Mosunetuzumab
CD20/CD3-bispezifischer T-Zell-Engager (monoklonaler Antikörper)
Mosunetuzumab ist ein bispezifischer, humanisierter IgG1-Antikörper in voller Länge, der an CD20 auf B-Zellen und an CD3 auf T-Zellen bindet. Er bringt eine zytotoxische T-Zelle in die Nähe einer B-Zelle, und nur wenn beide Zielstrukturen gleichzeitig gebunden sind, setzt die T-Zelle Perforin und Granzyme frei, die die B-Zelle abtöten. In der EU ist er als Monotherapie für Erwachsene mit rezidivierendem oder refraktärem follikulärem Lymphom zugelassen, die zuvor mindestens zwei systemische Therapien erhalten haben. Er wird in 21-Tage-Zyklen mit schrittweise ansteigenden Dosen in Zyklus 1 gegeben, entweder als intravenöse Infusion oder als subkutane Injektion (zwei getrennte Darreichungsformen), über 8 Zyklen oder bis zu 17 Zyklen bei Patienten mit partiellem Ansprechen oder stabiler Erkrankung nach Zyklus 8. Das Zytokinfreisetzungssyndrom ist sein wichtigstes Risiko; daher wird er nur unter Aufsicht von Fachpersonal gegeben, das in der Krebstherapie qualifiziert ist, und in einer Umgebung, in der schwere Reaktionen behandelt werden können.
Erhältlich unter folgenden Markennamen
Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:
- Lunsumio ®
Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.
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Häufig gestellte Fragen
Mosunetuzumab: Wofür wird es angewendet?
Mosunetuzumab ist ein bispezifischer, humanisierter IgG1-Antikörper in voller Länge, der an CD20 auf B-Zellen und an CD3 auf T-Zellen bindet.
Mosunetuzumab: Ist ein Rezept erforderlich?
Ja. Mosunetuzumab ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.
Mosunetuzumab: Wie ist es zu lagern?
Lagern Sie Mosunetuzumab bei 2–8 °C; nicht einfrieren; vor Licht schützen in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich. Nach Anbruch: Verdünnte Infusionslösung: Gebrauchsstabilität 24 Stunden bei 2–8 °C und 24 Stunden bei 9–30 °C, aus mikrobiologischer Sicht jedoch sofort zu verwenden. In eine Spritze aufgezogene Injektionslösung: sofort injizieren; andernfalls normalerweise nicht länger als 24 Stunden bei 2–8 °C, es sei denn, sie wurde unter validierten aseptischen Bedingungen zubereitet; dann kann die verschlossene Spritze bis zu 28 Tage bei 2–8 °C vor Licht geschützt und/oder 24 Stunden bei 9–30 °C bei Umgebungslicht aufbewahrt werden.
Mosunetuzumab: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?
Ja. Mosunetuzumab muss bei 2–8 °C; nicht einfrieren; vor Licht schützen gehalten werden und wird daher in Isolierverpackungen mit Kühlelementen versendet, die für die gesamte Transitzeit dimensioniert sind, sodass die Kühlkette vom Versand bis zur Zustellung ununterbrochen bleibt.
Mosunetuzumab: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?
Mosunetuzumab wird je nach Land und Hersteller als Lunsumio vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.
Mosunetuzumab: Welche Stärken sind verfügbar?
Mosunetuzumab ist in folgenden Stärken erhältlich: 1 mg/1 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, 30 mg/30 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, 5 mg/0,5 ml Injektionslösung, 45 mg/1 ml Injektionslösung. Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.
Mosunetuzumab: Wie lange ist es haltbar?
Die Haltbarkeit von Mosunetuzumab beträgt 3 Jahre (ungeöffnete Durchstechflasche) bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.
Medizinische Informationen & Leitlinien
Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs
Pharmakologische Wirkung
Mosunetuzumab ist ein vollständiger, humanisierter Anti-CD20/CD3-Antikörper vom Immunglobulin-G1-Isotyp (IgG1), der in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters mittels rekombinanter DNA-Technologie hergestellt wird. Ein Bindungsarm erkennt CD20 auf B-Zellen und der andere CD3 auf T-Zellen, sodass er als T-Zell-engagierender bispezifischer Antikörper wirkt.
Wirkmechanismus
- Bedingte Abtötung: B-Zellen werden nur abgetötet, wenn Mosunetuzumab gleichzeitig an CD20 auf der B-Zelle und an CD3 auf einer T-Zelle gebunden ist.
