Daunorubicin
Anthrazyklin (zytotoxisches Antibiotikum)
Daunorubicin ist ein zytotoxisches Anthrazyklin-Antibiotikum. Es lagert sich zwischen die DNA-Basenpaare ein, wodurch die DNA- und RNA-Synthese blockiert wird, und hemmt außerdem die Topoisomerase II; seine zytotoxische Wirkung ist in der S-Phase des Zellzyklus am stärksten. In der spanischen Fachinformation von Daunoblastina ist es allein oder zusammen mit anderen antineoplastischen Arzneimitteln zur Remissionsinduktion bei akuter myeloischer und akuter lymphatischer Leukämie angezeigt sowie bei Kindern als Teil der Kombinationsbehandlung beider Leukämien. Es wird nur als intravenöse Injektion in eine laufende Infusion verabreicht, unter Aufsicht von Ärztinnen und Ärzten mit Erfahrung in der zytotoxischen Therapie, und eine Krankenhausaufnahme wird zumindest für die erste Behandlungsphase empfohlen. Die dosislimitierende Toxizität ist eine von der kumulativen Dosis abhängige Herzschädigung; außerdem verursacht es eine ausgeprägte Knochenmarksuppression, und ein Austritt außerhalb der Vene kann Gewebe zerstören.
Erhältlich unter folgenden Markennamen
Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:
- Daunoblastina ®
- Cerubidine ®
Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.
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Häufig gestellte Fragen
Daunorubicin: Wofür wird es angewendet?
Daunorubicin ist ein zytotoxisches Anthrazyklin-Antibiotikum.
Daunorubicin: Ist ein Rezept erforderlich?
Ja. Daunorubicin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.
Daunorubicin: Wie ist es zu lagern?
Lagern Sie Daunorubicin bei Keine besonderen Lagerungsbedingungen in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich. Nach Anbruch: Rekonstituierte Lösung (mit Natriumchlorid 0,9 %): chemisch und physikalisch stabil für 24 Stunden bei bis zu 30 °C oder 48 Stunden bei 2–8 °C; wenn möglich sofort verwenden.
Daunorubicin: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?
Nein. Daunorubicin ist bei Keine besonderen Lagerungsbedingungen stabil, sodass eine normale Schutzverpackung ausreicht; während des Transports wird es dennoch vor Hitze und Feuchtigkeit geschützt.
Daunorubicin: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?
Daunorubicin wird je nach Land und Hersteller als Daunoblastina, Cerubidine vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.
Daunorubicin: Welche Stärken sind verfügbar?
Daunorubicin ist in folgenden Stärken erhältlich: 20 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung (Durchstechflasche mit Pulver samt einer 10-ml-Ampulle Lösungsmittel aus Natriumchlorid 0,9 %). Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.
Daunorubicin: Wie lange ist es haltbar?
Die Haltbarkeit von Daunorubicin beträgt 3 Jahre (ungeöffnete Durchstechflasche) bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.
Medizinische Informationen & Leitlinien
Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs
Pharmakologische Wirkung
Daunorubicin ist ein antineoplastisches Anthrazyklin, das sich teilende Zellen abtötet, indem es mehrere biologische und biochemische Funktionen in den Zielzellen stört. Der genaue Mechanismus ist nicht vollständig bekannt. Die Fachinformation schreibt ihm außerdem antibakterielle und immunsuppressive Eigenschaften zu.
Wirkmechanismus
- DNA-Bindung: Es hemmt offenbar hauptsächlich die DNA-Synthese und die DNA-abhängige RNA-Synthese, indem es durch Interkalation zwischen die Basenpaare und Entwindung der Helix einen Komplex mit der DNA bildet.
- Topoisomerase II: Es stabilisiert den Komplex aus DNA und Topoisomerase II und verhindert den Religationsschritt, den das Enzym normalerweise abschließt. Es kann außerdem die Polymeraseaktivität und die Regulation der Genexpression beeinflussen.
