist ein selektiver Inhibitor von mTOR (mammalian target of rapamycin), einer Kinase, die die Zellteilung steuert.
Temsirolimus: Ist ein Rezept erforderlich?
Ja. Temsirolimus ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.
Temsirolimus: Wie ist es zu lagern?
Lagern Sie Temsirolimus bei 2–8 °C; nicht einfrieren; die Durchstechflaschen im Umkarton aufbewahren, um sie vor Licht zu schützen in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich. Nach Anbruch: Nach der ersten Verdünnung mit dem mitgelieferten Lösungsmittel: 24 Stunden unter 25 °C, vor Licht geschützt. Nach weiterer Verdünnung in Natriumchlorid-Lösung 9 mg/ml (0,9 %): 6 Stunden unter 25 °C, vor Licht geschützt.
Temsirolimus: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?
Ja. Temsirolimus muss bei 2–8 °C; nicht einfrieren; die Durchstechflaschen im Umkarton aufbewahren, um sie vor Licht zu schützen gehalten werden und wird daher in Isolierverpackungen mit Kühlelementen versendet, die für die gesamte Transitzeit dimensioniert sind, sodass die Kühlkette vom Versand bis zur Zustellung ununterbrochen bleibt.
Temsirolimus: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?
Temsirolimus wird je nach Land und Hersteller als Torisel vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.
Temsirolimus: Welche Stärken sind verfügbar?
Temsirolimus ist in folgenden Stärken erhältlich: 30 mg/1,2 ml Konzentrat und Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung (1 Durchstechflasche mit Konzentrat und 1 Durchstechflasche mit Lösungsmittel). Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.
Temsirolimus: Wie lange ist es haltbar?
Die Haltbarkeit von Temsirolimus beträgt 4 Jahre (ungeöffnete Durchstechflasche) bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.
Medizinische Informationen & Leitlinien
Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs
Pharmakologische Wirkung
Temsirolimus ist ein selektiver Inhibitor von mTOR (mammalian target of rapamycin). Sein Hauptmetabolit Sirolimus ist ebenso wirksam und trägt zur Wirkung bei.
Wirkmechanismus
- Bindung an FKBP-12: Temsirolimus bindet an das intrazelluläre Protein FKBP-12, und der Protein-Wirkstoff-Komplex bindet und hemmt mTOR, die Kinase, die die Zellteilung steuert. In hohen Konzentrationen kann es in vitro mTOR auch ohne FKBP-12 hemmen.
- Zellzyklusarrest: Die Hemmung von mTOR verzögert Tumorzellen in der G1-Phase bei nanomolaren Konzentrationen und stoppt das Wachstum bei mikromolaren Konzentrationen, indem sie selektiv die Translation von Zellzyklusproteinen wie Cyclinen vom D-Typ, c-myc und Ornithindecarboxylase stört. Dabei wird die Phosphorylierung der Translationsfaktoren 4E-BP1 und S6K blockiert, die im PI3-Kinase/AKT-Signalweg stromabwärts von mTOR liegen.
- Hypoxie-Signalweg: mTOR reguliert auch die Translation der hypoxieinduzierbaren Faktoren HIF-1 und HIF-2 alpha und über diese den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF). Niedrigere HIF- und VEGF-Spiegel im Tumor oder in dessen Umgebung können die Gefäßentwicklung beeinträchtigen und zur Antitumorwirkung beitragen; in Zelllinien des Nierenzellkarzinoms verringerte Temsirolimus HIF-1, HIF-2 alpha und VEGF.
Pharmakokinetik
- Exposition: Nach einer einmaligen intravenösen Dosis von 25 mg bei Krebspatienten betrug die mittlere Cmax im Vollblut 585 ng/ml und die mittlere AUC 1.627 ng·h/ml. Bei 175 mg wöchentlich über 3 Wochen, gefolgt von 75 mg wöchentlich, betrug die geschätzte Cmax im Vollblut am Ende der Infusion 2.457 ng/ml in Woche 1 und 2.574 ng/ml in Woche 3.