- Immunologische Synapse: Die Bindung beider Arme bringt die Ziel-B-Zelle und eine zytotoxische T-Zelle in einer immunologischen Synapse zusammen und aktiviert die T-Zelle. Die T-Zelle setzt dann über die Synapse Perforin und Granzyme frei, wodurch die B-Zelle lysiert wird.
- B-Zell-Depletion: Bis zu Beginn von Zyklus 2 waren B-Zellen (CD19-Zellzahl unter 5 Zellen/µl) bei den meisten Patienten depletiert (95,2 % bei intravenöser und 94,1 % bei subkutaner Anwendung), und die Depletion blieb während der gesamten Behandlung bestehen.
- Zytokinanstieg: Der Behandlungsbeginn führt zu einem vorübergehenden Anstieg der Zytokinspiegel, der CYP450-Enzyme hemmen kann (siehe Wechselwirkungen).
Pharmakokinetik
- Dosisproportionalität: Die Exposition stieg im untersuchten Bereich von 0,05 bis 60 mg annähernd proportional zur Dosis an. Die intravenöse Pharmakokinetik wird durch ein Zwei-Kompartiment-Modell mit zeitabhängiger Clearance beschrieben.
- Resorption: Nach einer intravenösen Infusion erreicht die Serumkonzentration am Ende der Infusion ihren Höchstwert (mittlere Cmax 17,9 µg/ml am Ende der Dosis an Tag 1 von Zyklus 2) und fällt dann in zwei Phasen ab. Nach subkutaner Injektion ist die Resorption langsam und die Bioverfügbarkeit hoch (über 75 % in klinischen Studien).
- Verteilung: Das zentrale Verteilungsvolumen beträgt 5,49 l. Da es sich um einen Antikörper handelt, wurden keine Studien zur Proteinbindung durchgeführt.
- Metabolismus: Nicht direkt untersucht; wie andere therapeutische Proteine wird er voraussichtlich über katabole Stoffwechselwege in kleine Peptide und Aminosäuren abgebaut.
- Elimination: Die mittlere Clearance im Steady State beträgt 1,08 l/Tag und die Baseline-Clearance 0,584 l/Tag; die terminale Halbwertszeit im Steady State beträgt 16,1 Tage.
- Besondere Patientengruppen: Das Alter (19 bis 96 Jahre) hatte keinen klinisch bedeutsamen Einfluss auf die Pharmakokinetik. Aus pharmakokinetischer Sicht wird bei leichter bis mittelschwerer Nierenfunktionsstörung oder bei Leberfunktionsstörung keine Dosisanpassung für notwendig erachtet, obwohl eine schwere Nierenfunktionsstörung und eine Leberfunktionsstörung nicht untersucht wurden.
Anwendungsgebiete
- Follikuläres Lymphom: als Monotherapie bei Erwachsenen mit rezidivierendem oder refraktärem follikulärem Lymphom (FL), die zuvor mindestens zwei systemische Therapien erhalten haben.
- Diese Indikation gilt sowohl für die intravenöse (Infusion) als auch für die subkutane (Injektion) Darreichungsform. Sie sind nicht austauschbar.
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Mosunetuzumab oder einen der sonstigen Bestandteile (Fachinformation, Abschnitt 6.1).
Nebenwirkungen
Die folgenden Reaktionen stammen aus der zulassungsrelevanten Studie GO29781 mit 357 Patienten (218 mit der empfohlenen intravenösen Dosis und 139 mit der empfohlenen subkutanen Dosis), die ein follikuläres Lymphom (51,8 %), ein diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (26,9 %), ein transformiertes follikuläres Lymphom (9,8 %), ein Mantelzell-Lymphom (7,3 %), eine Richter-Transformation (3,9 %) oder andere Histologien (0,3 %) hatten. Die häufigsten Reaktionen (≥20 %) waren Zytokinfreisetzungssyndrom, Neutropenie, Ausschlag und Infektion der oberen Atemwege. Die häufigsten schwerwiegenden Reaktionen (≥2 %) waren Zytokinfreisetzungssyndrom (17 % nach ASTCT-Einstufung), Pneumonie (5 %), Pyrexie (3 %), Sepsis (3 %) und Infektion der oberen Atemwege (3 %). Die Behandlung wurde bei 5,8 % der Patienten (21/357) wegen einer Nebenwirkung dauerhaft abgebrochen; bei Patienten, die die intravenöse Dosis erhielten, war das Zytokinfreisetzungssyndrom die einzige Reaktion, die bei mehr als einem Patienten zum Abbruch führte (2 Patienten, 0,9 %).
