Mirvetuximab-Soravtansin

Folatrezeptor-alpha-gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat

Mirvetuximab-Soravtansin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat aus einem gegen den Folatrezeptor alpha (FRα) gerichteten IgG1-Antikörper, einem spaltbaren Linker und DM4, einem Maytansinoid, das die Mikrotubuli stört. Nachdem der Antikörper an FRα auf Tumorzellen gebunden hat und aufgenommen wurde, wird DM4 im Zellinneren freigesetzt und bewirkt einen Zellzyklusarrest und den Zelltod. In der EU wird es als Monotherapie bei Erwachsenen mit FRα-positivem, platinresistentem, hochgradig serösem epithelialem Ovarial-, Eileiter- oder primärem Peritonealkarzinom angewendet, die ein bis drei vorangegangene systemische Therapieschemata erhalten haben. Es wird alle 3 Wochen als intravenöse Infusion mit 6 mg/kg angepasstem Idealkörpergewicht verabreicht, zusammen mit einer Prämedikation und benetzenden Augentropfen. Die Okulotoxizität ist das wichtigste Sicherheitsproblem, daher ist vor der ersten Dosis und bei jedem Auftreten neuer Augensymptome eine Augenuntersuchung erforderlich; außerdem können Pneumonitis und periphere Neuropathie auftreten.

Erhältlich unter folgenden Markennamen

Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:

  • Elahere ®

Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.

Informationen anfordern

Sie suchen ein bestimmtes Markenpräparat dieses Wirkstoffs?

Kontaktieren Sie uns, um Verfügbarkeit und Beschaffung zu besprechen.

Häufig gestellte Fragen

Mirvetuximab-Soravtansin: Wofür wird es angewendet?

Mirvetuximab-Soravtansin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat aus einem gegen den Folatrezeptor alpha (FRα) gerichteten IgG1-Antikörper, einem spaltbaren Linker und DM4, einem Maytansinoid, das die Mikrotubuli stört.

Mirvetuximab-Soravtansin: Ist ein Rezept erforderlich?

Ja. Mirvetuximab-Soravtansin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.

Mirvetuximab-Soravtansin: Wie ist es zu lagern?

Lagern Sie Mirvetuximab-Soravtansin bei 2–8 °C; aufrecht lagern; nicht einfrieren; vor Licht schützen in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich. Nach Anbruch: Verdünnte Lösung (1–2 mg/ml): 8 Stunden bei 15–25 °C oder 24 Stunden bei 2–8 °C, gefolgt von 8 Stunden bei 15–25 °C; aus mikrobiologischer Sicht sofort zu verwenden.

Mirvetuximab-Soravtansin: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?

Ja. Mirvetuximab-Soravtansin muss bei 2–8 °C; aufrecht lagern; nicht einfrieren; vor Licht schützen gehalten werden und wird daher in Isolierverpackungen mit Kühlelementen versendet, die für die gesamte Transitzeit dimensioniert sind, sodass die Kühlkette vom Versand bis zur Zustellung ununterbrochen bleibt.

Mirvetuximab-Soravtansin: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?

Mirvetuximab-Soravtansin wird je nach Land und Hersteller als Elahere vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.

Mirvetuximab-Soravtansin: Welche Stärken sind verfügbar?

Mirvetuximab-Soravtansin ist in folgenden Stärken erhältlich: 100 mg/20 ml (5 mg/ml) Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.

Mirvetuximab-Soravtansin: Wie lange ist es haltbar?

Die Haltbarkeit von Mirvetuximab-Soravtansin beträgt 5 Jahre (ungeöffnete Durchstechflasche) bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.

Medizinische Informationen & Leitlinien

Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs

Pharmakologische Wirkung

Mirvetuximab-Soravtansin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC), das eine zytotoxische Nutzlast zu Tumorzellen transportiert, die den Folatrezeptor alpha (FRα) aufweisen. Es besteht aus drei Teilen: einem technisch hergestellten, gegen FRα gerichteten IgG1-Antikörper (in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters mittels rekombinanter DNA-Technologie hergestellt), einem spaltbaren Sulfo-SPDB-Linker und DM4, einem Maytansinoid-Antitubulin-Wirkstoff. Durchschnittlich sind 3,4 DM4-Moleküle an jeden Antikörper gebunden.