- Verteilung: Die Blutkonzentrationen sinken in mehreren Phasen, und die Verteilung spiegelt die bevorzugte Bindung an FKBP-12 in Blutzellen wider. Nach einer Dosis von 25 mg betrug das mittlere Verteilungsvolumen im Steady State im Vollblut 172 l. Etwa 87 % sind in vitro an Plasmaproteine gebunden.
- Metabolismus: Hauptsächlich über CYP3A4 in der Leber. Sirolimus ist der Hauptmetabolit beim Menschen; seine AUC beträgt nach einer Dosis von 25 mg das 2,7-Fache der AUC von Temsirolimus, weil seine Halbwertszeit länger ist. Weitere in vitro beobachtete Wege sind Hydroxylierung, Reduktion und Demethylierung.
- Elimination: Die mittlere systemische Clearance aus dem Vollblut betrug 11,4 l/h; die mittleren Halbwertszeiten betrugen 17,7 Stunden für Temsirolimus und 73,3 Stunden für Sirolimus. Etwa 78 % einer radioaktiv markierten Dosis wurden in den Fäzes und 4,6 % im Urin wiedergefunden. Sulfatierung und Glucuronidierung sind keine wesentlichen Eliminationswege.
- Leberfunktionsstörung: Die Spiegel von Temsirolimus und Sirolimus waren bei Patienten mit erhöhter AST oder erhöhtem Bilirubin höher.
Anwendungsgebiete
- Nierenzellkarzinom (RCC): Erstlinienbehandlung erwachsener Patienten mit fortgeschrittenem RCC, die mindestens drei von sechs prognostischen Risikofaktoren aufweisen.
- Mantelzell-Lymphom (MCL): Behandlung erwachsener Patienten mit rezidiviertem und/oder refraktärem MCL.
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Temsirolimus, seine Metaboliten (einschließlich Sirolimus), Polysorbat 80 oder einen der sonstigen Bestandteile.
- Anwendung bei Patienten mit Mantelzell-Lymphom, die eine mäßige oder schwere Leberfunktionsstörung haben.
Nebenwirkungen
Die schwerwiegendsten Reaktionen in klinischen Studien waren Überempfindlichkeits- und Infusionsreaktionen (darunter einige lebensbedrohliche und selten tödlich verlaufende), Hyperglykämie und Glukoseintoleranz, Infektionen, interstitielle Lungenerkrankung (Pneumonitis), Hyperlipidämie, intrakranielle Blutung, Nierenversagen, Darmperforation, Wundheilungskomplikationen, Thrombozytopenie, Neutropenie (einschließlich febriler Neutropenie) und Lungenembolie. Reaktionen bei mindestens 20 % der Patienten in den Zulassungsstudien sind unter anderem Anämie, Übelkeit, Hautausschlag, verminderter Appetit, Ödeme, Asthenie, Fatigue, Thrombozytopenie, Diarrhö, Fieber, Epistaxis, Schleimhautentzündung, Stomatitis, Erbrechen, Hyperglykämie, Hypercholesterinämie, Dysgeusie, Pruritus, Husten, Infektion, Pneumonie und Dyspnoe. Die Reaktionen sind dosisabhängig, und Infektionen und Thrombozytopenie vom Grad 3 oder 4 traten mit der Anfangsdosis von 175 mg beim MCL häufiger auf als mit 75 mg oder mit einer konventionellen Chemotherapie.
Sehr häufig (≥1/10): bakterielle und virale Infektionen (zum Beispiel Cellulitis, Herpes zoster, oraler Herpes, Influenza, Bronchitis, Abszess, Wundinfektion), Pneumonie; Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie; Hyperglykämie, Hypercholesterinämie, Hypertriglyzeridämie, verminderter Appetit, Hypokaliämie; Schlaflosigkeit; Dysgeusie, Kopfschmerzen; Dyspnoe, Epistaxis, Husten; Übelkeit, Diarrhö, Stomatitis, Erbrechen, Obstipation, Bauchschmerzen; Hautausschlag, Pruritus, trockene Haut; Arthralgie, Rückenschmerzen; Fatigue, Ödeme, Asthenie, Schleimhautentzündung, Fieber, Schmerzen, Schüttelfrost, Brustschmerzen; erhöhtes Serumkreatinin.