Sehr häufig (≥1/10): Infektion der oberen Atemwege, Neutropenie, Anämie, Thrombozytopenie, Zytokinfreisetzungssyndrom, Hypophosphatämie, Hypokaliämie, Kopfschmerzen, Diarrhö, Übelkeit, Ausschlag, Pruritus, trockene Haut, Pyrexie, Schüttelfrost.
Häufig (≥1/100 bis <1/10): Harnwegsinfektion, Pneumonie, Infektion der unteren Atemwege, Sepsis, Tumor-Flare, febrile Neutropenie, Hypomagnesiämie, Schwindel, Immuneffektorzell-assoziiertes Neurotoxizitätssyndrom (ICANS), Hautabschuppung, Alaninaminotransferase erhöht, Aspartataminotransferase erhöht.
Gelegentlich (≥1/1.000 bis <1/100): Hämophagozytische Lymphohistiozytose, Tumorlysesyndrom.
Zytokinfreisetzungssyndrom, ICANS, schwerwiegende und teils tödliche Infektionen, hämophagozytische Lymphohistiozytose (einschließlich tödlicher Fälle), Tumor-Flare und Tumorlysesyndrom sind die wichtigsten schwerwiegenden Reaktionen (siehe Besondere Hinweise).
Wechselwirkungen
Es wurden keine Wechselwirkungsstudien durchgeführt.
- CYP450-Substrate mit enger therapeutischer Breite (zum Beispiel Warfarin, Voriconazol, Ciclosporin): Der vorübergehende Anstieg der Zytokine zu Behandlungsbeginn kann CYP450-Enzyme hemmen, sodass ein vorübergehender klinisch relevanter Effekt nicht ausgeschlossen werden kann. Beim Beginn der Behandlung mit Lunsumio ist eine therapeutische Überwachung in Betracht zu ziehen und die Dosis des gleichzeitig angewendeten Arzneimittels bei Bedarf anzupassen.
- Lebendimpfstoffe und attenuierte Lebendimpfstoffe: sollten nicht gleichzeitig mit Lunsumio gegeben werden; bei Patienten, die kürzlich Lebendimpfstoffe erhalten haben, wurden keine Studien durchgeführt.
Verabreichung und Dosierung
Lunsumio darf nur unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal gegeben werden, das in der Anwendung von Krebstherapien qualifiziert ist, und in einer Umgebung mit angemessener medizinischer Unterstützung zur Behandlung schwerer Reaktionen wie des Zytokinfreisetzungssyndroms (CRS) und des Immuneffektorzell-assoziierten Neurotoxizitätssyndroms (ICANS). Der Patient sollte gut hydriert sein, und der Handelsname sowie die Chargenbezeichnung des gegebenen Produkts sollten dokumentiert werden.
Es gibt zwei Darreichungsformen, eine intravenöse (i. v.) und eine subkutane (s. c.) mit fester Dosis, und das Etikett des Produkts muss geprüft werden, damit die verordnete Form gegeben wird. Die i. v. Darreichungsform ist nur zur Infusion und die s. c. Darreichungsform nur zur subkutanen Injektion bestimmt.
Prämedikation
- i. v. Infusion: alle Patienten in den Zyklen 1 und 2, ab Zyklus 3 nur Patienten, bei denen mit der vorherigen Dosis ein CRS beliebigen Grades aufgetreten war. Ein intravenöses Corticosteroid (bevorzugt Dexamethason 20 mg oder Methylprednisolon 80 mg) wird mindestens 1 Stunde vor der Infusion abgeschlossen; ein Antihistaminikum (50–100 mg Diphenhydraminhydrochlorid oder ein gleichwertiges orales oder intravenöses Antihistaminikum) wird mindestens 30 Minuten vorher gegeben; außerdem wird ein Antipyretikum (500–1.000 mg Paracetamol) gegeben.