Wirkmechanismus

  • Ziel: FRα befindet sich auf der Oberfläche vieler epithelialer Ovarialkarzinomzellen, einschließlich Metastasen und Rezidiven, während seine Verteilung im Normalgewebe begrenzt ist.
  • Aufnahme: Der Antikörper bindet FRα mit hoher Affinität, und der Komplex wird durch rezeptorvermittelte Endozytose in die Zelle aufgenommen.
  • Freisetzung der Nutzlast: Im Zellinneren spalten Proteasen den Linker, und freies DM4 wird freigesetzt.
  • Zelltod: DM4 stört das Mikrotubuli-Netzwerk und verursacht Zellzyklusarrest und Apoptose.
  • Bystander-Effekt: DM4 ist neutral und lipophil, sodass es Zellmembranen durchqueren und auch benachbarte Tumorzellen abtöten kann, die kein FRα tragen.
  • Exposition und Toxizität: Eine höhere Exposition wurde mit mehr okulären Nebenwirkungen und mit peripherer Neuropathie vom Grad 2 oder höher in Verbindung gebracht.
  • Kardiale Elektrophysiologie: In der empfohlenen Dosis kam es zu keinem mittleren Anstieg des QTc-Intervalls um mehr als 10 ms.

Pharmakokinetik

  • Exposition: Wird nur als intravenöse Infusion verabreicht. Nach dem ersten 3-Wochen-Zyklus mit 6 mg/kg AIBW betrug die mittlere Cmax des intakten Konjugats 137,3 µg/ml und die mittlere AUC über das Dosierungsintervall 20,65 h·mg/ml. Unkonjugiertes DM4 hatte eine Cmax von 4,11 ng/ml (AUC 530 h·ng/ml) und sein Metabolit S-Methyl-DM4 eine Cmax von 6,98 ng/ml (AUC 1.848 h·ng/ml). Das Konjugat erreicht seine Spitzenkonzentration gegen Ende der Infusion, DM4 etwa 2 Tage später und S-Methyl-DM4 etwa 3 Tage später. Der Steady State wird innerhalb eines Zyklus erreicht, bei minimaler Akkumulation.
  • Verteilung: Das mittlere Steady-State-Verteilungsvolumen des Konjugats beträgt 2,63 l. DM4 und S-Methyl-DM4 sind in vitro zu mehr als 99 % an Plasmaproteine gebunden.
  • Metabolismus: Der Antikörperanteil wird voraussichtlich durch den normalen Proteinkatabolismus in kleine Peptide abgebaut. Freies DM4 wird reduziert und zu S-Methyl-DM4 S-methyliert; beide werden durch CYP3A4 metabolisiert. Sie sind die wichtigsten zirkulierenden Metaboliten und machen etwa 0,4 % bzw. 1,4 % der AUC des Konjugats aus.
  • Elimination: Die mittlere Gesamtplasmaclearance des Konjugats beträgt 18,9 ml/Stunde; die terminale Halbwertszeit beträgt nach der ersten Dosis etwa 4,9 Tage (DM4 etwa 2,8 Tage, S-Methyl-DM4 etwa 5,1 Tage). S-Methyl-DM4 und DM4-Sulfo-SPDB-Lysin sind die wichtigsten Metaboliten, die innerhalb von 24 Stunden nach der Infusion im Urin gefunden werden.
  • Besondere Patientengruppen: Die Dosisempfehlungen für ältere Patienten sowie bei Nieren- oder Leberinsuffizienz sind unter Verabreichung und Dosierung angegeben.