- Freie Radikale und oxidativer Stress: Oxidations-Reduktions-Reaktionen erzeugen hochreaktive, toxische freie Radikale, die zum Zelltod beitragen können.
- Zellmembran: Eine direkte Wechselwirkung mit der Zellmembran, die die Doppelschicht an der Zelloberfläche verändert, wurde ebenfalls vorgeschlagen.
- Zellzyklus: Die Zytotoxizität ist in der S-Phase am größten, doch Daunorubicin besitzt keine Spezifität für eine Phase oder einen Zyklus.
- Kinder: Es wurden keine kontrollierten pädiatrischen Studien durchgeführt. Die Literatur beschreibt die Anwendung in Leukämie-Schemata, die Kinder einschließen, und veröffentlichte Studien legen nahe, dass die Sicherheit bei Kindern und Erwachsenen ähnlich ist.
Pharmakokinetik
- Resorption: Es wird nicht aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Da es Gewebe extrem reizt, wird es intravenös gegeben; dort ist die Resorption voraussichtlich vollständig, sofern keine Extravasation auftritt.
- Verteilung: Es verteilt sich weit in den Körpergeweben, mit den höchsten Konzentrationen in Milz, Nieren, Lunge und Herz. Es gelangt in die Zellen und bindet zelluläre Bestandteile, insbesondere Nukleinsäuren. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es die Blut-Hirn-Schranke überwindet, es passiert aber offenbar die Plazenta.
- Metabolismus: schnell und umfangreich, in der Leber und anderen Geweben, hauptsächlich durch zytoplasmatische Aldo-Keto-Reduktasen. Eine Stunde nach einer Dosis ist die im Plasma vorherrschende Form der aktive Metabolit Daunorubicinol (13-OH-Daunorubicin). Der weitere Abbau der Zuckerbindung ergibt Aglykone mit geringer oder keiner antiproliferativen Aktivität, die demethyliert und durch Sulfatierung und Glucuronidierung konjugiert werden.
- Elimination: Nach einer schnellen intravenösen Injektion fallen die Gesamtplasmaspiegel von Daunorubicin und seinen Metaboliten in drei Phasen ab, die des unveränderten Daunorubicins in zwei. Die Halbwertszeit beträgt im Mittel 45 Minuten in der Anfangsphase und 18,5 Stunden in der terminalen Phase; Daunorubicinol hat eine Halbwertszeit von über 24 Stunden. Die Ausscheidung erfolgt über Urin und Galle (etwa 40 % der Dosis); die renale Ausscheidung des Wirkstoffs und seiner Metaboliten wird mit 14–23 % der Dosis angegeben, überwiegend innerhalb von 3 Tagen. Nach den ersten 24 Stunden enthält der Urin hauptsächlich Daunorubicinol.
- Besondere Patientengruppen: Erhöhtes Bilirubin verlangsamt die Clearance und erhöht die Gesamttoxizität (siehe Verabreichung und Dosierung).
Anwendungsgebiete
Die spanische Fachinformation von Daunoblastina nennt diese Anwendungsgebiete; andere nationale Fachinformationen können abweichen.
- Erwachsene: zur Induktion einer Remission bei akuter myeloischer Leukämie (AML) und akuter lymphatischer Leukämie (ALL), allein oder in Kombination mit anderen antineoplastischen Arzneimitteln.
- Kinder: als Teil der Kombinationsbehandlung von AML und ALL.
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Daunorubicin oder einen der sonstigen Bestandteile sowie Überempfindlichkeit gegen andere Anthrazykline oder Anthracendione.
- Anhaltende Myelosuppression.
- Schwere Infektionen.
- Schwere Leberinsuffizienz (Child-Pugh-Klasse C, Punktwert 10–15) oder schwere Niereninsuffizienz (GFR unter 10 ml/min oder Serumkreatinin über 7,9 mg/dl).
- Herzinsuffizienz, kürzlich aufgetretener Myokardinfarkt oder schwere Arrhythmien.
