Polatuzumab Vedotin
Gegen CD79b gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat
Polatuzumab vedotin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat: ein humanisierter monoklonaler Anti-CD79b-IgG1-Antikörper, der über einen spaltbaren Linker mit Monomethylauristatin E (MMAE), einer Mikrotubuli-störenden Substanz, verbunden ist. Nachdem der Antikörper an CD79b auf B-Zellen gebunden hat, wird das Konjugat aufgenommen und setzt MMAE frei, das die Zellteilung stoppt und in der malignen B-Zelle die Apoptose auslöst. In der EU ist es in Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (R-CHP) für Erwachsene mit bisher unbehandeltem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom zugelassen, außerdem in Kombination mit Bendamustin und Rituximab für Erwachsene mit rezidivierender oder refraktärer Erkrankung, die nicht für eine hämatopoetische Stammzelltransplantation in Frage kommen. Es wird als intravenöse Infusion von 1,8 mg/kg alle 21 Tage über 6 Zyklen verabreicht. Myelosuppression und periphere Neuropathie sind seine wichtigsten Nebenwirkungen.
Erhältlich unter folgenden Markennamen
Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:
- Polivy ®
Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.
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Häufig gestellte Fragen
Polatuzumab Vedotin: Wofür wird es angewendet?
Polatuzumab vedotin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat: ein humanisierter monoklonaler Anti-CD79b-IgG1-Antikörper, der über einen spaltbaren Linker mit Monomethylauristatin E (MMAE), einer Mikrotubuli-störenden Substanz, verbunden ist.
Polatuzumab Vedotin: Ist ein Rezept erforderlich?
Ja. Polatuzumab Vedotin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.
Polatuzumab Vedotin: Wie ist es zu lagern?
Lagern Sie Polatuzumab Vedotin bei 2–8 °C; nicht einfrieren; vor Licht schützen in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich. Nach Anbruch: Rekonstituierte Lösung: sofort verwenden; chemische und physikalische Gebrauchsstabilität nachgewiesen für bis zu 72 Stunden bei 2–8 °C und bis zu 24 Stunden bei 9–25 °C. Wenn nicht sofort verwendet, normalerweise nicht länger als 24 Stunden bei 2–8 °C, es sei denn, die Rekonstitution erfolgte unter kontrollierten und validierten aseptischen Bedingungen.
Polatuzumab Vedotin: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?
Ja. Polatuzumab Vedotin muss bei 2–8 °C; nicht einfrieren; vor Licht schützen gehalten werden und wird daher in Isolierverpackungen mit Kühlelementen versendet, die für die gesamte Transitzeit dimensioniert sind, sodass die Kühlkette vom Versand bis zur Zustellung ununterbrochen bleibt.
Polatuzumab Vedotin: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?
Polatuzumab Vedotin wird je nach Land und Hersteller als Polivy vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.
Polatuzumab Vedotin: Welche Stärken sind verfügbar?
Polatuzumab Vedotin ist in folgenden Stärken erhältlich: 30 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, 140 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.
Polatuzumab Vedotin: Wie lange ist es haltbar?
Die Haltbarkeit von Polatuzumab Vedotin beträgt 30 Monate (ungeöffnete Durchstechflasche) bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.
Medizinische Informationen & Leitlinien
Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs
Pharmakologische Wirkung
Polatuzumab vedotin ist ein gegen CD79b gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Ein humanisierter monoklonaler IgG1-Antikörper transportiert das potente antimitotische Mittel Monomethylauristatin E (MMAE), das über einen spaltbaren Linker gebunden ist, zu B-Zellen, wo es die malignen Zellen abtötet. CD79b ist ein Oberflächenbestandteil des B-Zell-Rezeptors und findet sich auf normalen Zellen der B-Zell-Linie (mit Ausnahme von Plasmazellen) sowie auf malignen B-Zellen.
Wirkmechanismus
- Gezielte Bindung an CD79b: Der Antikörper bindet CD79b mit hoher Affinität und Selektivität. CD79b wird in etwa 95 % der diffusen großzelligen B-Zell-Lymphome exprimiert, und seine Expression im Normalgewebe ist auf Zellen der B-Zell-Linie beschränkt (Plasmazellen ausgenommen).