Anwendungsgebiete

  • Ovarial-, Eileiter- oder primäres Peritonealkarzinom: Monotherapie bei Erwachsenen mit Folatrezeptor-alpha (FRα)-positivem, platinresistentem, hochgradig serösem epithelialem Ovarial-, Eileiter- oder primärem Peritonealkarzinom, die ein bis drei vorangegangene systemische Therapieschemata erhalten haben.
  • FRα-Status: Geeignet sind Patienten, deren Tumoren in mindestens 75 % der vitalen Tumorzellen eine mäßige (2+) und/oder starke (3+) Membranfärbung in der Immunhistochemie zeigen, beurteilt mit einem für diesen Zweck CE-gekennzeichneten In-vitro-Diagnostikum. Ist keines verfügbar, wird ein alternativer validierter Test verwendet.

Gegenanzeigen

  • Überempfindlichkeit gegen Mirvetuximab-Soravtansin oder einen der sonstigen Bestandteile (Eisessig, Natriumacetat, Saccharose, Polysorbat 20, Wasser für Injektionszwecke).

Nebenwirkungen

Die nachstehenden Häufigkeiten stammen aus zusammengefassten Daten von vier klinischen Studien mit 682 Patienten mit epithelialem Ovarial-, Eileiter- oder primärem Peritonealkarzinom, die alle 3 Wochen mit 6 mg/kg AIBW behandelt wurden (mediane Behandlungsdauer 19,1 Wochen). Die häufigsten Reaktionen sind verschwommenes Sehen (43 %), Übelkeit (41 %), Diarrhö (39 %), Fatigue (35 %), Bauchschmerzen (30 %), Keratopathie (29 %), trockenes Auge (27 %), Obstipation (26 %), Erbrechen (23 %), verminderter Appetit (22 %), periphere Neuropathie (20 %), Kopfschmerzen (19 %), Asthenie (18 %), erhöhte AST (16 %) und Arthralgie (16 %).

Sehr häufig (≥1/10): Harnwegsinfektion, Anämie, Thrombozytopenie, verminderter Appetit, Hypomagnesiämie, periphere Neuropathie, Kopfschmerzen, Keratopathie, Katarakt, verschwommenes Sehen, Photophobie, Augenschmerzen, trockenes Auge, Pneumonitis, Dyspnoe, Husten, Diarrhö, Bauchschmerzen, Obstipation, abdominelle Distension, Erbrechen, Übelkeit, Arthralgie, Fatigue, erhöhte AST und ALT.

Häufig (≥1/100 bis <1/10): Neutropenie, Hypokaliämie, Dehydratation, Schlaflosigkeit, Dysgeusie, Schwindelgefühl, Augenbeschwerden, Hypertonie, Aszites, gastroösophageale Refluxkrankheit, Stomatitis, Dyspepsie, Hyperbilirubinämie, Pruritus, Myalgie, Rückenschmerzen, Schmerzen in einer Extremität, Muskelspasmen, Fieber, erhöhte alkalische Phosphatase im Blut, erhöhte Gamma-Glutamyltransferase, Körpergewicht erniedrigt, Reaktion im Zusammenhang mit einer Infusion oder Überempfindlichkeit.

Die Fachinformation fasst verwandte Begriffe zusammen: So umfasst „Keratopathie“ zum Beispiel Hornhauterosion, Hornhauttrübung und Hornhautablagerungen, Keratitis und Keratitis punctata, und „verschwommenes Sehen“ umfasst auch verminderte Sehschärfe, Sehverschlechterung, Doppeltsehen und Mouches volantes.

Wichtige und schwerwiegende Reaktionen:

  • Augenerkrankungen: Okuläre Reaktionen (zusammengefasste Begriffe) traten bei 59 % der Patienten auf; 11 % hatten Grad 3 und weniger als 1 % Grad 4. Am häufigsten waren Reaktionen vom Grad 3 oder höher verschwommenes Sehen und Keratopathie (je 5 %) sowie Katarakt (4 %). Die mediane Zeit bis zur ersten okulären Reaktion betrug 5,1 Wochen. Von den betroffenen Patienten erholten sich 53 % vollständig und 38 % teilweise; bei der letzten Nachbeobachtung hatten noch 0,3 % (2 von 682) ein okuläres Ereignis vom Grad 3 oder höher. Okuläre Reaktionen führten bei 24 % zu Dosisverzögerungen, bei 15 % zu Dosisreduktionen und bei 1 % zum dauerhaften Absetzen.
  • Pneumonitis: Pneumonitis (zusammengefasste Begriffe, einschließlich interstitieller Lungenerkrankung) trat bei 10 % auf, mit Grad 3 bei 0,9 % und Grad 4 bei 0,2 %. Zwei Patienten (0,3 %) starben an Atemversagen, einer im Zusammenhang mit einer Pneumonitis vom Grad 1 mit Lungenmetastasen und einer aus unbekannter Ursache ohne Pneumonitis. Die mediane Zeit bis zum Auftreten betrug 18,1 Wochen. Sie führte bei 3 % zu Verzögerungen, bei 1 % zu Dosisreduktionen und bei 3 % zum dauerhaften Absetzen.
  • Periphere Neuropathie: Trat bei 36 % auf (zusammengefasste Begriffe), Grad 3 bei 3 %, nach einem Median von 5,9 Wochen. Sie führte bei 2 % zu Verzögerungen, bei 4 % zu Dosisreduktionen und bei 0,7 % zum dauerhaften Absetzen.
  • Weitere schwerwiegende Reaktionen: Am häufigsten wurden Pneumonitis (4 %), Dünndarmverschluss (3 %), Darmverschluss (3 %), Pleuraerguss (2 %), Bauchschmerzen (2 %), Dehydratation (1 %), Obstipation (1 %), Übelkeit (1 %), Aszites (1 %) und Thrombozytopenie (unter 1 %) berichtet.
  • Dosisänderungen und Therapieabbruch: Die Reaktionen, die am häufigsten zu einer Dosisreduktion oder -verzögerung führten, waren verschwommenes Sehen (17 %), Keratopathie (10 %), trockenes Auge (5 %), Neutropenie (5 %), Keratitis (4 %), Katarakt (3 %), verminderte Sehschärfe (3 %), Thrombozytopenie (3 %), periphere Neuropathie (3 %) und Pneumonitis (3 %). Insgesamt brachen 12 % der Patienten die Behandlung wegen einer Nebenwirkung dauerhaft ab, am häufigsten wegen gastrointestinaler Erkrankungen (4 %) und Erkrankungen der Atemwege (3 %).

Wechselwirkungen

Mit Mirvetuximab-Soravtansin wurden keine klinischen Studien zu Arzneimittelwechselwirkungen durchgeführt. Die freie Nutzlast DM4 ist ein CYP3A4-Substrat.

  • Starke CYP3A4-Inhibitoren (zum Beispiel Ceritinib, Clarithromycin, Cobicistat, Idelalisib, Itraconazol, Ketoconazol, Nefazodon, Posaconazol, Ritonavir, Telithromycin, Voriconazol): Sie können die Exposition gegenüber unkonjugiertem DM4 erhöhen und damit das Risiko von Nebenwirkungen steigern. Lassen sie sich nicht vermeiden, sollten die Patienten engmaschig auf Nebenwirkungen überwacht werden.
  • Starke CYP3A4-Induktoren (zum Beispiel Phenytoin, Rifampicin, Carbamazepin): Sie können die Exposition gegenüber unkonjugiertem DM4 verringern.
  • Augentropfen: Steroidhaltige und benetzende Augentropfen sind Teil des Behandlungsplans; zwischen ihnen ist ein Abstand von mindestens 15 Minuten einzuhalten (siehe Verabreichung und Dosierung).

Verabreichung und Dosierung

Die Behandlung muss von einem in der Anwendung von Krebsarzneimitteln erfahrenen Arzt eingeleitet und überwacht werden. Zuerst muss der FRα-Status bestätigt werden (siehe Anwendungsgebiete). Mirvetuximab-Soravtansin wird ausschließlich als intravenöse Infusion verabreicht, nach Verdünnung mit 5%iger Glukoselösung, über einen 0,2- oder 0,22-µm-Inline-Filter aus Polyethersulfon (PES). Es enthält eine zytotoxische Komponente, die an den Antikörper gebunden ist, sodass besondere Vorschriften für Handhabung und Beseitigung gelten (Fachinformation, Abschnitt 6.6).