- Vorangegangene Behandlung mit den maximalen kumulativen Dosen von Daunorubicin (500–600 mg/m² bei Erwachsenen, 300 mg/m² bei Kindern ab 2 Jahren, 10 mg/kg bei Kindern unter 2 Jahren) oder anderer kardiotoxischer Anthrazykline, was das Risiko lebensbedrohlicher Herzschäden deutlich erhöht.
- Schwangerschaft und Stillzeit.
Nebenwirkungen
Knochenmarksuppression, Herztoxizität, gastrointestinale Reaktionen, Haarausfall und lokale Gewebeschäden stehen im Vordergrund. Die folgenden Reaktionen sind nach Häufigkeit gemäß der Tabelle der Fachinformation aufgeführt.
Sehr häufig (≥1/10): Sepsis/Septikämie und Infektion (manchmal tödlich); Knochenmarkversagen, Leukopenie, Granulozytopenie, Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie; Kardiomyopathie (klinisch erkennbar an Dyspnoe, Zyanose, peripheren Ödemen, vergrößerter Leber, Aszites, Pleuraerguss und manifester kongestiver Herzinsuffizienz); Hämorrhagie; Übelkeit und Erbrechen, Diarrhö, Ösophagitis, Mukositis/Stomatitis; Alopezie, Erythem, Hautausschlag; Fieber, Schmerzen; erhöhte Serumwerte von Bilirubin, AST und alkalischer Phosphatase.
Häufig (≥1/100 bis <1/10): Bauchschmerzen; Phlebitis an der Infusionsstelle; abnormes Elektrokardiogramm (ST-T-Veränderungen, abnormer QRS-Komplex, abnorme T-Wellen).
Gelegentlich (≥1/1.000 bis <1/100): akute myeloische Leukämie (sekundär); Myokardinfarkt.
Nicht bekannt: septischer Schock (manchmal tödlich); myelodysplastisches Syndrom; anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen; Dehydratation; akute Hyperurikämie (mit möglicher Nierenfunktionsstörung, besonders bei hoher Leukozytenzahl vor der Behandlung); myokardiale Ischämie (Angina pectoris), endomyokardiale Fibrose, Perikarditis/Myokarditis, supraventrikuläre Tachyarrhythmien (Sinustachykardie, ventrikuläre Extrasystolen, atrioventrikulärer Block); Flush, Schock, Thrombophlebitis, Venensklerose; Hypoxie; Kolitis; Hepatitis, Leberversagen; Kontaktdermatitis, Pruritus, Hyperpigmentierung von Haut und Nägeln, Urtikaria; rot gefärbter Urin für 1–2 Tage nach der Verabreichung; Amenorrhö, Azoospermie; Tod, Hyperpyrexie, Schüttelfrost; Extravasation an der Infusionsstelle (Schmerzen oder Brennen, Zellulitis, Hautulkus, Nekrose).
Herztoxizität, schwere Myelosuppression mit tödlicher Infektion oder Blutung, Extravasationsnekrose und sekundäre Leukämie sind die wichtigsten schwerwiegenden Reaktionen (siehe Besondere Hinweise).
Wechselwirkungen
Daunorubicin wird hauptsächlich zusammen mit anderen zytotoxischen Arzneimitteln angewendet, daher kann es zu einer additiven Toxizität kommen, insbesondere am Knochenmark und im Magen-Darm-Trakt.
- Andere Zytostatika (zum Beispiel Cytarabin, Cyclophosphamid): Die toxischen Wirkungen von Daunorubicin können verstärkt werden.
- Arzneimittel, die auf das Knochenmark wirken (Zytostatika, Sulfonamide, Chloramphenicol, Phenytoin, Amidopyrin-Derivate, antiretrovirale Arzneimittel): Die Möglichkeit wesentlicher Veränderungen der Blutzellbildung sollte bedacht und die Daunorubicin-Dosis gegebenenfalls angepasst werden.
- Kardiotoxische Substanzen und mediastinale Strahlentherapie: erhöhen die Kardiotoxizität von Daunorubicin. Andere Arzneimittel, die auf das Herz wirken (zum Beispiel Calciumkanalblocker), erfordern während der gesamten Behandlung eine Herzüberwachung.