- s. c. Injektion: alle Patienten in Zyklus 1, ab Zyklus 2 nur Patienten, bei denen mit der vorherigen Dosis ein CRS beliebigen Grades aufgetreten war. Ein intravenöses oder orales Corticosteroid (bevorzugt Dexamethason 20 mg oder Methylprednisolon 80 mg) wird gegeben; ein Antihistaminikum (50–100 mg Diphenhydraminhydrochlorid oder gleichwertig) und ein Antipyretikum (500–1.000 mg Paracetamol) sind in Zyklus 1 und danach optional.
Empfohlene Dosis: Intravenöse Infusion
Jeder Zyklus dauert 21 Tage.
- Zyklus 1: Tag 1, 1 mg; Tag 8, 2 mg; Tag 15, 60 mg.
- Zyklus 2: Tag 1, 60 mg.
- Ab Zyklus 3: Tag 1, 30 mg.
- Die Infusionen in Zyklus 1 laufen über mindestens 4 Stunden. Wurden sie gut vertragen, können spätere Infusionen über 2 Stunden laufen.
- Das Arzneimittel wird von medizinischem Fachpersonal unter aseptischen Bedingungen verdünnt und über eine separate Infusionsleitung ohne Inline-Filter gegeben (Tropfkammerfilter dürfen verwendet werden). Es darf niemals als intravenöse Druck- oder Bolusinjektion gegeben werden.
Empfohlene Dosis: Subkutane Injektion
Jeder Zyklus dauert 21 Tage.
- Zyklus 1: Tag 1, 5 mg; Tag 8, 45 mg; Tag 15, 45 mg.
- Ab Zyklus 2: Tag 1, 45 mg.
- Die Injektion erfolgt in das Gewebe von Bauch oder Oberschenkel. Die Injektionsstelle wird bei jeder Dosis gewechselt; es wird nie in tätowierte Haut, Muttermale oder Narben oder in gerötete, geprellte, schmerzempfindliche, harte oder nicht intakte Haut injiziert.
Behandlungsdauer
- Beide Darreichungsformen werden über 8 Zyklen gegeben, es sei denn, der Patient hat eine nicht akzeptable Toxizität oder eine Krankheitsprogression.
- Nach einem vollständigen Ansprechen ist keine Behandlung über 8 Zyklen hinaus erforderlich. Nach einem partiellen Ansprechen oder einer stabilen Erkrankung in Zyklus 8 werden weitere 9 Zyklen (insgesamt 17) gegeben, es sei denn, es liegt eine nicht akzeptable Toxizität oder eine Krankheitsprogression vor.
Verzögerte oder versäumte Dosen
Für jede Darreichungsform nennt die Fachinformation (Tabelle 3) die zu ergreifende Maßnahme für jede Kombination aus zuletzt gegebener Dosis und seither vergangener Zeit. Kürzere Verzögerungen erlauben in der Regel, die nächste geplante Dosis zu geben; längere Verzögerungen bedeuten, dass die früheren, schrittweise ansteigenden Dosen wiederholt werden, zum Beispiel nach einem Abstand von mehr als 2 Wochen nach der ersten Dosis oder von 6 Wochen oder mehr nach einer späteren Dosis. Die genauen Intervalle unterscheiden sich je nach Dosis und Darreichungsform; daher ist die Tabelle der Fachinformation zu befolgen, mit der dort angegebenen Prämedikation.
Dosisanpassung bei Toxizität
Bei Patienten mit Reaktionen von Grad 3 oder 4 (zum Beispiel schwerwiegende Infektion, Tumor-Flare oder Tumorlysesyndrom) sollte die Behandlung ausgesetzt werden, bis die Symptome abgeklungen sind.
Zytokinfreisetzungssyndrom: Management
Das CRS wird anhand des klinischen Bildes erkannt und nach den ASTCT-Kriterien eingestuft. Andere Ursachen von Fieber, Hypoxie und Hypotonie, wie Infektion oder Sepsis, müssen abgeklärt und behandelt werden. Die Prämedikation kann Fieber maskieren, daher gilt die Anleitung immer dann, wenn das klinische Bild zu einem CRS passt. Bei der Infusion können infusionsbedingte Reaktionen klinisch nicht von einem CRS zu unterscheiden sein und werden auf dieselbe Weise behandelt. Spricht das CRS nicht auf die Behandlung an, sind andere Ursachen, einschließlich hämophagozytischer Lymphohistiozytose, in Betracht zu ziehen.