- Internalisierung und Freisetzung: Nach der Bindung wird das Konjugat rasch internalisiert, und lysosomale Proteasen spalten den Linker, wodurch MMAE im Zellinneren freigesetzt wird.
- Zytotoxische Wirkung: MMAE bindet an Mikrotubuli (Tubulin), blockiert die Zellteilung und induziert in sich teilenden Zellen die Apoptose.
- Präklinische Aktivität: In vitro war Polatuzumab vedotin gegenüber den meisten Zelllinien des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms zytotoxisch, unabhängig von ihrem Ursprungszell-Subtyp und davon, ob sie CD79B-Mutationen trugen.
- Kardiale Elektrophysiologie: In der empfohlenen Dosis verlängerte es in zwei offenen Studien bei Patienten mit vorbehandelten B-Zell-Malignomen das mittlere QTc-Intervall nicht in klinisch relevantem Ausmaß.
Pharmakokinetik
- Dosisproportionalität: Die Exposition gegenüber antikörperkonjugiertem MMAE (acMMAE) stieg im Bereich von 0,1 bis 2,4 mg/kg proportional zur Dosis an. Nach der ersten Dosis von 1,8 mg/kg betrug die maximale acMMAE-Konzentration 803 ng/ml (± 233) und die AUC bis unendlich 1.860 Tag·ng/ml (± 966).
- Akkumulation: Die acMMAE-AUC in Zyklus 3 lag etwa 30 % über der in Zyklus 1 und erreichte mehr als 90 % der AUC in Zyklus 6. Die Konzentration am Ende von Zyklus 6 beträgt voraussichtlich etwa 80 % des theoretischen Steady State.
- Unkonjugiertes MMAE: Die zytotoxische Komponente. Nach der ersten Dosis von 1,8 mg/kg betrug seine maximale Konzentration 6,82 ng/ml (± 4,73), erreicht nach etwa 2,5 Tagen, bei einer terminalen Halbwertszeit von etwa 4 Tagen. Seine Plasmaexposition liegt unter 3 % der acMMAE-Exposition und nimmt bei wiederholter dreiwöchentlicher Gabe ab. Bei Patienten mit mehr als 100 kg wird die Exposition gegenüber unkonjugiertem MMAE voraussichtlich um nicht mehr als 55 % erhöht.
- Resorption: Es wird nur als intravenöse Infusion verabreicht; andere Anwendungswege wurden nicht untersucht.
- Verteilung: Zentrales Verteilungsvolumen von acMMAE 3,15 l, nahe dem Plasmavolumen. In vitro ist MMAE zu 71–77 % an Plasmaproteine gebunden, bei einem Blut-Plasma-Verhältnis von 0,79 bis 0,98; es ist ein Substrat von P-gp, hemmt P-gp jedoch in klinisch relevanten Konzentrationen nicht.
- Metabolismus: Der Antikörper wird voraussichtlich zu kleinen Peptiden, Aminosäuren, unkonjugiertem MMAE und MMAE-bezogenen Kataboliten abgebaut. MMAE selbst wird durch CYP3A4/5 metabolisiert.
- Elimination: Terminale Halbwertszeit von acMMAE etwa 12 Tage in Zyklus 6 (95-%-Konfidenzintervall 8,1 bis 19,5 Tage); vorhergesagte Clearance etwa 0,9 l/Tag. Die Elimination erfolgt hauptsächlich über die Fäzes, zum Teil auch über den Urin.
- Besondere Patientengruppen: Bei leichter Leberfunktionsstörung stieg die Exposition gegenüber unkonjugiertem MMAE um nicht mehr als 40 %, was nicht als klinisch signifikant angesehen wurde. Bei Patienten im Alter von 65 Jahren oder älter oder mit einer Kreatinin-Clearance von mindestens 30 ml/min ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Anwendungsgebiete
- Bisher unbehandeltes diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL): in Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (R-CHP) bei Erwachsenen.
- Rezidivierendes oder refraktäres DLBCL: in Kombination mit Bendamustin und Rituximab bei Erwachsenen, die nicht für eine hämatopoetische Stammzelltransplantation in Frage kommen.