Häufig (≥1/100 bis <1/10): Sepsis (einschließlich septischem Schock), Candidiasis und andere Pilzinfektionen, Harnwegsinfektion, Infektion der oberen Atemwege, Pharyngitis, Sinusitis, Rhinitis, Follikulitis; Leukopenie, Lymphopenie; allergische oder Überempfindlichkeitsreaktionen; Diabetes mellitus, Dehydratation, Hypokalzämie, Hypophosphatämie, Hyperlipidämie; Depression, Angst; Schwindel, Parästhesie, Somnolenz, Ageusie; Konjunktivitis; venöse Thromboembolie (einschließlich tiefer Venenthrombose), Thrombophlebitis, Hypertonie; interstitielle Lungenerkrankung, Pleuraerguss; gastrointestinale Blutung, Gastritis, Dysphagie, aufgetriebener Bauch, aphthöse Stomatitis, Schmerzen im Mundbereich, Gingivitis; Dermatitis, exfoliativer Hautausschlag, Akne, Nagelerkrankungen, Ekchymose, Petechien; Myalgie; Nierenversagen; erhöhte Aspartat- und Alanin-Aminotransferasen.
Gelegentlich (≥1/1.000 bis <1/100): Laryngitis; intrakranielle Blutung; Augenblutung; Perikarderguss; Lungenembolie; intestinale (einschließlich duodenaler) Perforation; gestörte Wundheilung.
Selten (≥1/10.000 bis <1/1.000): Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (nach der Markteinführung; einige Fälle mit tödlichem Ausgang).
Nicht bekannt: Reaktionen vom Typ eines angioneurotischen Ödems (bei einigen Patienten berichtet, die gleichzeitig einen ACE-Hemmer einnahmen); Stevens-Johnson-Syndrom; Rhabdomyolyse (nach der Markteinführung).
Bei einigen Patienten, die Temsirolimus mit Interferon-α erhielten, wurden Katarakte beobachtet. Bei älteren Patienten treten möglicherweise eher Ödeme, Diarrhö, Pneumonie und, beim MCL, Pleuraerguss, Angst, Depression, Schlaflosigkeit, Dyspnoe, Leukopenie, Lymphopenie, Myalgie, Arthralgie, Geschmacksverlust, Schwindel, Infektion der oberen Atemwege, Mukositis und Rhinitis auf.
Wechselwirkungen
- Sunitinib: Die Kombination verursachte bei 2 von 3 Patienten in der ersten Kohorte einer Phase-1-Studie eine dosislimitierende Toxizität (erythematöser makulopapulöser Hautausschlag vom Grad 3 oder 4 sowie Gicht oder Cellulitis mit Krankenhausaufenthalt). Vor Erwägung der Kombination siehe die Fachinformation.
- ACE-Hemmer und Calciumkanalblocker (zum Beispiel Ramipril, Amlodipin): erhöhte Inzidenz angioneurotischer Ödeme, darunter verzögerte Reaktionen zwei Monate nach Beginn der Anwendung; mit Vorsicht anwenden.
- CYP3A4/5-Induktoren (Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifampicin, Johanniskraut): Rifampicin senkte die Cmax von Sirolimus um 65 % und die AUC um 56 %. Beim RCC sollte eine kontinuierliche Anwendung über 5–7 Tage hinaus vermieden werden; beim MCL sollte wegen der höheren Dosis die gleichzeitige Anwendung vermieden werden.
- Starke CYP3A4-Inhibitoren (Nelfinavir, Ritonavir, Itraconazol, Ketoconazol, Voriconazol, Nefazodon): Ketoconazol erhöhte die AUC von Sirolimus auf das 3,1-Fache und die kombinierte AUC von Temsirolimus und Sirolimus auf das 2,3-Fache. Die Kombination ist zu vermeiden.
- Moderate CYP3A4-Inhibitoren (zum Beispiel Diltiazem, Verapamil, Clarithromycin, Erythromycin, Aprepitant, Amiodaron): nur mit Vorsicht bei 25 mg anwenden und bei Dosen über 25 mg vermeiden.