Empfohlene Dosis

  • 6 mg/kg angepasstes Idealkörpergewicht (AIBW) einmal alle 3 Wochen (21-Tage-Zyklus), bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zu einer inakzeptablen Toxizität.
  • Berechnung des AIBW: Idealkörpergewicht (IBW) einer Frau in kg = 0,9 × Körpergröße in cm − 92; AIBW = IBW + 0,4 × (tatsächliches Gewicht − IBW). Beispiel: Eine 165 cm große Frau mit einem Gewicht von 80 kg hat ein IBW von 56,5 kg und ein AIBW von 65,9 kg. Die Dosierung nach AIBW verringert die Variabilität der Exposition bei untergewichtigen und übergewichtigen Patienten.
  • Infusionsrate: Beginn mit 1 mg/min. Bei guter Verträglichkeit nach 30 Minuten Steigerung auf 3 mg/min; bei guter Verträglichkeit nach weiteren 30 Minuten Steigerung auf 5 mg/min.

Prämedikation

Vor jeder Infusion zu geben, um infusionsbedingte Reaktionen, Übelkeit und Erbrechen zu verringern:

  • Corticosteroid: intravenös Dexamethason 10 mg (oder Äquivalent), mindestens 30 Minuten vor der Infusion.
  • Antihistaminikum: oral oder intravenös Diphenhydramin 25–50 mg (oder Äquivalent), mindestens 30 Minuten vorher.
  • Antipyretikum: oral oder intravenös Paracetamol 325–650 mg (oder Äquivalent), mindestens 30 Minuten vorher.
  • Antiemetikum: ein oraler oder intravenöser 5-HT3-Rezeptorantagonist oder eine geeignete Alternative, vor jeder Dosis und nach der übrigen Prämedikation. Bei Bedarf können weitere Antiemetika hinzugefügt werden.
  • Nach einer infusionsbedingten Reaktion vom Grad 2 oder höher sollte am Tag vor der nächsten Infusion zusätzlich Dexamethason 8 mg zweimal täglich (oder Äquivalent) in Betracht gezogen werden.

Augenuntersuchung und Augentropfen

  • Augenärztliche Untersuchung: einschließlich Sehschärfe und Spaltlampenuntersuchung, vor der ersten Dosis und jedes Mal, wenn bei einem Patienten vor der nächsten Dosis neue oder sich verschlechternde Augensymptome auftreten. Bei Patienten mit okulären Reaktionen vom Grad 2 oder höher werden weitere Untersuchungen mindestens in jedem zweiten Zyklus und nach klinischer Indikation durchgeführt, bis die Reaktionen abgeklungen sind oder der Ausgangszustand wieder erreicht ist.
  • Benetzende Augentropfen: während der gesamten Behandlung empfohlen.
  • Topische Steroid-Augentropfen: Zeigt die Spaltlampenuntersuchung eine Hornhautreaktion vom Grad 2 (Keratopathie), werden für die folgenden Zyklen steroidhaltige Augentropfen empfohlen, es sei denn, das augenheilkundliche Fachpersonal beurteilt die Risiken als größer als den Nutzen. Sie werden am Tag der Infusion und an den folgenden 7 Tagen jedes weiteren Zyklus angewendet, und benetzende Tropfen werden mindestens 15 Minuten danach eingeträufelt. Der Augeninnendruck und die Spaltlampenbefunde werden während der Steroidbehandlung regelmäßig kontrolliert.

Dosisanpassungen bei Nebenwirkungen

Das Dosierungsintervall bleibt bei 3 Wochen. Die Schweregrade richten sich nach NCI CTCAE Version 5.0.