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Polatuzumab vedotin oder einen der sonstigen Bestandteile.
- Aktive schwere Infektionen.
Nebenwirkungen
Das Sicherheitsprofil beruht auf 586 mit Polivy behandelten Patienten: 435 mit bisher unbehandeltem DLBCL (Studie POLARIX, Polivy plus R-CHP) und 151 mit rezidivierendem oder refraktärem DLBCL (Studie GO29365, Polivy plus Bendamustin und Rituximab).
- Bisher unbehandeltes DLBCL (Polivy plus R-CHP): Die häufigsten Nebenwirkungen (mindestens 30 %) waren periphere Neuropathie (52,9 %), Übelkeit (41,6 %), Neutropenie (38,4 %) und Diarrhö (30,8 %). Schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei 24,1 % auf, am häufigsten febrile Neutropenie (10,6 %) und Pneumonie (5,3 %). Pneumonie (1,1 %) war die einzige Nebenwirkung, die bei mehr als 1 % der Patienten zum Abbruch der Therapie führte.
- Rezidivierendes oder refraktäres DLBCL (Polivy plus Bendamustin und Rituximab): Die häufigsten Nebenwirkungen (mindestens 30 %) waren Neutropenie (45,7 %), Diarrhö (35,8 %), Übelkeit (33,1 %), Thrombozytopenie (32,5 %), Anämie (31,8 %) und periphere Neuropathie (30,5 %). Schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei 41,7 % auf, am häufigsten febrile Neutropenie (10,6 %), Sepsis (9,9 %), Pneumonie (8,6 %) und Fieber (7,9 %). Thrombozytopenie (7,9 %) führte bei mehr als 5 % der Patienten zum Abbruch der Therapie.
Sehr häufig (≥1/10): Pneumonie, Infektion der oberen Atemwege, febrile Neutropenie, Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie, Leukopenie, Hypokaliämie, Appetit vermindert, periphere Neuropathie, Husten, Diarrhö, Übelkeit, Obstipation, Erbrechen, Mukositis, Abdominalschmerz, Alopezie, Fieber, Ermüdung (Fatigue), Asthenie, Gewicht erniedrigt, infusionsbedingte Reaktion.
Häufig (≥1/100 bis <1/10): Sepsis, Herpesvirus-Infektion, Zytomegalievirus-Infektion, Harnwegsinfektion, Lymphopenie, Panzytopenie, Hypokalzämie, Hypalbuminämie, Schwindelgefühl, Pneumonitis, Dyspnoe, Pruritus, Hautinfektion, Ausschlag, trockene Haut, Arthralgie, Myalgie, peripheres Ödem, Schüttelfrost, Lipase erhöht, Hypophosphatämie, Transaminasen erhöht.
Gelegentlich (≥1/1.000 bis <1/100): Sehen verschwommen, Extravasation an der Infusionsstelle.
Seltene oder sehr seltene Nebenwirkungen sind nicht aufgeführt. Pneumonie, Sepsis und Herpesvirus-Infektion wurden mit tödlichem Ausgang in Verbindung gebracht. Mukositis, Alopezie, Harnwegsinfektion, Dyspnoe, Hautinfektion, Ausschlag, trockene Haut, Myalgie und peripheres Ödem wurden nur bei bisher unbehandeltem DLBCL beobachtet; Sehen verschwommen und Lipase erhöht nur bei rezidivierendem oder refraktärem DLBCL. Über eine progressive multifokale Leukoenzephalopathie wurde ebenfalls berichtet (siehe Besondere Hinweise).
Wechselwirkungen
Mit Polatuzumab vedotin wurden keine speziellen klinischen Wechselwirkungsstudien durchgeführt. Die folgenden Aussagen beruhen auf Modellierungen und auf den Eigenschaften von MMAE, das ein Substrat von CYP3A4 und P-gp ist.