- P-Glykoprotein-Inhibitoren: Cannabidiol, ein P-gp-Inhibitor, erhöhte die Exposition gegenüber einem anderen mTOR-Inhibitor um etwa das 2,5-Fache; auf Nebenwirkungen achten und die Temsirolimus-Dosis bei Bedarf anpassen. Bei anderen P-gp-Inhibitoren kann eine Dosisanpassung erforderlich sein.
- P-Glykoprotein-Substrate (zum Beispiel Digoxin, Vincristin, Colchicin, Dabigatran, Lenalidomid, Paclitaxel): Temsirolimus hemmt P-gp in vitro; auf unerwünschte Ereignisse des gleichzeitig angewendeten Arzneimittels engmaschig achten.
- CYP3A4/5-Substrate: Bei der Dosis von 175 mg ist eine Hemmung von CYP3A4/5 wahrscheinlich, daher ist Vorsicht geboten bei Arzneimitteln, die hauptsächlich über CYP3A4/5 metabolisiert werden und eine geringe therapeutische Breite haben. Auf CYP2D6-Substrate ist keine klinisch signifikante Wirkung zu erwarten.
- Amphiphile Wirkstoffe (zum Beispiel Amiodaron, Statine): Die gleichzeitige Anwendung könnte möglicherweise das Risiko einer amphiphilen Lungentoxizität erhöhen.
- Impfstoffe: siehe Impfungen weiter unten; Lebendimpfstoffe sollten vermieden werden.
- Nahrungsmittel: Grapefruit und Johanniskraut meiden, da sie den CYP3A4-Metabolismus verändern.
Verabreichung und Dosierung
Torisel muss unter der Aufsicht eines Arztes angewendet werden, der in der Anwendung antineoplastischer Arzneimittel erfahren ist. Es ist nur zur intravenösen Anwendung als Infusion bestimmt. Die Durchstechflasche mit dem Konzentrat wird zunächst mit 1,8 ml des mitgelieferten Lösungsmittels verdünnt, sodass 10 mg/ml entstehen; die erforderliche Menge dieser Mischung wird entnommen und rasch in Natriumchlorid 9 mg/ml (0,9 %) Injektionslösung injiziert (Einzelheiten zur Zubereitung stehen in Abschnitt 6.6 der Fachinformation). Die Behandlung wird fortgesetzt, bis der Patient klinisch nicht mehr profitiert oder eine nicht akzeptable Toxizität auftritt.
Prämedikation
Die Patienten sollten etwa 30 Minuten vor Beginn jeder Temsirolimus-Dosis intravenös Diphenhydramin 25 mg bis 50 mg (oder ein ähnliches Antihistaminikum) erhalten.
Empfohlene Dosis
- Nierenzellkarzinom: 25 mg als intravenöse Infusion über 30 bis 60 Minuten einmal wöchentlich.
- Mantelzell-Lymphom: 175 mg als Infusion über 30 bis 60 Minuten einmal wöchentlich über 3 Wochen, gefolgt von 75 mg wöchentlich. Die Anfangsdosis von 175 mg war mit vielen unerwünschten Ereignissen verbunden und machte bei den meisten Patienten Dosisreduktionen oder -verzögerungen erforderlich; der Beitrag dieser ersten Dosen zur Wirksamkeit ist nicht bekannt.
Dosisanpassungen
- RCC: Wenn eine vermutete Reaktion nicht durch Dosisverzögerungen beherrscht werden kann, in Schritten von 5 mg/Woche reduzieren.
- MCL: nach der Tabelle der Dosisstufen reduzieren. Ausgehend von der Anfangsdosis von 175 mg beträgt Stufe −1 75 mg und Stufe −2 50 mg; ausgehend von der Fortführungsdosis von 75 mg beträgt Stufe −1 50 mg und Stufe −2 25 mg. In der MCL-Studie waren bis zu zwei Reduktionen pro Patient zulässig.