  • Dosisstufen: Anfangsdosis 6 mg/kg AIBW; erste Reduktion 5 mg/kg AIBW; zweite Reduktion 4 mg/kg AIBW. Patienten, die 4 mg/kg AIBW nicht vertragen, setzen die Behandlung dauerhaft ab.
  • Keratitis oder Keratopathie: Nicht konfluierende oberflächliche Veränderungen: überwachen. Konfluierende oberflächliche Keratitis oder Keratopathie, ein Defekt des Hornhautepithels oder ein Verlust von 3 oder mehr Zeilen beim bestkorrigierten Visus: Behandlung pausieren, bis eine Besserung zu nicht konfluierenden oberflächlichen Veränderungen oder besser eingetreten ist, dann dieselbe Dosis beibehalten; eine Reduktion in Betracht ziehen, wenn konfluierende Veränderungen trotz bester unterstützender Behandlung erneut auftreten oder die Augentoxizität länger als 14 Tage anhält. Hornhautulkus, Stroma-Opazität oder bestkorrigierter Fernvisus von 6/60 oder schlechter: Behandlung pausieren, bis eine Besserung eingetreten ist, dann um eine Dosisstufe reduzieren. Hornhautperforation: dauerhaft absetzen.
  • Pneumonitis: Grad 1: überwachen; Grad 2: Behandlung pausieren, bis Grad 1 oder niedriger erreicht ist, dann dieselbe Dosis beibehalten oder eine Reduktion in Betracht ziehen, wenn sie erneut auftritt, länger als 28 Tage anhält oder nach Ermessen des Arztes; Grad 3 oder 4: dauerhaft absetzen.
  • Periphere Neuropathie: Grad 2: Behandlung pausieren, bis Grad 1 oder niedriger erreicht ist, dann um eine Dosisstufe reduzieren; Grad 3 oder 4: dauerhaft absetzen.
  • Infusionsbedingte Reaktionen oder Überempfindlichkeit: Grad 1: Infusionsrate beibehalten. Grad 2: Infusion unterbrechen und unterstützende Behandlung einleiten; nach dem Abklingen mit 50 % der vorherigen Rate fortsetzen und die Rate, wenn keine weiteren Symptome auftreten, entsprechend erhöhen, mit zusätzlichem Dexamethason 8 mg oral zweimal täglich am Tag vor künftigen Infusionen. Grad 3 oder 4: Infusion sofort abbrechen, unterstützende Behandlung einleiten, den Patienten anweisen, Notfallbehandlung aufzusuchen und sein medizinisches Fachpersonal zu informieren, falls die Symptome nach Verlassen des Infusionsbereichs erneut auftreten, und dauerhaft absetzen.
  • Hämatologische Reaktionen: Grad 3 oder 4: Behandlung pausieren, bis Grad 1 oder niedriger erreicht ist, dann mit einer um eine Dosisstufe niedrigeren Dosis fortfahren.
  • Andere Nebenwirkungen: Grad 3: Behandlung pausieren, bis Grad 1 oder niedriger erreicht ist, dann mit einer um eine Dosisstufe niedrigeren Dosis fortfahren; Grad 4: dauerhaft absetzen.

Besondere Patientengruppen

  • Ältere Patienten: Keine Dosisanpassung bei Patienten ab 65 Jahren.
  • Niereninsuffizienz: Keine Anpassung bei leichter bis mäßiger Insuffizienz (Kreatininclearance 30 bis unter 90 ml/min). Bei schwerer Niereninsuffizienz (15 bis unter 30 ml/min) oder terminaler Niereninsuffizienz nicht untersucht, sodass die Notwendigkeit einer Anpassung nicht bestimmt werden kann.
  • Leberinsuffizienz: Keine Anpassung bei leichter Insuffizienz (Gesamtbilirubin bis zur ULN bei AST über der ULN oder Gesamtbilirubin über dem 1- bis 1,5-Fachen der ULN bei beliebiger AST). Bei mäßiger bis schwerer Insuffizienz (Gesamtbilirubin über dem 1,5-Fachen der ULN bei beliebiger AST) zu vermeiden.
  • Kinder und Jugendliche: Bei Kindern gibt es keine relevante Anwendung bei Ovarial-, Eileiter- oder primärem Peritonealkarzinom.