- Trastuzumab: Es kann nach der Behandlung bis zu 7 Monate im Blut verbleiben. Wenn möglich, sollten Anthrazykline nicht vor Ablauf von 7 Monaten nach Trastuzumab gegeben werden; geschieht es doch, wird die Herzfunktion engmaschig überwacht.
- Hepatotoxische Arzneimittel (zum Beispiel Methotrexat): können den Leberstoffwechsel und die biliäre Ausscheidung von Daunorubicin verändern und so seine Toxizität erhöhen. Arzneimittel, die die Leberfunktion beeinflussen, können auch seine Pharmakokinetik verändern.
- Arzneimittel, die die Harnsäureausscheidung verzögern (Sulfonamide, einige Diuretika): können eine Hyperurikämie verstärken.
- Thrombozytenaggregationshemmer (Acetylsalicylsäure): Bei Patienten mit niedriger Thrombozytenzahl ist das Blutungsrisiko zusätzlich erhöht.
- Lebendimpfstoffe: dürfen während der Behandlung nicht gegeben werden (siehe Besondere Hinweise).
- Orale Arzneimittel: Ihre Resorption kann durch orale und gastrointestinale Mukositis während einer intensiven Chemotherapie deutlich beeinträchtigt werden.
Verabreichung und Dosierung
Die Behandlung wird von Ärztinnen und Ärzten mit Erfahrung in der Krebsbehandlung eingeleitet und überwacht, und die Patientinnen und Patienten werden sorgfältig und häufig kontrolliert. Eine Krankenhausaufnahme wird zumindest für die erste Behandlungsphase empfohlen. Die Dosis richtet sich im Allgemeinen nach der Körperoberfläche (mg/m²); für Kinder unter 2 Jahren (oder mit einer Körperoberfläche unter 0,5 m²) wird eine Berechnung nach dem Körpergewicht (kg) vorgeschlagen. Die Dosis pro Zyklus hängt davon ab, ob Daunorubicin allein, mit anderen zytotoxischen Arzneimitteln oder mit Strahlentherapie angewendet wird, vom Alter der Patientinnen und Patienten sowie von Verträglichkeit, klinischer Situation und Ansprechen.
Erwachsene
- Als Einzelsubstanz: Für den ersten Remissionsinduktionszyklus bei AML oder ALL 60 mg/m² täglich an 3 aufeinanderfolgenden Tagen. Spätere Induktionszyklen, die je nach Knochenmark- und Blutbildstatus alle 3 bis 4 Wochen gegeben werden, verwenden dieselbe Tagesdosis nur an 2 aufeinanderfolgenden Tagen.
- In Kombination: In Standard-Kombinationsschemata 45 mg/m² täglich nach demselben Zeitplan.
- Ältere Patienten (über 65 Jahre): Die Dosis muss möglicherweise auf 45 mg/m² als Einzelsubstanz und 30 mg/m² in Kombinationsschemata reduziert werden.
Kinder
- Bei Kindern über 2 Jahren wird die Dosis in der Regel nach der Körperoberfläche berechnet und an das klinische Ansprechen und den hämatologischen Status angepasst. Die Zyklen können nach 3 bis 6 Wochen wiederholt werden. Für das Behandlungsschema sollten aktuelle Protokolle und Fachleitlinien herangezogen werden.
- Maximale kumulative Dosis: 300 mg/m² bei Kindern über 2 Jahren; 10 mg/kg bei Kindern unter 2 Jahren (oder unter 0,5 m²).
Leber- und Niereninsuffizienz
- Schwere Leberinsuffizienz (Child-Pugh-Klasse C): Daunorubicin darf nicht gegeben werden.
- Leichte oder mäßige Leberinsuffizienz (Child-Pugh A, Punktwert 5–6, oder B, Punktwert 7–9): Die Dosis wird entsprechend dem Serumbilirubin reduziert. Bei einem Bilirubin von 1,2 bis 3 mg/dl beträgt die Dosis die Hälfte der empfohlenen Anfangsdosis; über 3 mg/dl ein Viertel.