- Starke CYP3A4- und P-gp-Inhibitoren (zum Beispiel Ketoconazol): Modellierungen deuten darauf hin, dass sie die AUC von unkonjugiertem MMAE um 48 % erhöhen können. Mit Vorsicht anwenden. Patienten, die starke CYP3A4-Inhibitoren einnehmen (Boceprevir, Clarithromycin, Cobicistat, Indinavir, Itraconazol, Nefazodon, Nelfinavir, Posaconazol, Ritonavir, Saquinavir, Telaprevir, Telithromycin, Voriconazol), sollten engmaschiger auf Anzeichen einer Toxizität überwacht werden.
- Starke CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Johanniskraut): können die Exposition gegenüber unkonjugiertem MMAE verringern.
- CYP3A4-Substrate: Unkonjugiertes MMAE verändert voraussichtlich deren Exposition nicht.
- Rituximab, Bendamustin, Cyclophosphamid und Doxorubicin: Ihre Pharmakokinetik wird durch Polatuzumab vedotin nicht beeinflusst. Rituximab erhöhte die AUC von antikörperkonjugiertem MMAE um 24 % und verringerte die von unkonjugiertem MMAE um 37 %, und Bendamustin hatte auf keines von beiden eine Wirkung. Eine Dosisanpassung ist nicht erforderlich.
- Lebendimpfstoffe oder attenuierte Lebendimpfstoffe: sollten während der Behandlung nicht verabreicht werden.
- Grapefruit: Grapefruitprodukte können die MMAE-Konzentrationen erhöhen, da MMAE ein CYP3A4-Substrat ist; Vorsicht ist geboten.
Verabreichung und Dosierung
Polivy darf nur unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal angewendet werden, das in der Diagnose und Behandlung von Krebspatienten erfahren ist. Es ist ausschließlich zur intravenösen Anwendung bestimmt.
Empfohlene Dosis
- Bisher unbehandeltes DLBCL: 1,8 mg/kg als intravenöse Infusion alle 21 Tage mit R-CHP über 6 Zyklen. Polivy, Rituximab, Cyclophosphamid und Doxorubicin können an Tag 1 in beliebiger Reihenfolge nach Prednison angewendet werden. Prednison wird an den Tagen 1–5 jedes Zyklus gegeben. Die Zyklen 7 und 8 bestehen aus Rituximab allein. Die Dosierungen der übrigen Arzneimittel stehen in deren eigenen Fachinformationen.
- Rezidivierendes oder refraktäres DLBCL: 1,8 mg/kg als intravenöse Infusion alle 21 Tage mit Bendamustin und Rituximab über 6 Zyklen. Die drei Arzneimittel können an Tag 1 jedes Zyklus in beliebiger Reihenfolge angewendet werden. Zusammen mit Polivy wird Bendamustin mit 90 mg/m² pro Tag an den Tagen 1 und 2 jedes Zyklus und Rituximab mit 375 mg/m² an Tag 1 gegeben. Da die klinische Erfahrung begrenzt ist, sollte die Polivy-Dosis 240 mg pro Zyklus nicht überschreiten.
- Prämedikation: ein Antihistaminikum und ein Antipyretikum vor Polivy, sofern der Patient nicht bereits eine Prämedikation erhält.
- Verspätete oder versäumte Dosis: so bald wie möglich nachholen und das Anwendungsschema so anpassen, dass ein Abstand von 21 Tagen zwischen den Dosen beibehalten wird.
Art der Anwendung
- Die erste Dosis wird als 90-minütige Infusion verabreicht. Die Patienten werden während der Infusion und danach mindestens 90 Minuten lang auf infusionsbedingte Reaktionen und Überempfindlichkeitsreaktionen überwacht.
- Wenn die vorherige Infusion gut vertragen wurde, können spätere Dosen über 30 Minuten verabreicht werden, mit Überwachung während der Infusion und danach mindestens 30 Minuten lang.
- Polivy wird unter aseptischen Bedingungen und unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal rekonstituiert und verdünnt. Es wird über ein eigenes Infusionssystem mit einem sterilen, pyrogenfreien Inline- oder Add-on-Filter mit niedriger Proteinbindung (Porengröße 0,2 oder 0,22 Mikrometer) und einem Katheter verabreicht. Es darf nicht als intravenöse Druck- oder Bolusinjektion verabreicht werden.