- Grad 1 (Fieber ≥38 °C). Infusion: Tritt das CRS während der Infusion auf, diese unterbrechen und die Symptome behandeln, nach Abklingen der Symptome mit derselben Geschwindigkeit fortsetzen (diese Infusion abbrechen, wenn sie erneut auftreten); tritt es nach der Infusion auf, die Symptome behandeln. Injektion: Die Symptome behandeln. Für beide: Dauert das CRS trotz symptomatischer Behandlung länger als 48 Stunden, sind Dexamethason und/oder Tocilizumab in Betracht zu ziehen. Vor der nächsten Dosis müssen die Symptome mindestens 72 Stunden lang abgeklungen sein, mit engmaschigerer Überwachung (Infusion) bzw. unter Erwägung einer Prämedikation mit Antihistaminikum und Antipyretikum und enger Überwachung (Injektion).
- Grad 2 (Fieber ≥38 °C und/oder Hypotonie ohne Bedarf an Vasopressoren und/oder Hypoxie mit Bedarf an Low-Flow-Sauerstoff, unter 6 l/Minute, über Nasenkanüle oder Blow-by). Infusion: unterbrechen und behandeln, nach Abklingen der Symptome mit 50 % der Geschwindigkeit fortsetzen (diese Infusion abbrechen, wenn sie erneut auftreten). Injektion: Die Symptome behandeln. Für beide: Tritt keine Besserung ein, sind Dexamethason und/oder Tocilizumab in Betracht zu ziehen. Vor der nächsten Dosis müssen die Symptome mindestens 72 Stunden lang abgeklungen sein, die Prämedikation sollte maximiert und die Überwachung häufiger sein; bei der Infusion kann erwogen werden, die nächste mit 50 % der Geschwindigkeit zu geben.
- Grad 3 (Fieber ≥38 °C und/oder Hypotonie mit Bedarf an einem Vasopressor, mit oder ohne Vasopressin, und/oder Hypoxie mit Bedarf an High-Flow-Sauerstoff, 6 l/Minute oder mehr, über Nasenkanüle, Gesichtsmaske, Maske ohne Rückatmung oder Venturi-Maske). Die Symptome behandeln und Dexamethason sowie Tocilizumab geben (bei der Infusion die laufende Infusion abbrechen, wenn das CRS während dieser auftritt). Ist das CRS refraktär gegenüber Dexamethason und Tocilizumab, alternative Immunsuppressiva und Methylprednisolon 1.000 mg/Tag intravenös bis zur klinischen Besserung geben. Vor der nächsten Dosis müssen die Symptome mindestens 72 Stunden lang abgeklungen sein, die Prämedikation sollte maximiert und der Patient für die nächste Dosis stationär aufgenommen werden; die nächste Infusion wird mit 50 % der Geschwindigkeit gegeben. Trat bei der Injektion das CRS nach der Dosis von 5 mg oder 45 mg auf, sollte die nächste Dosis 5 mg betragen und der Plan nach der Erholung wieder aufgenommen werden; tritt bei späteren Dosen ein CRS Grad 3 auf, wird die Behandlung dauerhaft abgebrochen.
- Grad 4 (Fieber ≥38 °C und/oder Hypotonie mit Bedarf an mehreren Vasopressoren, ausgenommen Vasopressin, und/oder Hypoxie mit Bedarf an Sauerstoff unter positivem Druck, z. B. CPAP, BiPAP oder Intubation und mechanische Beatmung). Lunsumio dauerhaft absetzen, die Symptome behandeln und Dexamethason sowie Tocilizumab geben; bei Refraktärität alternative Immunsuppressiva und Methylprednisolon 1.000 mg/Tag intravenös bis zur klinischen Besserung geben.
- Verwendete Dosen: Dexamethason 10 mg alle 6 Stunden (oder äquivalent) bis zur klinischen Besserung, intravenös nach dem Wortlaut der Fachinformation zur Infusion und oral in der Fachinformation zur Injektion. In der zulassungsrelevanten Studie wurde Tocilizumab intravenös mit 8 mg/kg gegeben (nicht mehr als 800 mg pro Infusion); tritt nach der ersten Dosis keine Besserung ein, kann mindestens 8 Stunden später eine zweite Dosis folgen (höchstens 2 Dosen pro CRS-Ereignis), und innerhalb von 6 Wochen Lunsumio-Behandlung sollten nicht mehr als 3 Tocilizumab-Dosen gegeben werden.