- Blutbild: Die Dosis wird ausgesetzt, solange die Neutrophilen- oder Thrombozytenzahlen unter den Schwellenwerten der Tabelle in der Fachinformation liegen, und sobald sich die Werte erholt haben, wird sie mit der nächstniedrigeren Dosisstufe gegeben; kann die neue Stufe nicht beibehalten werden, wird nach Erholung der Werte die nächstniedrigere Dosis angewendet.
Besondere Patientengruppen
- Ältere Patienten: keine spezielle Dosisanpassung.
- Nierenfunktionsstörung: keine Dosisanpassung; bei schwerer Funktionsstörung mit Vorsicht anwenden.
- Leberfunktionsstörung: mit Vorsicht anwenden. Keine Anpassung beim RCC mit leichter bis mäßiger Funktionsstörung. Beim RCC mit schwerer Funktionsstörung (Gesamtbilirubin über dem 3-Fachen der Obergrenze des Normbereichs bei beliebiger AST-Auffälligkeit oder Child-Pugh C) beträgt die empfohlene Dosis 10 mg einmal wöchentlich, für Patienten, deren Thrombozytenzahl zu Behandlungsbeginn den in der Fachinformation genannten Schwellenwert erreicht. Beim MCL keine Anpassung bei leichter Funktionsstörung, und Temsirolimus darf bei mäßiger oder schwerer Funktionsstörung nicht angewendet werden.
- Kinder und Jugendliche: keine relevante Anwendung beim RCC und MCL, und nicht empfohlen. Es sollte wegen Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit nicht bei Neuroblastom, Rhabdomyosarkom oder hochgradigem Gliom angewendet werden.
Besondere Hinweise
Dosisabhängigkeit
Häufigkeit und Schweregrad unerwünschter Ereignisse hängen von der Dosis ab. Patienten, die beim MCL die wöchentliche Anfangsdosis von 175 mg erhalten, müssen engmaschig überwacht werden, um über Dosisreduktionen oder -verzögerungen zu entscheiden.
Überempfindlichkeits- und Infusionsreaktionen
- Reaktionen wie Flush, Brustschmerzen, Dyspnoe, Hypotonie, Apnoe, Bewusstlosigkeit, Überempfindlichkeit und Anaphylaxie können sehr früh bei der ersten Infusion, aber auch bei späteren Infusionen auftreten. Die Patienten sollten zu Beginn jeder Infusion überwacht werden, wobei unterstützende Maßnahmen verfügbar sein müssen. Bei allen Patienten mit schweren Reaktionen wird die Infusion unterbrochen und eine geeignete Behandlung eingeleitet; Nutzen und Risiko werden nach einer schweren oder lebensbedrohlichen Reaktion vor der Fortsetzung neu bewertet.
- Tritt trotz Prämedikation eine Reaktion auf, muss die Infusion abgebrochen und der Patient mindestens 30 bis 60 Minuten beobachtet werden. Nach Ermessen des Arztes kann sie danach wieder aufgenommen werden, nachdem etwa 30 Minuten vorher ein H1-Antagonist (Diphenhydramin oder ähnlich) und ein H2-Antagonist (zum Beispiel intravenös Famotidin 20 mg) gegeben wurden. Kortikosteroide können erwogen werden, obwohl ihre Wirksamkeit hierbei nicht belegt ist. Die Infusion wird dann langsamer (bis zu 60 Minuten) fortgesetzt und innerhalb von sechs Stunden nach der ersten Zugabe von Temsirolimus zur Natriumchlorid-Lösung beendet.
- Mit Vorsicht bei Patienten anwenden, die bekanntermaßen überempfindlich gegen das Antihistaminikum sind oder es nicht erhalten können.
Hyperglykämie
Der Blutzucker kann bei Diabetikern und Nichtdiabetikern ansteigen (Hyperglykämie wurde bei 26 % der Patienten mit RCC und 11 % der Patienten mit MCL in den Studien berichtet), und es kann notwendig sein, eine Insulintherapie oder eine orale blutzuckersenkende Behandlung einzuleiten oder zu verstärken. Die Patienten sollten übermäßigen Durst oder jede Zunahme der Urinmenge oder der Häufigkeit des Wasserlassens melden.