- Polivy enthält eine zytotoxische Komponente, die an den Antikörper gebunden ist; Handhabung und Beseitigung erfolgen daher nach den Verfahren in Abschnitt 6.6 der Fachinformation.
Dosisanpassungen bei peripherer Neuropathie
- Bisher unbehandeltes DLBCL, sensorische Neuropathie Grad 2: Polivy auf 1,4 mg/kg reduzieren. Wenn Grad 2 an Tag 1 eines späteren Zyklus fortbesteht oder erneut auftritt, auf 1,0 mg/kg reduzieren. Wenn bereits 1,0 mg/kg gegeben wird und an Tag 1 eines späteren Zyklus Grad 2 auftritt, Polivy abbrechen.
- Bisher unbehandeltes DLBCL, motorische Neuropathie Grad 2: Polivy aussetzen, bis eine Besserung auf Grad 1 oder niedriger eingetreten ist, dann im nächsten Zyklus mit 1,4 mg/kg fortsetzen. Wenn bereits 1,4 mg/kg gegeben wird und an Tag 1 eines späteren Zyklus Grad 2 auftritt, aussetzen, bis Grad 1 oder niedriger erreicht ist, und mit 1,0 mg/kg fortsetzen. Wenn bereits 1,0 mg/kg gegeben wird und Grad 2 auftritt, Polivy abbrechen.
- Bisher unbehandeltes DLBCL, sensorische Neuropathie Grad 3: aussetzen, bis eine Besserung auf Grad 2 oder niedriger eingetreten ist, dann auf 1,4 mg/kg reduzieren; wenn bereits 1,4 mg/kg gegeben wird, auf 1,0 mg/kg reduzieren; wenn bereits 1,0 mg/kg gegeben wird, Polivy abbrechen.
- Bisher unbehandeltes DLBCL, motorische Neuropathie Grad 3: aussetzen, bis Grad 1 oder niedriger erreicht ist, und im nächsten Zyklus mit 1,4 mg/kg fortsetzen. Wenn bereits 1,4 mg/kg gegeben wird und Grad 2–3 auftritt, aussetzen, bis Grad 1 oder niedriger erreicht ist, und mit 1,0 mg/kg fortsetzen; wenn bereits 1,0 mg/kg gegeben wird und Grad 2–3 auftritt, Polivy abbrechen.
- Gleichzeitige sensorische und motorische Neuropathie: die strengste Einschränkung befolgen. Grad 4: Polivy abbrechen. R-CHP kann weiterhin gegeben werden.
- Rezidivierendes oder refraktäres DLBCL, Grad 2–3: aussetzen, bis eine Besserung auf Grad 1 oder niedriger eingetreten ist. Wenn die Erholung auf Grad 1 oder niedriger an oder vor Tag 14 erfolgt, mit einer dauerhaft reduzierten Dosis von 1,4 mg/kg fortsetzen. Wenn bereits eine Dosisreduktion auf 1,4 mg/kg erfolgt ist oder bis Tag 14 keine Erholung eintritt, Polivy abbrechen. Grad 4: Polivy abbrechen.
Dosisanpassungen bei Myelosuppression
- Bisher unbehandeltes DLBCL, Neutropenie Grad 3–4: die gesamte Behandlung aussetzen, bis die ANC wieder auf über 1.000/µl angestiegen ist. Geschieht dies an oder vor Tag 7, die gesamte Behandlung ohne Dosisreduktion wieder aufnehmen. Geschieht dies nach Tag 7, die gesamte Behandlung wieder aufnehmen und eine Dosisreduktion von Cyclophosphamid und/oder Doxorubicin um 25–50 % in Erwägung ziehen; wenn sie bereits um 25 % reduziert sind, eine Reduktion von einem oder beiden auf 50 % in Erwägung ziehen.
- Bisher unbehandeltes DLBCL, Thrombozytopenie Grad 3–4: dasselbe Vorgehen, wobei die gesamte Behandlung ausgesetzt wird, bis sich die Thrombozytenzahl auf über 75.000/µl erholt hat.