ICANS: Management
Ein ICANS wird anhand des klinischen Bildes erkannt, nachdem andere Ursachen neurologischer Symptome ausgeschlossen wurden, und nach den ASTCT-Kriterien mithilfe der ICE-Bewertung (Immuneffektorzell-assoziierte Enzephalopathie) eingestuft.
- Grad 1 (ICE-Score 7–9 oder getrübter Bewusstseinszustand, wacht aber spontan auf): Lunsumio aussetzen und neurologische Symptome überwachen, bis das ICANS abgeklungen ist (vor dem Aussetzen die Art der Toxizität berücksichtigen); unterstützende Therapie geben und eine neurologische Konsultation erwägen. Eine Einzeldosis Dexamethason 10 mg erwägen, wenn kein anderes Corticosteroid eingenommen wird, sowie ein nicht sedierendes Antikonvulsivum (zum Beispiel Levetiracetam) zur Anfallsprophylaxe.
- Grad 2 (ICE 3–6 oder wacht bei Ansprache auf): wie Grad 1, aber mit Dexamethason 10 mg intravenös alle 6 Stunden behandeln, wenn kein anderes Corticosteroid eingenommen wird, bis zur Besserung auf Grad 1, dann ausschleichen.
- Grad 3 (ICE 0–2, wacht nur auf taktilen Reiz auf, jeglicher klinische Krampfanfall, der rasch abklingt, oder fokales bzw. lokales Ödem in der Neurobildgebung): Lunsumio aussetzen, bis das ICANS abgeklungen ist, unterstützende Therapie geben (die auch Intensivpflege umfassen kann) und Dexamethason wie bei Grad 2, und eine Anfallsprophylaxe bis zum Abklingen erwägen. Vor dem erneuten Beginn Nutzen und Risiko abwägen; bei erneutem ICANS Grad 3 ein dauerhaftes Absetzen erwägen.
- Grad 4 (ICE 0, nicht erweckbar oder benötigt starke oder wiederholte Reize, lebensbedrohlicher Krampfanfall von mehr als 5 Minuten Dauer oder wiederholte Krampfanfälle ohne Rückkehr zum Ausgangszustand, tiefe fokale motorische Schwäche oder diffuses Hirnödem): Lunsumio dauerhaft absetzen, unterstützende Therapie und Dexamethason wie oben geben (oder Methylprednisolon 1.000 mg pro Tag intravenös über 3 Tage erwägen) und eine Anfallsprophylaxe bis zum Abklingen geben.
Besondere Patientengruppen
- Ältere Patienten: keine Dosisanpassung bei Patienten ab 65 Jahren.
- Nierenfunktionsstörung: bei schwerer Funktionsstörung nicht untersucht; bei leichter bis mittelschwerer Funktionsstörung wird keine Anpassung für notwendig erachtet.
- Leberfunktionsstörung: nicht untersucht; aus pharmakokinetischer Sicht wird keine Anpassung für notwendig erachtet.
- Kinder und Jugendliche: Sicherheit und Wirksamkeit bei unter 18-Jährigen sind nicht erwiesen.
Besondere Hinweise
Rückverfolgbarkeit
Um die Rückverfolgbarkeit dieses biologischen Arzneimittels zu verbessern, sollten der Handelsname und die Chargenbezeichnung jeder gegebenen Dosis deutlich dokumentiert werden.
Zytokinfreisetzungssyndrom: Überwachung
Ein CRS, einschließlich lebensbedrohlicher Reaktionen, ist aufgetreten. Zu den Anzeichen und Symptomen gehörten Pyrexie, Schüttelfrost, Hypotonie, Tachykardie, Hypoxie und Kopfschmerzen. Die Ereignisse traten hauptsächlich in Zyklus 1 auf und standen bei der Infusion meist im Zusammenhang mit den Dosen an Tag 1 und Tag 15. Die Patienten erhalten eine Prämedikation gemäß dem Schema für ihre Darreichungsform (siehe Verabreichung und Dosierung); für die Infusion sieht die Fachinformation Corticosteroide, Antipyretika und Antihistaminika mindestens bis einschließlich Zyklus 2 vor. Sie müssen ausreichend hydriert sein, auf Anzeichen und Symptome eines CRS überwacht und angewiesen werden, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn diese zu irgendeinem Zeitpunkt auftreten. Ärzte sollten unterstützende Maßnahmen, Tocilizumab und/oder Corticosteroide wie angezeigt einleiten.
