Cisplatin

Platinverbindung (zytotoxische Chemotherapie)

Cisplatin ist ein platinhaltiges zytotoxisches Arzneimittel, das an die DNA bindet und Quervernetzungen innerhalb und zwischen deren Strängen bildet, was die DNA-Synthese blockiert und sich teilende Tumorzellen abtötet. Es ist in den EU-Mitgliedstaaten national als Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (1 mg/ml) zugelassen und kann allein oder in einer Kombinationschemotherapie angewendet werden. Die hier verwendete nationale Produktinformation nennt metastasierten oder fortgeschrittenen Hodenkrebs, Eierstockkrebs, Blasenkrebs, Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich, nicht-kleinzelliges und kleinzelliges Lungenkarzinom sowie das Zervixkarzinom in Kombination mit Strahlentherapie. Die verdünnte Lösung wird über 6 bis 8 Stunden in eine Vene infundiert; vor und nach der Dosis erfolgt eine intravenöse Hydratation, um die Nieren zu schützen. Kumulative Nierenschäden, Knochenmarksuppression, Hörverlust, Nervenschäden sowie starke Übelkeit und Erbrechen sind die wichtigsten Toxizitäten, weshalb Organfunktion und Blutbild während der Behandlung wiederholt kontrolliert werden.

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Häufig gestellte Fragen

Cisplatin: Wofür wird es angewendet?

Cisplatin ist ein platinhaltiges zytotoxisches Arzneimittel, das an die DNA bindet und Quervernetzungen innerhalb und zwischen deren Strängen bildet, was die DNA-Synthese blockiert und sich teilende Tumorzellen abtötet.

Cisplatin: Ist ein Rezept erforderlich?

Ja. Cisplatin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.

Cisplatin: Wie ist es zu lagern?

Lagern Sie Cisplatin bei Unter 25 °C; nicht im Kühlschrank lagern oder einfrieren; vor Licht schützen in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich. Nach Anbruch: Verdünnte Lösung: 24 Stunden bei 20–25 °C stabil, vor Licht geschützt; nicht im Kühlschrank lagern oder einfrieren; aus mikrobiologischer Sicht sofort verwenden.

Cisplatin: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?

Nein. Cisplatin ist bei Unter 25 °C; nicht im Kühlschrank lagern oder einfrieren; vor Licht schützen stabil, sodass eine normale Schutzverpackung ausreicht; während des Transports wird es dennoch vor Hitze und Feuchtigkeit geschützt.

Cisplatin: Welche Stärken sind verfügbar?

Cisplatin ist in folgenden Stärken erhältlich: 50 mg/50 ml (1 mg/ml) Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, 100 mg/100 ml (1 mg/ml) Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.

Cisplatin: Wie lange ist es haltbar?

Die Haltbarkeit von Cisplatin beträgt 2 Jahre (ungeöffnete 50-ml- und 100-ml-Durchstechflaschen) bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.

Medizinische Informationen & Leitlinien

Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs

Pharmakologische Wirkung

Cisplatin ist ein anorganischer Platinkomplex (cis-Diammindichloroplatin(II)), dessen zytotoxische Wirkung der der alkylierenden Substanzen ähnelt. Seine Hauptwirkung ist die Hemmung der DNA-Synthese durch Quervernetzungen innerhalb und zwischen den DNA-Strängen; die Protein- und RNA-Synthese werden in geringerem Maße gehemmt.

Wirkmechanismus

  • DNA-Bindung: Cisplatin bindet an DNA-Basen, bevorzugt an die N-7-Position von Guanin und Adenin, und vernetzt die Stränge. Die Stränge können sich dann nicht mehr trennen, sodass DNA-Replikation und Transkription nicht ablaufen können und die Zelle abstirbt.
  • Unabhängigkeit vom Zellzyklus: Die Wirkung scheint nicht von einer bestimmten Phase des Zellzyklus abzuhängen.
  • Weitere Wirkungen: Zur antitumoralen Wirkung gehören weitere Aktivitäten, etwa die Steigerung der Immunogenität des Tumors. Cisplatin hat außerdem immunsuppressive, strahlensensibilisierende und antibakterielle Eigenschaften.

Pharmakokinetik

  • Verteilung: Nach intravenöser Gabe verteilt sich Cisplatin rasch in alle Gewebe, dringt aber nur sehr wenig in das zentrale Nervensystem ein. Die höchsten Konzentrationen werden in Leber, Nieren, Blase, Muskel, Haut, Hoden, Prostata, Pankreas und Milz erreicht, und Platin verbleibt bis zu 180 Tage nach der letzten Dosis im Gewebe. Das Verteilungsvolumen im Steady State beträgt 11–12 l/m².
  • Proteinbindung: Etwa 90 % des Platins im Plasma sind an Proteine gebunden (Albumin, Transferrin und Gammaglobulin). Diese Platin-Protein-Komplexe dissoziieren nicht in nennenswertem Maße und werden langsam eliminiert.
  • Elimination: Das ungebundene, filtrierbare Platin wird in zwei Phasen eliminiert, mit einer initialen Halbwertszeit von 10–20 Minuten und einer terminalen Halbwertszeit von 32–53 Minuten. Für das Gesamtplatin schwankt die Halbwertszeit zwischen Individuen und Studien stark; die meisten Studien berichten etwa 5 Tage oder mehr.
  • Ausscheidung: Die Elimination erfolgt hauptsächlich über den Urin, der in den ersten fünf Tagen 27–43 % der Dosis enthält; Platin wird auch über die Galle ausgeschieden. Die renale Clearance von freiem Platin übersteigt die glomeruläre Filtrationsrate, was darauf hinweist, dass die Niere es auch aktiv sezerniert.
  • Besondere Patientengruppen: Bei Nierenfunktionsstörung oder Knochenmarkdepression wird die Dosis reduziert (siehe Verabreichung und Dosierung).

Anwendungsgebiete

Cisplatin kann allein oder in Kombination mit anderen Chemotherapeutika angewendet werden. Die folgenden Anwendungsgebiete entsprechen der für diese Seite verfügbaren, national zugelassenen Generika-Fachinformation (Spanien); der Wortlaut kann sich zwischen den Mitgliedstaaten leicht unterscheiden.

  • Hodenkrebs: metastasiert oder fortgeschritten.
  • Eierstockkrebs: metastasiert oder fortgeschritten.
  • Blasenkarzinom: metastasiert oder fortgeschritten.
  • Kopf-Hals-Tumoren: metastasiertes oder fortgeschrittenes Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich.
  • Lungenkrebs: metastasiertes oder fortgeschrittenes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom sowie metastasiertes oder fortgeschrittenes kleinzelliges Lungenkarzinom.
  • Zervixkarzinom: in Kombination mit Strahlentherapie.

Gegenanzeigen

  • Überempfindlichkeit gegen Cisplatin, gegen andere platinhaltige Verbindungen oder gegen einen der sonstigen Bestandteile.
  • Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min), da Cisplatin nephrotoxisch ist.
  • Dehydratation, da vor und nach der Dosis eine Hydratation erforderlich ist, um eine schwere Nierenfunktionsstörung zu verhindern.
  • Myelosuppression.
  • Hörstörungen, da Cisplatin neurotoxisch und insbesondere ototoxisch ist.
  • Durch Cisplatin verursachte Neuropathie.
  • Kombination mit dem Gelbfieber-Impfstoff.
  • Stillzeit: Mit Cisplatin behandelte Patientinnen dürfen nicht stillen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind dosisabhängig und können kumulativ sein. Die am häufigsten berichteten Reaktionen (bei mehr als 10 % der Patienten) betreffen das Blut (Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie), den Magen-Darm-Trakt (Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö), Hörstörungen, die Nieren (Nierenversagen, Nephrotoxizität, Hyperurikämie) sowie Fieber. Schwere toxische Wirkungen auf Nieren, Knochenmark und Ohren treten bei bis zu einem Drittel der Patienten nach einer einzelnen Dosis auf; sie sind im Allgemeinen dosisabhängig und kumulativ, und Wirkungen sind noch Monate oder Jahre nach der Anwendung aufgetreten.

Die folgenden Häufigkeitsgruppen folgen der Tabelle der Fachinformation, die sich auf klinische Studien und Meldungen nach der Markteinführung stützt.

Sehr häufig (≥1/10): Knochenmarkversagen, Thrombozytopenie, Leukopenie, Anämie; Hyponatriämie; Fieber.

Häufig (≥1/100 bis <1/10): Sepsis; Neurotoxizität; Arrhythmie, Bradykardie, Tachykardie; Phlebitis, venöse Thromboembolie; Dyspnoe, Pneumonie, respiratorische Insuffizienz; Erythem, Hautulkus, lokalisiertes Ödem und Schmerzen (an der Infusionsstelle).

Gelegentlich (≥1/1.000 bis <1/100): Hypomagnesiämie; Ototoxizität; abnorme Spermienbildung und Ovulation; Gynäkomastie.

Selten (≥1/10.000 bis <1/1.000): akute Leukämie; Immunsuppression; Hypercholesterinämie; Krampfanfall, periphere Neuropathie, Leukoenzephalopathie, posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom; retrobulbäre Optikusneuritis; Myokardinfarkt, koronare Herzkrankheit; Hypertonie; Stomatitis; erhöhtes Albumin im Blut.

Sehr selten (<1/10.000): thrombotische Mikroangiopathie mit hämolytisch-urämischem Syndrom; anaphylaktoide Reaktion (zum Beispiel Gesichtsödem, Giemen, Bronchospasmus, Tachykardie); erhöhtes Eisen im Blut; Konvulsionen; Herzstillstand.

Nicht bekannt: Infektion (Infektionskomplikationen verliefen bei einigen Patienten tödlich); hämolytische Anämie mit positivem Coombs-Test; erhöhte Amylase im Blut; inadäquate Sekretion des antidiuretischen Hormons; Dehydratation, Hypokaliämie, Hypophosphatämie, Hyperurikämie, Tetanie; hämorrhagischer oder ischämischer Schlaganfall, Geschmacksverlust (Ageusie), zerebrale Arteriitis, Lhermitte-Zeichen, Myelopathie, autonome Neuropathie; verschwommenes Sehen, Farbsehstörung, kortikale Blindheit, Optikusneuritis, Papillenödem, Pigmentierung der Netzhaut; Tinnitus, Taubheit; Herzerkrankung; Raynaud-Phänomen; Lungenembolie; Erbrechen, Übelkeit, Anorexie, Schluckauf, Diarrhö; Hautausschlag, Alopezie; Muskelkrämpfe; akutes Nierenversagen, Nierenversagen (erhöhter Harnstoff und erhöhtes Kreatinin, erhöhte Harnsäure und/oder verminderte Kreatinin-Clearance), Nierentubulusstörung; Asthenie, Unwohlsein, Extravasation an der Infusionsstelle (lokale Weichteiltoxizität, die Zellulitis, Fibrose und Nekrose verursachen kann); erhöhte Leberenzyme und erhöhtes Bilirubin.

In der Tabelle der Fachinformation sind die Reaktionen des Magen-Darm-Trakts und der Nieren als Häufigkeit nicht bekannt eingestuft, obwohl die Zusammenfassung zur Sicherheit sie unter den Reaktionen nennt, die bei mehr als 10 % der Patienten berichtet wurden. Die wichtigsten schwerwiegenden Reaktionen sind kumulative Nierentoxizität, Knochenmarksuppression, Hörverlust, Neuropathie, Reaktionen vom anaphylaktischen Typ und Gewebeschäden nach Extravasation.

Wechselwirkungen

Viele Wechselwirkungen betreffen Arzneimittel, die ebenfalls die Nieren oder die Ohren schädigen oder deren Elimination von der Niere abhängt.

  • Nephrotoxische Arzneimittel (zum Beispiel Cephalosporine, Aminoglykoside, Amphotericin B, Kontrastmittel): Sie verstärken die toxischen Wirkungen von Cisplatin auf die Niere.
  • Ifosfamid: Dessen Nierentoxizität kann stärker sein, wenn es zusammen mit Cisplatin oder nach Cisplatin angewendet wird; es erhöht die Proteinausscheidung im Urin und kann zum cisplatinbedingten Hörverlust beitragen.
  • Hauptsächlich über die Niere ausgeschiedene Arzneimittel (zum Beispiel Bleomycin und Methotrexat): Ihre renale Elimination kann vermindert sein, daher ist während oder nach der Cisplatin-Behandlung Vorsicht geboten. Bei einigen Patienten, die Cisplatin zusammen mit Bleomycin und Etoposid erhielten, sanken die Lithium-Blutspiegel, daher sollten die Lithiumspiegel überwacht werden.
  • Ototoxische Arzneimittel (zum Beispiel Aminoglykoside, Schleifendiuretika): Sie verstärken die toxische Wirkung von Cisplatin auf das Gehör. Eine forcierte Diurese mit Schleifendiuretika sollte wegen einer möglichen Schädigung des Nierentrakts und wegen Ototoxizität vermieden werden, außer bei Patienten, die mehr als 60 mg/m² Cisplatin erhalten und deren Urinausscheidung unter 1.000 ml pro 24 Stunden liegt.
  • Antihypertensiva, die Furosemid, Hydralazin, Diazoxid oder Propranolol enthalten: Sie können die Nephrotoxizität von Cisplatin verstärken.
  • Gichtmittel (Allopurinol, Colchicin, Probenecid, Sulfinpyrazon): Ihre Dosis muss möglicherweise angepasst werden, da Cisplatin die Harnsäure im Serum erhöht.
  • Impfstoffe: Der Gelbfieber-Impfstoff ist wegen des Risikos einer tödlichen systemischen Impferkrankung strikt kontraindiziert, und es wird ein inaktivierter Impfstoff empfohlen, sofern ein solcher verfügbar ist. In den drei Monaten nach dem Ende der Cisplatin-Behandlung sollte kein Lebendvirus-Impfstoff gegeben werden.
  • Orale Antikoagulanzien (Cumarine wie Warfarin): Der INR muss häufiger kontrolliert werden.
  • Antihistaminika, Buclizin, Cyclizin, Loxapin, Meclozin, Phenothiazine, Thioxanthene und Trimethobenzamide: Sie können Symptome einer Ototoxizität wie Schwindel und Tinnitus verschleiern.
  • Antikonvulsiva (zum Beispiel Phenytoin): Die Plasmaspiegel können auf subtherapeutische Werte sinken, möglicherweise durch verminderte Resorption und/oder gesteigerten Metabolismus; die Serumspiegel sollten überwacht und die Dosis bei Bedarf angepasst werden.
  • Pyridoxin mit Altretamin: In einer randomisierten Studie bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom wurde das Ansprechen auf die Therapie durch gleichzeitig mit Cisplatin gegebenes Pyridoxin und Altretamin (Hexamethylmelamin) negativ beeinflusst.
  • Taxane: Cisplatin, das vor einer Paclitaxel-Infusion gegeben wird, kann die Paclitaxel-Clearance um 33 % verringern und so die Neurotoxizität verstärken. In einer Studie bei Patienten mit metastasierten oder fortgeschrittenen Tumoren verursachte Docetaxel mit Cisplatin schwerere neurotoxische Wirkungen (dosisabhängig, sensorisch) als Docetaxel allein in ähnlichen Dosen.
  • Myelosuppressive Substanzen und Strahlung: Sie verstärken die myelosuppressive Wirkung von Cisplatin.
  • Bleomycin und Vinblastin: Die Kombination mit Cisplatin kann zum Raynaud-Phänomen führen.
  • Chelatbildner wie Penicillamin: Sie können die Wirksamkeit von Cisplatin verringern.
  • Ciclosporin: Eine übermäßige Immunsuppression mit dem Risiko einer Lymphoproliferation sollte in Betracht gezogen werden.
  • Echinacea: DrugBank rät, sie zu meiden.

Verabreichung und Dosierung

Cisplatin darf nur unter der Aufsicht eines in der Onkologie qualifizierten Arztes mit Erfahrung in der zytotoxischen Chemotherapie angewendet werden. Das Konzentrat mit 1 mg/ml muss vor der Anwendung verdünnt werden (siehe Abschnitt 6.6 der Fachinformation) und wird ausschließlich als intravenöse Infusion der verdünnten Lösung über 6 bis 8 Stunden gegeben. Cisplatin reagiert mit Aluminium unter Bildung eines schwarzen Platin-Niederschlags; daher muss jedes aluminiumhaltige Material, das mit der Lösung in Berührung kommen könnte (Infusionsbestecke, Nadeln, Katheter, Spritzen), vermieden werden.

Empfohlene Dosis

Die Dosis hängt von der Grunderkrankung, dem erwarteten Ansprechen und davon ab, ob Cisplatin allein oder mit anderen Chemotherapeutika angewendet wird. Die Schemata gelten sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

  • Als Einzelsubstanz (zwei Schemata): eine Einzeldosis von 50 bis 120 mg/m² Körperoberfläche alle 3–4 Wochen; oder 15 bis 20 mg/m² pro Tag über 5 Tage, alle 3–4 Wochen.
  • In der Kombinationschemotherapie: Die Cisplatin-Dosis wird reduziert; eine typische Dosis beträgt 20 mg/m² oder mehr einmal alle 3–4 Wochen.
  • Gebärmutterhalskrebs: gegeben mit Strahlentherapie; eine typische Dosis beträgt 40 mg/m² pro Woche über 6 Wochen.

Hydratation und forcierte Diurese

Eine ausreichende Hydratation ist von 2 bis 12 Stunden vor der Dosis bis mindestens 6 Stunden danach erforderlich, damit während und nach der Behandlung genügend Urin gebildet wird. Sie wird als intravenöse Infusion von Natriumchloridlösung 0,9 % oder einer 1:1-Mischung aus Natriumchloridlösung 0,9 % und Glucoselösung 5 % gegeben.

  • Vor Cisplatin: 100–200 ml/Stunde über 6 bis 12 Stunden, insgesamt mindestens 1 Liter.
  • Nach Cisplatin: weitere 2 Liter mit 100–200 ml/Stunde über 6 bis 12 Stunden.
  • Forcierte Diurese: kann erforderlich sein, wenn die Urinausscheidung nach der Hydratation unter 100–200 ml/Stunde bleibt. Sie erfolgt mit 37,5 g Mannitol intravenös (375 ml einer Lösung mit 10 %) oder, wenn die Nierenfunktion normal ist, mit einem Diuretikum. Mannitol oder ein Diuretikum ist außerdem immer dann erforderlich, wenn die Cisplatin-Dosis über 60 mg/m² liegt.
  • Orale Flüssigkeitszufuhr: Der Patient sollte in den 24 Stunden nach der Infusion große Flüssigkeitsmengen trinken, um die Urinausscheidung ausreichend zu halten.

Dosisanpassungen und erneute Behandlung

  • Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung oder Knochenmarkdepression sollte die Dosis entsprechend reduziert werden. Die Fachinformation führt Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min) und Myelosuppression außerdem unter den Gegenanzeigen auf.
  • Eine erneute Behandlung wird verschoben, bis Nierenfunktion, Blutbild und Gehör wieder die unter Besondere Hinweise aufgeführten Werte erreicht haben.

Besondere Patientengruppen

  • Kinder und Jugendliche: Die Dosierungsschemata gelten für Erwachsene und Kinder. Die Ototoxizität kann bei Kindern stärker ausgeprägt sein, und es wurde über einen spät einsetzenden Hörverlust berichtet, daher wird eine Langzeitnachsorge empfohlen.
  • Ältere Patienten und Leberfunktionsstörung: Es wird keine spezifische Dosisanpassung angegeben; die Leberfunktion wird in regelmäßigen Abständen kontrolliert.
  • Nierenfunktionsstörung: siehe oben und Gegenanzeigen.

Besondere Hinweise

Aufsicht und Überwachung

Cisplatin wird nur unter der Aufsicht eines in der Onkologie qualifizierten Arztes angewendet, wenn angemessene diagnostische und therapeutische Einrichtungen verfügbar sind. Die Fachinformation beschreibt es als Zytostatikum mit einer ausgeprägteren Toxizität, als sie in der Krebschemotherapie üblich ist, und seine Toxizität kann durch andere Arzneimittel verstärkt werden, die dieselben Organe schädigen.

Vor, während und nach jeder Anwendung werden folgende Parameter gemessen und dann während der gesamten Behandlung jede Woche wiederholt: Nierenfunktion, Leberfunktion, Blutbild (rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Thrombozyten) und Serumelektrolyte (Calcium, Natrium, Kalium, Magnesium). Eine erneute Behandlung wird verschoben, bis:

  • das Serumkreatinin unter 130 µmol/l (1,5 mg/dl) liegt;
  • der Harnstoff unter 25 mg/dl liegt;
  • die Leukozytenzahl über 4.000/µl liegt;
  • die Thrombozyten über 100.000/µl liegen;
  • das Audiogramm normal ist.

Nephrotoxizität

Cisplatin verursacht eine schwere kumulative Nierentoxizität. Eine forcierte Diurese durch Hydratation oder durch Hydratation plus ein Diuretikum vor und nach der Dosis senkt das Risiko, und eine Urinausscheidung von 100 ml/Stunde oder mehr verringert es tendenziell auf ein Minimum. Der Abschnitt mit den Warnhinweisen empfiehlt eine Vorhydratation mit 2 Litern einer geeigneten intravenösen Lösung und eine ähnliche Hydratation nach Cisplatin (2.500 ml/m² über 24 Stunden); wenn die Hydratation keine ausreichende Urinausscheidung herstellen oder aufrechterhalten kann, ist ein osmotisches Diuretikum wie Mannitol ratsam. Erhöhte Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) und Albuminstörungen können für die Nephrotoxizität von Cisplatin prädisponieren.

Ototoxizität

Ototoxizität (Tinnitus und/oder Verlust des Hörvermögens im Hochfrequenzbereich, 4.000 bis 8.000 Hz) wurde bei bis zu 31 % der Patienten nach einer Einzeldosis von 50 mg/m² beobachtet, und das Gehör ist gelegentlich auch im normalen Gesprächsbereich vermindert. Der Hörverlust kann ein- oder beidseitig auftreten und wird bei wiederholten Dosen tendenziell häufiger und schwerer; nach der ersten Dosis wurde selten über Taubheit berichtet. Er kann durch eine vorangegangene oder gleichzeitige Schädelbestrahlung verstärkt werden, hängt möglicherweise mit der Plasmaspitzenkonzentration zusammen, und es ist unklar, ob er reversibel ist. Die Ototoxizität kann bei Kindern schwerer ausgeprägt sein, und in der pädiatrischen Population wurde über einen spät einsetzenden Hörverlust berichtet, weshalb eine Langzeitnachsorge empfohlen wird. Vor der Behandlung und vor jedem weiteren Zyklus wird eine Audiometrie durchgeführt. Auch über eine vestibuläre Toxizität wurde berichtet.

Neuropathie

Es wurde über schwere Neuropathien berichtet. Sie können irreversibel sein und sich als Parästhesien, Reflexverlust sowie Verlust der Propriozeption und des Vibrationsempfindens zeigen; auch ein Verlust der motorischen Funktion wurde beschrieben. Eine neurologische Untersuchung wird in regelmäßigen Abständen wiederholt, und bei Patienten mit peripherer Neuropathie, die nicht durch Cisplatin verursacht wurde, ist besondere Vorsicht geboten.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Wie bei anderen Platinpräparaten können Überempfindlichkeitsreaktionen (anaphylaktische Reaktionen) auftreten, in den meisten Fällen während der Infusion. Die Infusion wird abgebrochen und eine geeignete symptomatische Behandlung (Antihistaminika, Adrenalin und/oder Glukokortikoide) wird gegeben. Kreuzreaktionen, teilweise mit tödlichem Verlauf, wurden mit allen Platinverbindungen berichtet.

Übelkeit, Erbrechen und Flüssigkeitsverlust

Es können starke Übelkeit und starkes Erbrechen auftreten, die eine antiemetische Behandlung erfordern. Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö treten oft nach der Dosis auf und klingen meist innerhalb von 24 Stunden ab, wobei leichtere Übelkeit und Anorexie bis zu sieben Tage anhalten können. Ein vorbeugendes Antiemetikum kann helfen, und durch Erbrechen und Diarrhö verlorene Flüssigkeit muss ersetzt werden.

Knochenmark und Leber

Myelosuppression und anaphylaktische Reaktionen müssen engmaschig überwacht werden. Leberfunktion und Blutbild werden in regelmäßigen Abständen kontrolliert.

Extravasation und Reaktionen an der Infusionsstelle

Es können Reaktionen an der Infusionsstelle auftreten, daher wird die Stelle während der Anwendung engmaschig auf Infiltration beobachtet. Eine Behandlung von Extravasationsreaktionen ist nicht bekannt. Bei einer Extravasation wird die Infusion sofort abgebrochen, die Nadel bleibt liegen, die ausgetretene Flüssigkeit wird aus dem Gewebe aspiriert und der Bereich wird mit Natriumchloridlösung 0,9 % gespült. Bei Patienten mit akuten bakteriellen oder viralen Infektionen ist besondere Vorsicht geboten.

Kanzerogenes Potenzial

Bei mit Cisplatin behandelten Personen wurde selten eine akute Leukämie beobachtet, meist wenn es zusammen mit anderen Substanzen gegeben wurde, die Leukämie verursachen können. Cisplatin ist in Bakterien mutagen und verursacht chromosomale Veränderungen in tierischen Zellkulturen; Kanzerogenität ist möglich, wurde aber nicht nachgewiesen. Bei Mäusen ist es teratogen und embryotoxisch.

Schwangerschaft, Stillzeit und Fertilität

  • Schwangerschaft: Cisplatin sollte nicht angewendet werden, es sei denn, es gibt keine sicherere alternative Behandlung, die Behandlung kann nicht bis nach der Schwangerschaft verschoben werden und die Nutzen-Risiko-Bewertung für die einzelne Patientin spricht für die Anwendung. Daten bei Schwangeren fehlen oder sind unzureichend, aber aufgrund seiner pharmakologischen Eigenschaften besteht der Verdacht, dass es schwere Geburtsfehler verursacht.
  • Kontrazeption: Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und bis mindestens 29 Wochen (mindestens 7 Monate) nach der letzten Dosis eine wirksame Verhütungsmethode anwenden. Männer mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter sollten dies während der Behandlung und bis mindestens 17 Wochen (mindestens 4 Monate) nach der letzten Dosis tun. Der Abschnitt mit den Warnhinweisen derselben Fachinformation nennt für beide Geschlechter mindestens 6 Monate.
  • Stillzeit: Mit Cisplatin behandelte Patientinnen dürfen nicht stillen.
  • Fertilität: Bei Frauen wurde Cisplatin mit einem von der kumulativen Dosis abhängigen Ovarialversagen, vorzeitiger Menopause und verminderter Fertilität in Verbindung gebracht. Bei Männern wurden eine gestörte Spermienproduktion und das Fehlen von Spermien (Azoospermie) berichtet; die Störung kann reversibel sein. Männer und Frauen sollten sich vor der Behandlung zur Erhaltung der Fertilität beraten lassen.

Natriumgehalt

Jede 50-ml-Durchstechflasche enthält 177 mg Natrium (8,9 % der von der WHO für einen Erwachsenen empfohlenen maximalen täglichen Aufnahme von 2 g), und jede 100-ml-Durchstechflasche enthält 354 mg (17,7 %).

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit

Es wurden keine Studien zur Fähigkeit zum Führen von Fahrzeugen und zum Bedienen von Maschinen durchgeführt. Nebenwirkungen wie Nierentoxizität können einen geringen bis mäßigen Einfluss haben, und Patienten, bei denen Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Erbrechen auftreten, sollten das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen vermeiden.

Lagerungsbedingungen

Die Durchstechflaschen unter 25 °C lagern; nicht im Kühlschrank lagern oder einfrieren. Die Durchstechflasche im Umkarton aufbewahren, um sie vor Licht zu schützen. Die Lösung nicht verwenden, wenn sie nicht klar ist oder sich ein unlöslicher Niederschlag gebildet hat. Verdünnte Lösungen werden vor Licht geschützt und weder gekühlt noch eingefroren (siehe Haltbarkeit). Eine Kühlkette ist nicht erforderlich, aber die Durchstechflaschen dürfen während des Transports und der Lagerung nicht gekühlt oder eingefroren werden.

Das Konzentrat wird in 50-ml- oder 100-ml-Durchstechflaschen aus Glas (Typ I) mit einem latexfreien Chlorobutyl-Gummistopfen, einer Aluminiumkappe und einem Kunststoff-Flip-off-Deckel geliefert; möglicherweise werden nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Haltbarkeit

Ungeöffnete 50-ml- und 100-ml-Durchstechflaschen: 2 Jahre. Nach Verdünnung in den in Abschnitt 6.6 der Fachinformation beschriebenen Infusionslösungen bleibt die Lösung 24 Stunden bei Raumtemperatur (20–25 °C) stabil und muss vor Licht geschützt werden; verdünnte Lösungen dürfen nicht gekühlt oder eingefroren werden. Aus mikrobiologischer Sicht sollte die verdünnte Lösung sofort verwendet werden; andernfalls liegen Aufbewahrungsdauer und -bedingungen vor der Anwendung in der Verantwortung des Anwenders, und die Verdünnung sollte unter kontrollierten und validierten aseptischen Bedingungen erfolgen.

Abgabebedingungen in der Apotheke

Verschreibungspflichtig (Rx). Cisplatin darf nur unter der Aufsicht eines in der Onkologie qualifizierten Arztes mit Erfahrung in der Chemotherapie angewendet werden. Das Konzentrat wird verdünnt und zusammen mit einer Hydratation über 6 bis 8 Stunden intravenös infundiert, daher wird es an das Krankenhaus oder die Klinik geliefert, die es verabreicht. Es wird bei Raumtemperatur (unter 25 °C) gelagert und weder gekühlt noch gefroren versandt.

Weitere Wirkstoffe aus demselben Therapiegebiet oder derselben Wirkstoffklasse.

Wichtiger Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Diagnose oder Behandlungsempfehlung dar. Diese Informationen ersetzen nicht die Konsultation einer qualifizierten medizinischen Fachperson. Holen Sie bei Fragen zu einem Gesundheitszustand oder Arzneimittel stets den Rat Ihrer Ärztin bzw. Ihres Arztes, Apothekerin bzw. Apothekers oder einer anderen qualifizierten Fachperson ein. Ignorieren Sie ärztlichen Rat nicht und verzögern Sie dessen Einholung nicht aufgrund von Informationen auf dieser Website. Produktverfügbarkeit, zugelassene Anwendungsgebiete und Fachinformationen können je nach Land unterschiedlich sein. Viele der gelisteten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig; wo ein Rezept erforderlich ist, muss dieses im Bestimmungsland gültig sein, und die Produkte sind unter ärztlicher Aufsicht anzuwenden. Wir beschaffen, versenden oder listen keine Suchtmittel im Sinne des österreichischen Suchtmittelgesetzes (SMG) oder vergleichbarer internationaler Regelungen.

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Informationsquelle

Diese Produktinformation basiert auf:

DrugBank — Cisplatin (DB00515); AEMPS SmPC — Cisplatino Pharmacia 1 mg/ml concentrado para solución para perfusión EFG

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