- Rezidivierendes oder refraktäres DLBCL, Neutropenie Grad 3–4: die gesamte Behandlung aussetzen, bis die ANC wieder auf über 1.000/µl angestiegen ist. Geschieht dies an oder vor Tag 7, ohne weitere Reduktionen wieder aufnehmen. Geschieht dies nach Tag 7, die gesamte Behandlung wieder aufnehmen, wobei Bendamustin von 90 auf 70 mg/m² oder von 70 auf 50 mg/m² reduziert wird; wenn Bendamustin bereits 50 mg/m² beträgt, die gesamte Behandlung abbrechen.
- Rezidivierendes oder refraktäres DLBCL, Thrombozytopenie Grad 3–4: dasselbe Vorgehen, wobei sich die Thrombozytenzahl auf über 75.000/µl erholen muss. Wenn in dieser Situation bei Neutropenie wie auch bei Thrombozytopenie die Primärursache das Lymphom ist, muss die Bendamustin-Dosis möglicherweise nicht reduziert werden.
Dosisanpassungen bei infusionsbedingten Reaktionen
- Grad 1–3: die Infusion unterbrechen und eine unterstützende Behandlung einleiten. Polivy dauerhaft abbrechen nach einem erstmaligen Giemen, Bronchospasmus oder einer generalisierten Urtikaria von Grad 3, nach wiederkehrendem Giemen oder wiederkehrender Urtikaria von Grad 2 oder nach dem erneuten Auftreten jeglicher Symptome von Grad 3. Andernfalls, sobald die Symptome vollständig abgeklungen sind, mit 50 % der vor der Unterbrechung erreichten Geschwindigkeit fortfahren, und wenn keine Symptome auftreten, die Geschwindigkeit in Schritten von 50 mg/Std. alle 30 Minuten erhöhen. Im nächsten Zyklus über 90 Minuten infundieren und, wenn keine Reaktion auftritt, danach über 30 Minuten. In jedem Zyklus eine Prämedikation geben.
- Grad 4: die Infusion sofort abbrechen, eine unterstützende Behandlung einleiten und Polivy dauerhaft abbrechen.
- Eine lebensbedrohliche Reaktion bedeutet den sofortigen und dauerhaften Abbruch.
Besondere Patientengruppen
- Ältere Patienten: keine Dosisanpassung bei Patienten im Alter von 65 Jahren oder älter.
- Nierenfunktionsstörung: keine Anpassung bei einer Kreatinin-Clearance von mindestens 30 ml/min. Für Werte unter 30 ml/min wurde wegen begrenzter Daten keine Dosis bestimmt.
- Leberfunktionsstörung: Polivy bei mäßiger oder schwerer Funktionsstörung (Bilirubin über dem 1,5-Fachen der Obergrenze des Normbereichs) vermeiden. Keine Anpassung der Anfangsdosis bei leichter Funktionsstörung (Bilirubin über der Obergrenze des Normbereichs bis zum 1,5-Fachen davon oder AST über der Obergrenze).
- Kinder und Jugendliche: Sicherheit und Wirksamkeit unter 18 Jahren wurden nicht nachgewiesen; es liegen keine Daten vor.
Besondere Hinweise
Rückverfolgbarkeit
Polivy ist ein biologisches Arzneimittel; daher sollten der Handelsname und die Chargenbezeichnung jeder verabreichten Dosis eindeutig dokumentiert werden.
Myelosuppression
Schwerwiegende und schwere Neutropenie sowie febrile Neutropenie wurden ab dem ersten Zyklus berichtet. Eine prophylaktische Gabe von Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF) war in der klinischen Entwicklung vorgeschrieben und sollte in Betracht gezogen werden. Auch eine Thrombozytopenie oder Anämie von Grad 3 oder 4 kann auftreten. Vor jeder Dosis sollte ein großes Blutbild kontrolliert werden; bei Neutropenie oder Thrombozytopenie von Grad 3 oder 4 sollten häufigere Kontrollen, Verzögerungen oder ein Abbruch erwogen werden.