Schwerwiegende Infektionen
Schwerwiegende Infektionen wie Pneumonie, Bakteriämie, Sepsis, septischer Schock und opportunistische Infektionen sind aufgetreten, einige davon lebensbedrohlich oder tödlich, und nach der Infusion wurde eine febrile Neutropenie beobachtet. Fälle von progressiver multifokaler Leukoenzephalopathie (PML) wurden mit gegen CD20 gerichteten Antikörpern berichtet, einschließlich CD3-CD20-bispezifischer Antikörper. Lunsumio sollte nicht bei einer aktiven Infektion gegeben werden, und bei Patienten mit wiederkehrenden oder chronischen Infektionen (zum Beispiel chronisch aktivem Epstein-Barr-Virus), prädisponierenden Erkrankungen oder einer erheblichen immunsuppressiven Vorbehandlung ist Vorsicht geboten. Eine antibakterielle, antivirale und/oder antimykotische Prophylaxe sollte je nach Bedarf gegeben werden, und die Patienten sollten vor und nach jeder Dosis auf Infektionen überwacht werden. Bei febriler Neutropenie wird auf eine Infektion untersucht, und sie wird gemäß den lokalen Leitlinien mit Antibiotika, Flüssigkeit und unterstützender Behandlung behandelt. Die Patienten sollten auf neue oder sich verschlechternde neurologische Toxizität überwacht werden; wenn Symptome auf eine PML hindeuten, wird die Behandlung abgebrochen und es werden diagnostische und therapeutische Maßnahmen einschließlich neurologischer Konsultation eingeleitet.
ICANS
Ein schwerwiegendes und lebensbedrohliches ICANS ist aufgetreten. Es kann gemeinsam mit einem CRS, nach Abklingen eines CRS oder ohne CRS beginnen, und die meisten Fälle traten in Zyklus 1 auf. Berichtete Manifestationen waren Verwirrtheitszustand, Lethargie, Enzephalopathie, getrübter Bewusstseinszustand und Gedächtnisstörung. Die Patienten werden nach jeder Dosis überwacht und müssen sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wenn zu irgendeinem Zeitpunkt Symptome auftreten; sie sollten beim Autofahren, Radfahren oder Bedienen schwerer oder potenziell gefährlicher Maschinen vorsichtig sein und diese bei Symptomen meiden. Bei den ersten Anzeichen ist gemäß der oben beschriebenen ICANS-Anleitung zu verfahren.
Hämophagozytische Lymphohistiozytose
Eine HLH, einschließlich tödlicher Fälle, wurde berichtet. Es handelt sich um ein lebensbedrohliches Syndrom mit Fieber, Hepatomegalie und Zytopenien. An eine HLH sollte gedacht werden, wenn ein CRS atypisch oder verlängert verläuft; die Patienten werden auf deren Anzeichen überwacht, und bei Verdacht wird Lunsumio unterbrochen und die HLH behandelt.
Tumor-Flare und Tumorlysesyndrom
- Tumor-Flare: Neue oder sich verschlechternde Pleuraergüsse, lokale Schmerzen und Schwellungen an Lymphomherden sowie Tumorentzündung wurden berichtet, wahrscheinlich durch den Zustrom von T-Zellen in den Tumor. Das Risiko einer Schädigung durch Raumforderung ist bei großvolumigen Tumoren in der Nähe der Atemwege oder eines lebenswichtigen Organs höher; daher sollten Patienten an kritischen Stellen auf einen Tumor-Flare überwacht werden.
- Tumorlysesyndrom: Die Patienten benötigen vorab eine ausreichende Hydratation und je nach Bedarf eine prophylaktische harnsäuresenkende Therapie (zum Beispiel Allopurinol oder Rasburicase) mit Überwachung von Anzeichen, Symptomen und Blutchemie, insbesondere bei hoher Tumorlast, schnell proliferierenden Tumoren oder eingeschränkter Nierenfunktion.
Impfung und Patientenkarte
Lebendimpfstoffe und attenuierte Lebendimpfstoffe sollten nicht gleichzeitig mit Lunsumio gegeben werden. Der verschreibende Arzt muss die Risiken mit dem Patienten besprechen, der eine Patientenkarte erhält, die die häufigen Anzeichen und Symptome von CRS und ICANS beschreibt und angibt, wann ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen ist, und die er jederzeit bei sich tragen sollte.