Infektionen
Die Patienten können immunsupprimiert sein und sollten auf Infektionen, einschließlich opportunistischer Infektionen, beobachtet werden. Infektionen waren beim MCL unter 175 mg wöchentlich wesentlich häufiger. Über Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PCP), teilweise mit tödlichem Ausgang, wurde berichtet, häufig bei Patienten, die auch Kortikosteroide oder andere Immunsuppressiva erhielten; eine PCP-Prophylaxe sollte erwogen werden, wenn diese erforderlich sind.
Interstitielle Lungenerkrankung
Es ist eine unspezifische interstitielle Pneumonitis aufgetreten, einschließlich tödlicher Fälle. Vor Behandlungsbeginn werden eine Thorax-CT oder eine Röntgenaufnahme des Thorax als Ausgangsbefund empfohlen, und die Patienten sollten neue oder sich verschlechternde Atemwegssymptome umgehend melden. Temsirolimus kann ausgesetzt werden, bis sich Symptome und radiologische Befunde bessern; opportunistische Infektionen wie PCP sollten in Betracht gezogen werden, und es können Kortikosteroide und/oder Antibiotika angewendet werden.
Lipide, Wundheilung und Malignität
- Hyperlipidämie: Serum-Triglyzeride und -Cholesterin steigen an; sie sollten vor und während der Behandlung untersucht werden, und eine lipidsenkende Behandlung kann erforderlich sein. Dieser Zusammenhang kann zu einem Myokardinfarkt prädisponieren.
- Wundheilung: Eine abnorme Wundheilung wurde mit Temsirolimus in Verbindung gebracht, daher ist in der perioperativen Phase Vorsicht geboten.
- Malignität: Die Immunsuppression kann zu Lymphomen und anderen Malignomen führen, insbesondere der Haut. Sonnenlicht und UV-Exposition sollten durch Schutzkleidung und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor begrenzt werden.
Blutbild, Blutungen, Niere und Leber
- Blutbild: Thrombozytopenie und Neutropenie vom Grad 3 und 4 wurden beim MCL beobachtet. Vor Beginn und danach in regelmäßigen Abständen wird ein vollständiges Blutbild empfohlen. Thrombozytopenie erhöht das Blutungsrisiko (einschließlich Epistaxis), und Patienten mit Neutropenie zu Beginn können eine febrile Neutropenie entwickeln.
- Intrazerebrale Blutung: Patienten mit ZNS-Tumoren (primär oder metastatisch) oder unter Antikoagulanzien können ein erhöhtes Risiko für intrazerebrale Blutungen, einschließlich tödlicher Fälle, haben.
- Nierenversagen: Die renale Elimination ist vernachlässigbar, und das Arzneimittel wurde bei Hämodialyse nicht untersucht, aber Nierenversagen (einschließlich tödlicher Verläufe) ist bei Patienten mit fortgeschrittenem RCC oder vorbestehender Niereninsuffizienz aufgetreten.
- Leber: AST und Bilirubin sollten vor Beginn und danach in regelmäßigen Abständen gemessen werden. Temsirolimus wird hauptsächlich über die Leber eliminiert, und bei Patienten mit mäßiger und schwerer Leberfunktionsstörung traten mehr tödliche Ereignisse auf, obwohl ein ursächlicher Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden kann.
Impfungen
Immunsuppressiva können die Impfantworten beeinflussen, daher kann eine Impfung während der Behandlung weniger wirksam sein. Lebendimpfstoffe sollten vermieden werden; Beispiele sind Masern, Mumps, Röteln, orale Polio, BCG, Gelbfieber, Varizellen und der Typhusimpfstoff TY21a.
Sonstige Bestandteile: Ethanol und Propylenglycol
- Ethanol: Nach der ersten Verdünnung enthält die Mischung 35 Vol.-% Ethanol, bis zu 0,693 g pro 25-mg-Dosis; die 175-mg-Dosis beim MCL kann bis zu 4,85 g enthalten (entsprechend etwa 122 ml Bier oder 49 ml Wein). Bei einem Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 70 kg würde dies den Blutalkoholspiegel um etwa 11,5 mg/100 ml erhöhen. Eine Wirkung bei Erwachsenen und Jugendlichen ist nicht wahrscheinlich, bei Neugeborenen und Kleinkindern kann es jedoch Somnolenz verursachen. Vorsicht ist geboten bei schwangeren oder stillenden Frauen, bei Personen mit Alkoholabhängigkeit und bei Hochrisikogruppen wie Patienten mit Lebererkrankungen oder Epilepsie. Es kann die Wirkung anderer Arzneimittel verändern und die Fähigkeit zum Führen eines Fahrzeugs oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.