Periphere Neuropathie
Neuropathie wurde ab dem ersten Zyklus berichtet, und das Risiko steigt mit späteren Dosen. Eine bestehende Neuropathie kann sich verschlechtern. Sie ist überwiegend sensorisch, es treten aber auch motorische und sensomotorische Neuropathien auf. Die Patienten sollten auf Hypästhesie, Hyperästhesie, Parästhesie, Dysästhesie, neuropathische Schmerzen, Brennen, Muskelschwäche oder Gangstörung überwacht werden; bei neu aufgetretener oder sich verschlechternder Neuropathie können eine Verzögerung, eine Dosisreduktion oder ein Abbruch erforderlich sein.
Infektionen
Über schwerwiegende, lebensbedrohliche und tödliche Infektionen einschließlich opportunistischer Infektionen wurde berichtet: Pneumonie (einschließlich Pneumocystis jirovecii und anderer Pilzpneumonien), Bakteriämie, Sepsis, Herpesvirus-Infektion und Zytomegalievirus-Infektion. Latente Infektionen können reaktiviert werden. Die Patienten sollten engmaschig überwacht werden, und während der gesamten Behandlung sollte eine Anti-Infektiva-Prophylaxe in Betracht gezogen werden. Polivy darf bei einer aktiven schweren Infektion nicht angewendet werden, und bei Patienten, die eine schwerwiegende Infektion entwickeln, sollten Polivy und jede begleitende Chemotherapie abgesetzt werden. Polivy wurde bei Patienten mit HIV nicht untersucht; mehrere starke CYP3A-Inhibitoren sind HIV-Arzneimittel (siehe Wechselwirkungen).
Impfungen
Lebendimpfstoffe oder attenuierte Lebendimpfstoffe sollten während der Behandlung nicht verabreicht werden. Bei Patienten, die kürzlich Lebendimpfstoffe erhalten haben, wurden keine Studien durchgeführt.
Progressive multifokale Leukoenzephalopathie
Über PML wurde berichtet. Die Patienten sollten engmaschig auf neue oder sich verschlechternde neurologische, kognitive oder Verhaltensänderungen überwacht werden. Polivy und jede begleitende Chemotherapie werden bei Verdacht auf PML ausgesetzt und bei bestätigter PML dauerhaft abgesetzt.
Tumorlysesyndrom
Patienten mit hoher Tumorlast und schnell proliferierendem Tumor können ein höheres Risiko haben. Vor der Behandlung sollten geeignete Maßnahmen oder eine Prophylaxe gemäß den lokalen Leitlinien ergriffen und die Patienten engmaschig überwacht werden.
Infusionsbedingte Reaktionen
Die Reaktionen können schwer sein, und verzögerte Reaktionen sind noch bis zu 24 Stunden nach der Infusion aufgetreten. Zuvor werden ein Antihistaminikum und ein Antipyretikum gegeben, die Patienten werden während der Infusion engmaschig überwacht, und bei einer Reaktion wird die Infusion unterbrochen und medizinisch behandelt.
Hepatotoxizität
Es sind schwerwiegende Fälle aufgetreten, die mit einer hepatozellulären Schädigung vereinbar sind, einschließlich erhöhter Transaminasen und/oder erhöhten Bilirubins. Eine bestehende Lebererkrankung, hohe Leberenzym-Ausgangswerte und andere Arzneimittel können das Risiko erhöhen. Leberenzyme und Bilirubin sollten überwacht werden.
Extravasation an der Infusionsstelle
Haut- und Weichteilverletzungen wurden Stunden bis Wochen nach einer Extravasation beobachtet. Vor Beginn sollte ein guter venöser Zugang sichergestellt und die Infusionsstelle während der Anwendung beobachtet werden. Tritt eine Extravasation auf, ist die Infusion abzubrechen, auf Gewebeschäden zu achten und gemäß den lokalen Leitlinien zu verfahren; die restliche Dosis kann, wenn klinisch angemessen, in einer anderen Extremität verabreicht werden.
Ältere Patienten
Von 435 bisher unbehandelten Patienten, die Polivy mit R-CHP erhielten, waren 227 (52,2 %) 65 Jahre oder älter; schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei 39,2 % der Patienten im Alter von 65 Jahren oder älter und bei 28,4 % der jüngeren Patienten auf, mit einem ähnlichen Muster unter R-CHOP. Von 151 Patienten mit rezidivierender oder refraktärer Erkrankung waren 103 (68 %) 65 Jahre oder älter, und die schwerwiegenden Nebenwirkungen waren in beiden Altersgruppen ähnlich (55 % und 56 %). In den Studien waren nicht genug Patienten im Alter von 65 Jahren oder älter eingeschlossen, um zu zeigen, ob sie anders ansprechen.