Schwangerschaft, Stillzeit und Fertilität
- Kontrazeption: Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und für mindestens 3 Monate nach der letzten Dosis eine wirksame Verhütungsmethode anwenden.
- Schwangerschaft: Es liegen keine Daten beim Menschen vor, und tierexperimentelle Studien zur Reproduktionstoxizität sind unzureichend. Lunsumio wird während der Schwangerschaft sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Verhütungsmethode anwenden, nicht empfohlen.
- Stillzeit: Es ist nicht bekannt, ob Mosunetuzumab oder seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen; ein Risiko für den Säugling kann nicht ausgeschlossen werden, daher sollte während der Behandlung abgestillt werden.
- Fertilität: Keine Daten beim Menschen. In 26-wöchigen Studien an Cynomolgus-Affen bei Expositionen, die denen bei Patienten ähnlich waren, wurde keine Beeinträchtigung der männlichen oder weiblichen Fortpflanzungsorgane beobachtet.
Polysorbat 20
Das Arzneimittel enthält Polysorbat 20, das allergische Reaktionen hervorrufen kann: 0,6 mg pro Durchstechflasche zu 1 mg und 18 mg pro Durchstechflasche zu 30 mg (0,6 mg/ml) des Infusionskonzentrats sowie 0,3 mg pro Durchstechflasche zu 5 mg und 0,6 mg pro Durchstechflasche zu 45 mg der Injektionslösung.
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit
Lunsumio hat großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Wegen des möglichen Auftretens eines ICANS besteht für die Patienten das Risiko einer Bewusstseinstrübung; sie sollten beim Autofahren, Radfahren oder Bedienen schwerer oder potenziell gefährlicher Maschinen vorsichtig sein und diese meiden, wenn sie Symptome haben.
Lagerungsbedingungen
Im Kühlschrank bei 2–8 °C lagern. Nicht einfrieren. Die Durchstechflasche im Umkarton aufbewahren, um sie vor Licht zu schützen. Die Kühlkette sollte während des Transports und der Lagerung aufrechterhalten werden. Zur Lagerung nach der Verdünnung oder nach dem Aufziehen der Lösung in eine Spritze siehe Haltbarkeit.
Haltbarkeit
- Ungeöffnete Durchstechflasche: 3 Jahre.
- Verdünnte Infusionslösung: Die chemische und physikalische Gebrauchsstabilität wurde für 24 Stunden bei 2–8 °C und für 24 Stunden bei 9–30 °C nachgewiesen. Aus mikrobiologischer Sicht sollte sie sofort verwendet werden; andernfalls liegen die Aufbewahrungszeiten und -bedingungen in der Verantwortung des Anwenders und würden normalerweise 24 Stunden bei 2–8 °C nicht überschreiten, es sei denn, die Verdünnung erfolgte unter kontrollierten und validierten aseptischen Bedingungen.
- Injektionslösung in einer Spritze: Sie enthält kein antimikrobielles Konservierungsmittel und sollte sofort injiziert werden. Andernfalls liegen die Aufbewahrungszeiten und -bedingungen in der Verantwortung des Anwenders und würden normalerweise 24 Stunden bei 2–8 °C nicht überschreiten, es sei denn, sie wurde unter kontrollierten und validierten aseptischen Bedingungen überführt; die verschlossene Spritze kann dann bis zu 28 Tage bei 2–8 °C vor Licht geschützt und/oder bis zu 24 Stunden bei 9–30 °C bei Umgebungslicht aufbewahrt werden.
Abgabebedingungen in der Apotheke
Nur auf ärztliche Verschreibung (Rx); ein Arzneimittel, das der eingeschränkten ärztlichen Verschreibung unterliegt (Anhang II B) und unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal gegeben wird, das in der Krebstherapie qualifiziert ist. Lunsumio wird in einer Krankenhaus- oder Klinikumgebung mit medizinischer Unterstützung bei CRS und ICANS verabreicht und daher an das Krankenhaus oder die Klinik geliefert, die es verabreicht, mit Lieferung unter Einhaltung der Kühlkette bei 2–8 °C.
Verwandte Medikamente
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Wichtiger Hinweis
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Informationsquelle
Diese Produktinformation basiert auf:
DrugBank — Mosunetuzumab (DB15434); EMA SmPC — LunsumioZuletzt geprüft:
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