Besondere Hinweise

Augenuntersuchung und Augenpflege

Mirvetuximab-Soravtansin kann schwere okuläre Nebenwirkungen hervorrufen, darunter Sehverschlechterung (überwiegend verschwommenes Sehen), Keratopathie (Hornhauterkrankungen), trockenes Auge, Photophobie und Augenschmerzen. Die Fachinformation sieht folgende Vorsichtsmaßnahmen vor:

  • Vor der Behandlung: Den Patienten vor der ersten Dosis zur augenärztlichen Untersuchung an augenheilkundliches Fachpersonal überweisen.
  • Vor jedem Zyklus: Den Patienten anweisen, neue oder sich verschlechternde Augensymptome dem behandelnden Arzt oder einer anderen qualifizierten Person zu melden.
  • Bei Auftreten von Symptomen: Es wird eine augenärztliche Untersuchung durchgeführt und ihr Bericht vor der nächsten Dosis geprüft; die Dosis kann je nach Schweregrad der Befunde angepasst werden.
  • Augentropfen: Während der Behandlung werden benetzende Augentropfen empfohlen; bei Patienten mit Hornhautreaktionen vom Grad 2 werden für spätere Zyklen am Auge angewendete topische Steroide empfohlen.
  • Kontaktlinsen: Patienten sollten sie während der Behandlung vermeiden, sofern medizinisches Fachpersonal nichts anderes anordnet.
  • Management: Der Arzt überwacht auf Okulotoxizität und setzt die Behandlung je nach Schweregrad und Dauer der Reaktion aus, reduziert die Dosis oder setzt sie dauerhaft ab.

Pneumonitis

Es können schwere, lebensbedrohliche oder tödliche interstitielle Lungenerkrankungen, einschließlich Pneumonitis, auftreten. Die Patienten werden auf Anzeichen und Symptome der Atemwege wie Hypoxie, Husten, Dyspnoe oder interstitielle Infiltrate in der Bildgebung überwacht, und infektiöse, neoplastische und andere Ursachen werden ausgeschlossen. Die Behandlung wird bei anhaltender oder wiederkehrender Pneumonitis vom Grad 2 ausgesetzt, bis sie auf Grad 1 oder niedriger zurückgegangen ist, und eine Dosisreduktion wird erwogen; bei Grad 3 oder 4 wird sie dauerhaft abgesetzt. Patienten ohne Symptome können bei engmaschiger Überwachung weiterbehandelt werden.

Periphere Neuropathie

Es ist eine periphere Neuropathie aufgetreten, auch vom Grad 3 oder höher. Die Patienten werden auf Parästhesie, Kribbeln oder Brennen, neuropathische Schmerzen, Muskelschwäche oder Dysästhesie überwacht, und die Dosis wird je nach Schweregrad ausgesetzt, reduziert oder abgesetzt.

Rückverfolgbarkeit

Als biologisches Arzneimittel müssen die Bezeichnung und die Chargenbezeichnung jedes angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiert werden.

Embryofetale Toxizität, Schwangerschaft, Stillzeit und Fertilität

  • Schwangerschaftsstatus: Vor Behandlungsbeginn überprüfen.
  • Empfängnisverhütung: Patienten im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und für 7 Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
  • Schwangerschaft: Das Arzneimittel könnte Embryo und Fetus schädigen, da es eine genotoxische Verbindung (DM4) enthält und auf sich aktiv teilende Zellen wirkt. Humanes IgG passiert die Plazenta. Es liegen keine Daten beim Menschen vor, und es wurden keine tierexperimentellen Studien zur Reproduktions- oder Entwicklungstoxizität durchgeführt. Die Anwendung in der Schwangerschaft wird nicht empfohlen. Eine Patientin, die schwanger wird, muss sich unverzüglich an ihren Arzt wenden, und bei einer Schwangerschaft während der Behandlung oder innerhalb von 7 Monaten nach der letzten Dosis wird eine engmaschige Überwachung empfohlen.
  • Stillzeit: Nicht anzuwenden während der Stillzeit und für 1 Monat nach der letzten Dosis. Es ist nicht bekannt, ob das Arzneimittel in die Muttermilch übergeht; von IgG ist dies bekannt.
  • Fertilität: Mit Mirvetuximab-Soravtansin oder DM4 wurden keine Fertilitätsstudien durchgeführt.