Schwangerschaft, Empfängnisverhütung, Stillzeit und Fertilität
- Empfängnisverhütung: Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und für mindestens 9 Monate nach der letzten Dosis eine wirksame Empfängnisverhütung anwenden. Männliche Patienten mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter sollten dies während der Behandlung und für mindestens 6 Monate nach der letzten Dosis tun.
- Schwangerschaft: Es liegen keine Daten bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien zeigten eine Reproduktionstoxizität, und Polatuzumab vedotin kann den Fötus schädigen. Der Schwangerschaftsstatus von Frauen im gebärfähigen Alter sollte vor der Behandlung überprüft werden. Polivy wird während der Schwangerschaft sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Empfängnisverhütung anwenden, nicht empfohlen, es sei denn, der potenzielle Nutzen für die Mutter überwiegt das Risiko für den Fötus.
- Stillzeit: Es ist nicht bekannt, ob Polatuzumab vedotin oder seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen, und ein Risiko kann nicht ausgeschlossen werden. Das Stillen sollte während der Behandlung und für mindestens 3 Monate nach der letzten Dosis eingestellt werden.
- Fertilität: In nichtklinischen Studien wurde eine testikuläre Toxizität beobachtet, und die männliche Fortpflanzungsfunktion und Fertilität können beeinträchtigt werden. Männern wird geraten, vor der Behandlung Spermaproben konservieren und lagern zu lassen und während der Behandlung sowie bis zu 6 Monate nach der letzten Dosis kein Kind zu zeugen.
Sonstige Bestandteile
Polivy enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Dosis, d. h., es ist im Wesentlichen natriumfrei. Es enthält Polysorbat 20 (1,8 mg pro 30-mg-Durchstechflasche und 8,4 mg pro 140-mg-Durchstechflasche), das allergische Reaktionen hervorrufen kann.
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit
Polivy hat einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Während der Behandlung können infusionsbedingte Reaktionen, periphere Neuropathie, Ermüdung (Fatigue) und Schwindelgefühl auftreten.
Lagerungsbedingungen
Polivy-Durchstechflaschen im Kühlschrank bei 2–8 °C lagern. Nicht einfrieren. Die Durchstechflasche im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen. Es ist ein Kühlkettenprodukt vom Versand bis zur Krankenhausapotheke. Zur Lagerung nach Rekonstitution und Verdünnung siehe Haltbarkeit.
Haltbarkeit
- Ungeöffnete Durchstechflasche: 30 Monate.
- Rekonstituierte Lösung: Sie sollte sofort verwendet werden. Falls nicht, liegen die Aufbewahrungszeiten und -bedingungen bis zur Anwendung in der Verantwortung des Anwenders und sollten normalerweise 24 Stunden bei 2–8 °C nicht überschreiten, es sei denn, die Rekonstitution hat unter kontrollierten und validierten aseptischen Bedingungen stattgefunden. Die chemische und physikalische Gebrauchsstabilität wurde für bis zu 72 Stunden bei 2–8 °C und bis zu 24 Stunden bei Raumtemperatur (9–25 °C) nachgewiesen.
- Verdünnte Lösung: Sie sollte sofort verwendet werden; Abschnitt 6.3 der Fachinformation nennt die Aufbewahrungsbedingungen während des Gebrauchs.
Abgabebedingungen in der Apotheke
Verschreibungspflichtig (Rx), ein Arzneimittel zur Abgabe auf eingeschränkte ärztliche Verschreibung, zur Anwendung unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal, das in der Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen erfahren ist. Polivy wird im Krankenhaus als intravenöse Infusion verabreicht und daher als Kühlkettenprodukt bei 2–8 °C an das Krankenhaus oder die Klinik geliefert, die es anwendet.
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DrugBank — Polatuzumab vedotin (DB12240); EMA SmPC — PolivyZuletzt geprüft:
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