- Propylenglycol: Die 175-mg-Dosis ergibt bei einem Erwachsenen mit 70 kg etwa 50,33 mg/kg/Tag. Bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion, die 50 mg/kg/Tag oder mehr erhalten, ist eine ärztliche Überwachung erforderlich, einschließlich der osmolaren Lücke und/oder der Anionenlücke. Eine längere Anwendung oder die Anwendung mit anderen Substraten der Alkoholdehydrogenase wie Ethanol erhöht das Risiko einer Akkumulation und Toxizität.
Schwangerschaft, Stillzeit und Fertilität
- Schwangerschaft: Es liegen keine ausreichenden Daten bei schwangeren Frauen vor. Bei Ratten und Kaninchen verursachte Temsirolimus eine embryo-fetale Toxizität (Tod, vermindertes fetales Gewicht mit verzögerter Ossifikation) und bei Kaninchen eine Omphalozele. Es darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen für die Mutter rechtfertigt das Risiko für den Embryo. Auch der Ethanolgehalt sollte berücksichtigt werden. Propylenglycol kann den Fetus erreichen, und die Gabe von 50 mg/kg/Tag oder mehr an schwangere Frauen sollte nur im Einzelfall erwogen werden.
- Kontrazeption: Frauen im gebärfähigen Alter muss geraten werden, während der Anwendung von Torisel nicht schwanger zu werden. Männer mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung eine medizinisch anerkannte Verhütungsmethode anwenden.
- Stillzeit: Es ist nicht bekannt, ob Temsirolimus in die Muttermilch übergeht, aber Sirolimus geht in die Milch von Ratten über. Das Stillen sollte während der Therapie abgebrochen werden.
- Fertilität: Bei männlichen Ratten wurden eine verminderte Fertilität und teilweise reversible Verringerungen der Spermienzahl berichtet.
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit
Temsirolimus hat keinen oder einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Bei der 175-mg-Dosis beim MCL kann der Ethanolgehalt diese Fähigkeit beeinträchtigen.
Lagerungsbedingungen
Im Kühlschrank bei 2–8 °C lagern. Nicht einfrieren. Die Durchstechflaschen im Umkarton aufbewahren, um sie vor Licht zu schützen. Torisel wird daher bis zur Anwendung unter Kühlkettenbedingungen geliefert und gelagert. Nach der Verdünnung sind die unter Haltbarkeit angegebenen Zeiten der Anwendung einzuhalten.
Haltbarkeit
- Ungeöffnete Durchstechflasche: 4 Jahre.
- Nach der ersten Verdünnung des Konzentrats mit 1,8 ml des mitgelieferten Lösungsmittels: 24 Stunden bei Lagerung unter 25 °C und vor Licht geschützt.
- Nach der weiteren Verdünnung mit Natriumchlorid 9 mg/ml (0,9 %) Injektionslösung: 6 Stunden bei Lagerung unter 25 °C und vor Licht geschützt.
Abgabebedingungen in der Apotheke
Verschreibungspflichtig (Rx), unterliegt der eingeschränkten ärztlichen Verschreibung (Anhang II B) und wird unter der Aufsicht eines Arztes angewendet, der in der Anwendung antineoplastischer Arzneimittel erfahren ist. Torisel wird im Krankenhaus infundiert, daher wird es an das Krankenhaus oder die Klinik geliefert, die es verabreicht, mit Kühlkettenlieferung bei 2–8 °C.
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Informationsquelle
Diese Produktinformation basiert auf:
DrugBank — Temsirolimus (DB06287); EMA SmPC — ToriselZuletzt geprüft:
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