- Mäßige Niereninsuffizienz (GFR 10 bis 20 ml/min oder Serumkreatinin etwa 3,4 bis 7,9 mg/dl): Die Dosis wird halbiert. Eine schwere Niereninsuffizienz ist eine Gegenanzeige.
Art der Anwendung
- Nur intravenös. Daunorubicin ist oral nicht wirksam und darf nicht intramuskulär, subkutan oder intrathekal gegeben werden.
- Empfohlen wird die Injektion in den Schlauch einer laufenden intravenösen Infusion mit Natriumchlorid 0,9 % oder Glucose 5 %, nachdem sichergestellt wurde, dass die Nadel korrekt in der Vene liegt. Dies senkt das Extravasationsrisiko und spült die Vene am Ende. Die Injektion kann von 2–3 Minuten bis zu 30–45 Minuten dauern, je nach Dosis und Kaliber der Vene.
- Eine direkte intravenöse Injektion wird nicht empfohlen, da eine Extravasation auch dann auftreten kann, wenn bei der Aspiration frei Blut zurückfließt.
- Rekonstitution und Handhabung sind in Abschnitt 6.6 der Fachinformation beschrieben.
- Versäumte Dosis: Die Fachinformation enthält keine Regel; die Dosen richten sich nach dem Zeitplan der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes.
Besondere Hinweise
Überwachung und Kontrolle
Daunorubicin wird unter der Aufsicht von Ärztinnen und Ärzten mit Erfahrung in der zytotoxischen Therapie gegeben. Vor Behandlungsbeginn sollten sich die Patientinnen und Patienten von den akuten toxischen Wirkungen einer früheren zytotoxischen Behandlung erholt haben (Stomatitis, Neutropenie, Thrombozytopenie, generalisierte Infektion). Blutbild sowie Leber- und Nierenfunktion werden vor jeder Behandlung kontrolliert. Schwere Panzytopenie oder isolierte Leukopenie/Thrombozytopenie, schwere Arrhythmien (insbesondere ventrikuläre Tachykardie), manifeste Herzinsuffizienz (auch in der Vorgeschichte), Myokardinfarkt, schwere Nieren- oder Lebererkrankungen, Schwangerschaft und ein schlechter Allgemeinzustand sprechen alle gegen eine Behandlung; die Ärztin oder der Arzt wägt Nutzen und Risiko im Einzelfall ab.
Knochenmarksuppression und Infektionen
Bei jeder Patientin und jedem Patienten entwickelt sich bei therapeutischer Dosis eine Myelosuppression. Sie ist reversibel und dosisabhängig, hauptsächlich Leukopenie, Neutropenie und Thrombozytopenie; eine Anämie ist seltener. Die niedrigsten Werte treten zwischen Tag 8 und 10 nach Beginn auf, und die Werte kehren in der Regel in der zweiten bis dritten Woche nach der letzten Injektion auf die Ausgangswerte vor der Behandlung zurück. Das Blutbild wird vor und während jedes Zyklus engmaschig überwacht. Eine schwere Myelosuppression kann zu Fieber, Infektion, Sepsis, septischem Schock, Hämorrhagie und Gewebehypoxie führen und tödlich verlaufen; eine schwere Infektion oder Blutung erfordert eine rasche, wirksame Behandlung, und eine intensive Supportivtherapie kann notwendig sein. Da Daunorubicin immunsuppressiv wirkt, können sich unkontrollierte Infektionen, besonders virale wie Herpes zoster, verschlimmern und lebensbedrohlich werden.
Kardiotoxizität
Die Kardiotoxizität ist eines der wichtigsten Risiken und kann früh (akut) oder spät (verzögert) auftreten.
- Akute Effekte sind nicht dosisabhängig: supraventrikuläre Arrhythmien (Sinustachykardie, vorzeitige ventrikuläre Kontraktionen, atrioventrikulärer Block) und/oder unspezifische EKG-Veränderungen. Über Angina pectoris, Myokardinfarkt, endomyokardiale Fibrose und Perikarditis/Myokarditis wurde ebenfalls berichtet. Sie sagen in der Regel eine spätere Kardiotoxizität nicht voraus, sind selten klinisch bedeutsam und sind im Allgemeinen kein Grund, die Behandlung abzubrechen.
- Verzögerte Effekte: kongestive Kardiomyopathie, die während der Behandlung auftreten kann, oft aber erst Monate oder Jahre nach deren Ende, mit einer Herzinsuffizienz, die gelegentlich tödlich verlaufen kann. Zu den Zeichen gehören eine Abnahme der linksventrikulären Ejektionsfraktion, Dyspnoe, Lungen- oder periphere Ödeme, ein vergrößertes Herz oder eine vergrößerte Leber, Oligurie, Aszites, Pleuraerguss und Galopprhythmus. Schweregrad und Häufigkeit hängen von der kumulativen Dosis ab, die die limitierende Toxizität darstellt.
- Überwachung: Die Herzfunktion wird vor der Behandlung mit einem EKG und entweder einem MUGA-Scan oder einer Echokardiographie beurteilt, besonders bei Patienten mit höherem Risiko, und während und nach der Behandlung überwacht. Die Ejektionsfraktion wird wiederholt mit derselben Methode gemessen, besonders bei hohen kumulativen Anthrazyklin-Dosen. Daunorubicin wird beim ersten Anzeichen einer eingeschränkten Funktion abgesetzt.
- Kumulative Dosis: Ohne weitere kardiale Risikofaktoren steigt das Risiko einer kongestiven Herzinsuffizienz bei Erwachsenen oberhalb von 550 mg/m², bei Kindern über 2 Jahren oberhalb von 300 mg/m² und bei Kindern unter 2 Jahren oberhalb von 10 mg/kg an.
- Risikofaktoren: aktive oder latente Herz-Kreislauf-Erkrankung; frühere oder gleichzeitige Strahlentherapie des perikardialen oder mediastinalen Bereichs; frühere Anthrazykline oder Anthracendione; und kardiotoxische oder die Kontraktilität unterdrückende Arzneimittel wie Trastuzumab. Ältere Patienten, Patienten mit Herzerkrankung oder Bluthochdruck, Patienten nach Bestrahlung des Brustkorbs und Kinder sind anfälliger; unter diesen Bedingungen sollte die kumulative Gesamtdosis bei Erwachsenen 400 mg/m² nicht überschreiten. Kinder benötigen eine langfristige Nachbeobachtung der Herzfunktion, weil sich nach einer Latenz von vielen Jahren eine kongestive Kardiomyopathie entwickeln kann. Die Toxizität von Daunorubicin und anderen Anthrazyklinen ist wahrscheinlich additiv.
Sekundäre Leukämie
Über sekundäre Leukämie, mit oder ohne präleukämische Phase, wurde bei Anthrazyklinen einschließlich Daunorubicin berichtet. Sie tritt häufiger bei DNA-schädigenden antineoplastischen Substanzen oder Strahlentherapie, bei stark vorbehandelten Patienten und bei eskalierten Anthrazyklin-Dosen auf. Die Latenzzeit kann 1 bis 3 Jahre betragen.
Leber, Nieren und Tumorlyse
Die Leber ist der wichtigste Eliminationsweg, mit biliärer Ausscheidung; daher wird das Gesamtbilirubin im Serum vor und während der Behandlung kontrolliert, erhöhtes Bilirubin verlangsamt die Clearance und erhöht die Toxizität, und die Dosis wird reduziert. Die Nierenfunktion wird vor der Behandlung beurteilt, weil eine Einschränkung die Toxizität erhöht. Der massive Untergang von Leukämiezellen kann eine Hyperurikämie und eine Harnsäure-Nephropathie verursachen, besonders bei hoher Leukozytenzahl vor der Behandlung, und es kann sich ein nephrotisches Syndrom entwickeln. Bei der Behandlung der akuten Leukämie (erster Zyklus) ist eine prophylaktische Gabe von Allopurinol notwendig. Harnsäure, Kalium, Calciumphosphat und Kreatinin werden nach der ersten Behandlung kontrolliert; Hydratation, Harnalkalisierung und Allopurinol minimieren die Komplikationen des Tumorlysesyndroms.
Extravasation und Venenreaktionen
Eine Extravasation während der intravenösen Injektion kann lokale Schmerzen, schwere Gewebeläsionen (schwere Zellulitis, schmerzhafte Ulzeration) und Gewebenekrose verursachen; manche Fälle erfordern einen chirurgischen Eingriff, und der Schaden kann irreversibel sein. Treten Anzeichen einer paravenösen Verabreichung auf, wird die Infusion sofort gestoppt. Lokale Phlebitis, Thrombophlebitis und/oder Venensklerose können auftreten, besonders wenn ein kleines Gefäß verwendet oder dieselbe Vene wiederholt für Injektionen genutzt wird. Das Befolgen des empfohlenen Verabreichungsverfahrens hält das Risiko gering.
Strahlentherapie und Impfstoffe
- Besondere Vorsicht ist bei Patienten erforderlich, die eine Strahlentherapie hatten, erhalten oder erhalten werden, weil das Risiko lokaler Reaktionen im bestrahlten Bereich (Radiation-Recall-Reaktion) zunimmt. Eine frühere Strahlentherapie des Mediastinums erhöht die Kardiotoxizität von Daunorubicin.
- Eine Immunsuppression erhöht die Infektanfälligkeit. Impfstoffe mit lebenden oder abgeschwächten Viren können bei Patienten, die durch eine Chemotherapie immungeschwächt sind, schwere oder tödliche Infektionen verursachen und dürfen während der Daunorubicin-Behandlung nicht gegeben werden. Abgetötete oder inaktivierte Impfstoffe können gegeben werden, das Ansprechen kann jedoch vermindert sein.
Weitere Reaktionen
- Übelkeit, Erbrechen und Mukositis: Starkes Erbrechen kann zu Dehydratation führen, und eine geeignete antiemetische Behandlung beugt ihm vor oder lindert es. Eine Mukositis (hauptsächlich Stomatitis, seltener Ösophagitis) tritt kurz nach der Dosis auf, kann innerhalb von Tagen zu Ulzerationen fortschreiten, und die meisten Patienten erholen sich bis zur dritten Woche.
- Alopezie: Ein vollständiger Haarausfall, einschließlich Bart-, Kopf-, Achsel- und Schambehaarung, tritt bei vollen Dosen fast immer auf. Er ist in der Regel reversibel, wobei das Haar etwa zwei bis drei Monate nach Behandlungsende nachwächst.
- Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES): wurde berichtet, wenn Daunorubicin mit einer Chemotherapie kombiniert wird. Es kann Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Lethargie, Verwirrtheit, Blindheit und andere Seh- oder neurologische Störungen verursachen, mit leichtem bis schwerem Bluthochdruck. Die MRT bestätigt die Diagnose, und ein Absetzen von Daunorubicin sollte erwogen werden.
Handhabung
Haut- und Schleimhautkontakt müssen vermieden werden. Wegen des mutagenen und kanzerogenen Potenzials von Daunorubicin ergreifen Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte beim Umgang damit zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Besondere Sorgfalt ist bei Stuhl und Erbrochenem der Patienten erforderlich, die Daunorubicin oder einen aktiven Metaboliten enthalten können. Schwangere Beschäftigte im Gesundheitswesen dürfen nicht mit Zytostatika in Kontakt kommen.
Schwangerschaft, Stillzeit und Fertilität
- Schwangerschaft: kontraindiziert (siehe oben). Daunorubicin war bei Tieren embryotoxisch, teratogen, mutagen und kanzerogen und muss als mögliche Ursache fetaler Fehlbildungen angesehen werden. Es gibt keine ausreichenden Studien an Schwangeren, obwohl einige Frauen, die es im zweiten und dritten Trimenon erhielten, offenbar normale Kinder zur Welt brachten. In der Regel wird es schwangeren Patientinnen nicht gegeben, und die Fachinformation ergänzt, dass es in der Schwangerschaft nur angewendet werden sollte, wenn die klinische Situation der Frau dies erfordert und das potenzielle Risiko für den Fetus rechtfertigt. Wird es angewendet oder tritt während der Behandlung eine Schwangerschaft ein, wird die Frau über das Risiko aufgeklärt; eine genetische Beratung wird empfohlen, und bei Feten und Neugeborenen werden eine kardiologische Untersuchung und Blutbildkontrollen empfohlen.
- Stillzeit: kontraindiziert. Es ist nicht bekannt, ob Daunorubicin in die Muttermilch übergeht, aber viele Arzneimittel, einschließlich anderer Anthrazykline, tun dies, und es könnte bei Säuglingen schwere Reaktionen verursachen. Frauen sollten während der Behandlung und noch mindestens 6 Tage nach der letzten Dosis nicht stillen.
- Empfängnisverhütung: Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und bis mindestens 27 Wochen nach der letzten Dosis eine wirksame Empfängnisverhütung anwenden; männliche Patienten sollten dies während der Behandlung und bis mindestens 14 Wochen nach der letzten Dosis tun.
- Fertilität: Daunorubicin kann genotoxisch sein und die Fertilität hemmen; Amenorrhö und Azoospermie können dosisabhängig auftreten, und Fertilitätsstörungen können irreversibel sein. Es könnte Chromosomenschäden in menschlichen Spermien verursachen, daher wird vor der Behandlung eine Beratung zur Spermakonservierung empfohlen; Frauen, die danach schwanger werden möchten, sollten eine genetische Beratung und eine Beratung zum Erhalt der Fertilität erhalten.
Natrium
Die rekonstituierte Lösung enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro ml, ist also im Wesentlichen natriumfrei.
Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit
Daunorubicin kann Übelkeit und Erbrechen verursachen, die in manchen Fällen die Fähigkeit zum Fahren und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Es gibt keine spezifischen Berichte über eine Auswirkung auf das Fahren.
Lagerungsbedingungen
Die ungeöffnete Durchstechflasche mit Pulver erfordert keine besonderen Lagerungsbedingungen. Die Packung enthält eine farblose Durchstechflasche aus Glas des Typs I mit Gummistopfen und Aluminiumkappe sowie eine Ampulle mit 10 ml Lösungsmittel. Zur Lagerung nach der Rekonstitution siehe Haltbarkeit. Für Kinder unzugänglich aufbewahren.
Haltbarkeit
- Ungeöffnete Durchstechflasche: 3 Jahre.
- Rekonstituierte Lösung: Um das Risiko einer mikrobiologischen Kontamination zu verringern, ist sie sofort nach der Rekonstitution oder dem Öffnen der Durchstechflasche zu verwenden. Wird sie nicht sofort verwendet, liegen Aufbewahrungsdauer und -bedingungen in der Verantwortung des Anwenders. Tests mit der in Natriumchlorid 0,9 % rekonstituierten Lösung zeigten eine chemische und physikalische Stabilität während der Anwendung von 24 Stunden bei höchstens 30 °C und von 48 Stunden im Kühlschrank bei 2–8 °C.
Abgabebedingungen in der Apotheke
Verschreibungspflichtig (Rx). Daunorubicin wird von Ärztinnen und Ärzten mit Erfahrung in der Krebsbehandlung eingeleitet und überwacht und intravenös gegeben, wobei eine Krankenhausaufnahme zumindest für die erste Behandlungsphase empfohlen wird. Es wird an das Krankenhaus oder die Klinik geliefert, die es verabreicht.
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Informationsquelle
Diese Produktinformation basiert auf:
DrugBank — Daunorubicin (DB00694); AEMPS SmPC — Daunoblastina 20 mg polvo y disolvente para solución inyectableZuletzt geprüft:
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