Polysorbat 20

Jede Durchstechflasche enthält 2,11 mg Polysorbat 20.

Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit

Mirvetuximab-Soravtansin hat einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Patienten mit Sehstörungen, peripherer Neuropathie, Fatigue oder Schwindelgefühl sollten kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen, bis die Symptome vollständig abgeklungen sind.

Lagerungsbedingungen

Die Durchstechflasche aufrecht im Kühlschrank bei 2–8 °C lagern. Nicht einfrieren. Die Durchstechflasche im Umkarton aufbewahren, um sie vor Licht zu schützen. Die Kühlkette ist beim Transport und bei der Lieferung an die Krankenhausapotheke lückenlos einzuhalten. Nach der Verdünnung muss die Lösung innerhalb der unter Haltbarkeit angegebenen Aufbrauchsfristen verwendet werden.

Haltbarkeit

  • Ungeöffnete Durchstechflasche: 5 Jahre. Nach dem Verfalldatum nicht mehr verwenden.
  • Verdünnte Lösung (1–2 mg/ml): Die chemische und physikalische Stabilität wurde für 8 Stunden bei 15–25 °C oder für 24 Stunden bei 2–8 °C, gefolgt von 8 Stunden bei 15–25 °C, nachgewiesen. Aus mikrobiologischer Sicht sollte das Produkt sofort verwendet werden, es sei denn, die Methode der Verdünnung schließt das Risiko einer mikrobiellen Kontamination aus; andernfalls liegen die Aufbrauchsfristen und -bedingungen in der Verantwortung des Anwenders.

Abgabebedingungen in der Apotheke

Verschreibungspflichtig (Rx), als Arzneimittel mit eingeschränkter ärztlicher Verschreibung, auf Verschreibung eines in der Anwendung von Krebsarzneimitteln erfahrenen Arztes. Mirvetuximab-Soravtansin wird im Krankenhaus als intravenöse Infusion verabreicht und daher an das Krankenhaus oder die Klinik geliefert, die es verabreicht, mit gekühlter (2–8 °C) Lieferung in der Kühlkette. Vor Behandlungsbeginn sind ein FRα-positiver Tumorstatus und eine augenärztliche Basisuntersuchung erforderlich.

Weitere Wirkstoffe aus demselben Therapiegebiet oder derselben Wirkstoffklasse.

Wichtiger Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Diagnose oder Behandlungsempfehlung dar. Diese Informationen ersetzen nicht die Konsultation einer qualifizierten medizinischen Fachperson. Holen Sie bei Fragen zu einem Gesundheitszustand oder Arzneimittel stets den Rat Ihrer Ärztin bzw. Ihres Arztes, Apothekerin bzw. Apothekers oder einer anderen qualifizierten Fachperson ein. Ignorieren Sie ärztlichen Rat nicht und verzögern Sie dessen Einholung nicht aufgrund von Informationen auf dieser Website. Produktverfügbarkeit, zugelassene Anwendungsgebiete und Fachinformationen können je nach Land unterschiedlich sein. Viele der gelisteten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig; wo ein Rezept erforderlich ist, muss dieses im Bestimmungsland gültig sein, und die Produkte sind unter ärztlicher Aufsicht anzuwenden. Wir beschaffen, versenden oder listen keine Suchtmittel im Sinne des österreichischen Suchtmittelgesetzes (SMG) oder vergleichbarer internationaler Regelungen.

Vollständige Nutzungsbedingungen und medizinischen Haftungsausschluss ansehen

Informationsquelle

Diese Produktinformation basiert auf:

DrugBank — Mirvetuximab soravtansine (DB12489); EMA SmPC — Elahere

Zuletzt geprüft: