Vincristin
Vinca-Alkaloid-Chemotherapie
Vincristinsulfat ist ein Vinca-Alkaloid aus der Madagaskar-Immergrünpflanze (Catharanthus roseus), das die Zellteilung blockiert, indem es an Tubulin bindet und die Ausbildung der mitotischen Spindel stört. Es ist ein Eckpfeiler kurativer Therapieschemata bei der pädiatrischen akuten lymphatischen Leukämie, bei Lymphomen und weiteren hämatologischen Malignomen.
Erhältlich unter folgenden Markennamen
Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:
- Oncovin ®
- Vincasar PFS ®
- Marqibo ®
Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.
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Häufig gestellte Fragen
Vincristin: Wofür wird es angewendet?
Vincristinsulfat ist ein Vinca-Alkaloid aus der Madagaskar-Immergrünpflanze (Catharanthus roseus), das die Zellteilung blockiert, indem es an Tubulin bindet und die Ausbildung der mitotischen Spindel stört.
Vincristin: Ist ein Rezept erforderlich?
Ja. Vincristin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.
Vincristin: Wie ist es zu lagern?
Lagern Sie Vincristin bei 2–8 °C in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich. Nach Anbruch: Sofort verwenden. Durchstechflasche nicht wiederverwenden. Nicht verbrauchten Rest verwerfen.
Vincristin: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?
Ja. Vincristin muss bei 2–8 °C gehalten werden und wird daher in Isolierverpackungen mit Kühlelementen versendet, die für die gesamte Transitzeit dimensioniert sind, sodass die Kühlkette vom Versand bis zur Zustellung ununterbrochen bleibt.
Vincristin: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?
Vincristin wird je nach Land und Hersteller als Oncovin, Vincasar PFS, Marqibo vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.
Vincristin: Welche Stärken sind verfügbar?
Vincristin ist in folgenden Stärken erhältlich: 1 mg/ml Durchstechflasche, 2 mg/2 ml Durchstechflasche, 5 mg/5 ml Durchstechflasche. Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.
Vincristin: Wie lange ist es haltbar?
Die Haltbarkeit von Vincristin beträgt 24–36 Monate, je nach Formulierung bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.
Medizinische Informationen & Leitlinien
Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs
Pharmakologische Wirkung
Vincristin ist ein Vinca-Alkaloid aus der Madagaskar-Immergrünpflanze (Catharanthus roseus). Es ist ein zentraler Bestandteil vieler kurativer Therapieschemata bei pädiatrischen und hämatologischen Malignomen.
Wirkmechanismus
Mikrotubuli-Disruption:
- Bindet an Tubulin und verhindert die Bildung von Mikrotubuli
- Stört den Aufbau der mitotischen Spindel
- Arretiert Zellen in der Metaphase (M-Phasen-spezifisch)
- Verhindert die Zellteilung
Weitere Effekte:
- Hemmt den axonalen Transport in Neuronen (verursacht Neuropathie)
- Wirkt bevorzugt auf rasch teilende Zellen
Pharmakokinetik
- Verteilung: schnell und ausgedehnt — mehr als 90 % der Dosis werden innerhalb von 15–30 Minuten nach intravenöser Injektion aus dem Blut in das Gewebe verteilt. Vincristin überwindet die Blut-Hirn-Schranke kaum, was sowohl seine fehlende ZNS-Wirksamkeit als auch den katastrophalen Verlauf einer intrathekalen Verabreichung erklärt.
- Verteilungsvolumen: sehr groß (Ausdruck der starken Gewebebindung); >90 % werden innerhalb weniger Minuten nach i. v. Gabe aus dem Blut umverteilt.
- Proteinbindung: ca. 75 % an Plasmaproteinen; zusätzlich ausgeprägte Bindung an Thrombozyten und Erythrozyten.
- Metabolisierung: vorwiegend über CYP3A4 und CYP3A5 in der Leber; geringer Beitrag von CYP2C19. Klinisch relevante Wechselwirkungen mit CYP3A4-Hemmern (deutliche Erhöhung der Exposition und des Neurotoxizitätsrisikos) und -Induktoren (mögliche Wirksamkeitsverminderung).
- Halbwertszeit: triphasische Elimination — initiale Phase ca. 5 Minuten; mittlere Phase ca. 2,3 Stunden; terminale Phase ca. 85 Stunden (Spanne 19–155 Stunden beim Menschen).
- Clearance: Datenlage begrenzt; Elimination überwiegend nichtrenal.
- Ausscheidung: ca. 80 % über die Fäzes (biliär); 10–20 % über den Urin.
Klinische Wirksamkeit
Vincristin ist ein Schlüsselbaustein kurativer Schemata:
Akute lymphatische Leukämie (ALL):
- Unverzichtbar in Induktion, Konsolidierung und Erhaltung
- Bestandteil von Polychemotherapie-Protokollen mit Heilungsraten >90 % bei Kindern
- Wesentlich für ZNS-Prophylaxe-Schemata
Lymphome:
- CHOP-Schema beim Non-Hodgkin-Lymphom
- ABVD-Schema beim Hodgkin-Lymphom
- R-CHOP bei B-Zell-Lymphomen
Pädiatrische solide Tumoren:
- Wilms-Tumor
- Neuroblastom
- Rhabdomyosarkom
- Ewing-Sarkom
- Medulloblastom
Anwendungsgebiete
- Akute lymphatische Leukämie (ALL)
- Akute myeloische Leukämie (AML)
- Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphom
- Multiples Myelom
- Wilms-Tumor
- Neuroblastom
- Rhabdomyosarkom
- Ewing-Sarkom
- Pädiatrische Hirntumoren
Nahezu immer im Rahmen einer Kombinationschemotherapie eingesetzt.
Gegenanzeigen
Absolut:
- INTRATHEKALE VERABREICHUNG (TÖDLICH — ausschließlich i. v. anzuwenden)
- Überempfindlichkeit gegen Vincristin oder Vinca-Alkaloide
- Demyelinisierende Form des Charcot-Marie-Tooth-Syndroms
- Patienten unter gleichzeitiger Strahlentherapie über Lebereinstrahlungsfelder
Relativ:
- Vorbestehende schwere Neurotoxizität
- Schwere Leberinsuffizienz
- Schwangerschaft und Stillzeit
WARNHINWEIS: TÖDLICH BEI INTRATHEKALER GABE. AUSSCHLIESSLICH ZUR INTRAVENÖSEN ANWENDUNG. Spritzen sind zu kennzeichnen mit: „NUR ZUR INTRAVENÖSEN ANWENDUNG — TÖDLICH BEI ANDERER VERABREICHUNG”
Nebenwirkungen
Dosislimitierende Toxizität:
- Periphere Neuropathie: progredient, dosisabhängig, möglicherweise irreversibel
Neurotoxizität (sehr häufig):
- Periphere Neuropathie (Kribbeln, Taubheitsgefühl in Händen/Füßen)
- Verlust der Muskeleigenreflexe
- Fußheber- und Handstreckerschwäche
- Kieferschmerzen
- Obstipation (neurogen) — kann zu paralytischem Ileus fortschreiten
- Harnverhalt
- Orthostatische Hypotonie
- Hirnnervenparesen (selten)
Häufig:
- Alopezie (häufig, reversibel)
- Leichte Myelosuppression (geringer als bei anderen Vinca-Alkaloiden)
- Übelkeit, Erbrechen (mild)
- Abdominelle Krämpfe
- Gewichtsverlust
- Diarrhö
Schwerwiegend:
- Schwere Obstipation/paralytischer Ileus
- Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH)
- Schwere Neurotoxizität (kann Dosisreduktion oder Therapieabbruch erfordern)
- Extravasation: Vesikans — verursacht schwere Gewebenekrosen
- Hepatotoxizität (bei vorbestehender Leberfunktionsstörung)
Selten:
- Krampfanfälle
- Kortikale Blindheit (reversibel)
- Optikusatrophie
- Stimmbandlähmung
- Hypertonie
Dosierung
Dosierung bei Erwachsenen:
- Üblich: 1,4 mg/m² i. v. (in vielen Protokollen maximal 2 mg pro Dosis)
- In der Regel wöchentlich
- Eine Dosis-Obergrenze ist umstritten (manche Protokolle deckeln bei 2 mg, andere nicht)
Dosierung bei Kindern:
- <10 kg oder <1 m²: häufig 0,05 mg/kg (kein Cap)
- ≥10 kg: 1,4–2 mg/m² (Cap je nach Protokoll)
Dosisanpassungen:
- Dosisreduktion bei relevanter Neuropathie:
- Grad 2: 50 % Dosisreduktion erwägen
- Grad 3–4: Aussetzen bis zur Besserung
- Leberinsuffizienz:
- Bilirubin 1,5–3 mg/dl: 50 % der Dosis
- Bilirubin >3 mg/dl: 25 % der Dosis oder Aussetzen
Verabreichung:
- AUSSCHLIESSLICH INTRAVENÖS — NIEMALS INTRATHEKAL
- Als i. v. Bolus über 1 Minute ODER als Kurzinfusion
- Über einen frei laufenden i. v. Zugang oder zentralen Venenkatheter
- Anschließend mit physiologischer Kochsalzlösung nachspülen
Wechselwirkungen
CYP3A4-Hemmer:
- Erhöhen Vincristin-Spiegel und Toxizität
- Azol-Antimykotika, Makrolide, Proteaseinhibitoren
- Grapefruitsaft
- Vorsicht und Überwachung auf Toxizität
CYP3A4-Induktoren:
- Senken Vincristin-Spiegel
- Phenytoin, Rifampicin, Johanniskraut
Sonstige:
- L-Asparaginase: Vincristin 12–24 Stunden vor Asparaginase geben (vermindert die hepatische Clearance)
- Itraconazol: über schwere Neurotoxizität berichtet
- Mitomycin C: erhöhtes Risiko pulmonaler Toxizität
Besondere Hinweise
KRITISCHE SICHERHEITSHINWEISE:
- AUSSCHLIESSLICH ZUR INTRAVENÖSEN ANWENDUNG
- TÖDLICH BEI INTRATHEKALER GABE
- Abgabe im Schutzbeutel mit der Beschriftung „NICHT ENTFERNEN VOR DEM ZEITPUNKT DER INJEKTION”
- Verdünnte Spritzen sind zu kennzeichnen mit „NUR ZUR INTRAVENÖSEN ANWENDUNG — TÖDLICH BEI ANDERER VERABREICHUNG”
- Die Spritze niemals vor dem unmittelbaren Verabreichungszeitpunkt aus der Schutzhülle nehmen
- Es kam wiederholt zu tödlichen intrathekalen Fehlverabreichungen — strikte Protokolle sind zwingend
Management der Neuropathie:
- Vor jeder Dosis neurologischer Status erheben
- Standardisierte Neuropathie-Gradierung verwenden
- Prophylaktisches Stuhlregime (Stuhlweichmacher, Laxanzien)
- Ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Hydratation fördern
- Bei progredienter Neuropathie Dosis reduzieren oder aussetzen
- Die Neuropathie kann sich nach Therapieende zunächst verschlechtern, bevor sie sich bessert
Obstipationsprävention:
- Prophylaktisch Stuhlweichmacher und stimulierende Laxanzien einleiten
- Stuhlgang überwachen
- Obstipation konsequent behandeln
- Paralytischer Ileus ist ein medizinischer Notfall
Extravasation:
- Vesikans — verursacht schwere Gewebeschäden
- Verabreichung über sicheren i. v. Zugang oder zentralen Venenkatheter
- Injektionsstelle kontinuierlich überwachen
- Bei Extravasation:
- Infusion sofort stoppen
- Restmedikament aspirieren
- KEINEN Druck ausüben
- Mäßige Wärme anwenden (keine Kälte) — umstritten
- Hyaluronidase-Injektion erwägen
- Plastisch-chirurgisches Konsil bei schweren Fällen
Schwangerschaft:
- Teratogen
- Wirksame Kontrazeption erforderlich
- Im ersten Trimenon möglichst vermeiden
Handhabung:
- Zytotoxisch — Schutzausrüstung erforderlich
- Institutionelle Protokolle zur Handhabung von Zytostatika befolgen
Lagerungsbedingungen
Bei 2–8 °C lagern. Vor Licht schützen. Nicht einfrieren. Bis zum Anwendungszeitpunkt im Umkarton aufbewahren.
Haltbarkeit
24–36 Monate, je nach Formulierung. Nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr anwenden.
Abgabebedingungen in der Apotheke
Verschreibungspflichtig. Anwendung ausschließlich in Krankenhaus- und onkologischem Setting. Verabreichung nur durch geschultes onkologisches Personal unter strikten Sicherheitsprotokollen zur Verhinderung einer intrathekalen Gabe. Abgabe in Schutzhülle mit eindeutiger Kennzeichnung.
Verwandte Medikamente
Weitere Wirkstoffe aus demselben Therapiegebiet oder derselben Wirkstoffklasse.
Bevacizumab
VEGF-Inhibitor (antiangiogener monoklonaler Antikörper)
Doxorubicin
Anthrazyklin-Chemotherapeutikum
Imatinib
Tyrosinkinase-Inhibitor
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Mitomycin
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Wichtiger Hinweis
Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Diagnose oder Behandlungsempfehlung dar. Diese Informationen ersetzen nicht die Konsultation einer qualifizierten medizinischen Fachperson. Holen Sie bei Fragen zu einem Gesundheitszustand oder Arzneimittel stets den Rat Ihrer Ärztin bzw. Ihres Arztes, Apothekerin bzw. Apothekers oder einer anderen qualifizierten Fachperson ein. Ignorieren Sie ärztlichen Rat nicht und verzögern Sie dessen Einholung nicht aufgrund von Informationen auf dieser Website. Produktverfügbarkeit, zugelassene Anwendungsgebiete und Fachinformationen können je nach Land unterschiedlich sein. Viele der gelisteten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig; wo ein Rezept erforderlich ist, muss dieses im Bestimmungsland gültig sein, und die Produkte sind unter ärztlicher Aufsicht anzuwenden. Wir beschaffen, versenden oder listen keine Suchtmittel im Sinne des österreichischen Suchtmittelgesetzes (SMG) oder vergleichbarer internationaler Regelungen.
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Informationsquelle
Diese Produktinformation basiert auf:
DrugBank — Vincristine (DB00541)Zuletzt geprüft:
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