Mitomycin

Antitumor-Antibiotikum / Alkylanz

Mitomycin ist ein biorduktives alkylierendes antitumorales Antibiotikum (MW 334,33 g/mol, Formel C₁₅H₁₈N₄O₅, CAS 50-07-7), das aus Streptomyces caespitosus isoliert wurde. Es ist ein Prodrug, das eine enzymatische Reduktion — vor allem durch NADPH-abhängige Reduktasen unter hypoxischen Bedingungen — benötigt, um eine bi- und trifunktionelle alkylierende Spezies zu erzeugen, die DNA an der N6-Position des Adenins und an den O6/N2-Positionen des Guanins quervernetzt; Replikation wird gestoppt und Apoptose induziert. Hypoxische Tumorzellen aktivieren Mitomycin bevorzugt, woraus eine Selektivität gegenüber soliden Tumoren resultiert. ATC-Code: L01DC03.

Erhältlich unter folgenden Markennamen

Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:

  • Mitomycin-Medac ®
  • Mutamycin ®
  • Jelmyto ®
  • Mitosol ®

Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.

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Häufig gestellte Fragen

Mitomycin: Wofür wird es angewendet?

Mitomycin ist ein biorduktives alkylierendes antitumorales Antibiotikum (MW 334,33 g/mol, Formel C₁₅H₁₈N₄O₅, CAS 50-07-7), das aus Streptomyces caespitosus isoliert wurde.

Mitomycin: Ist ein Rezept erforderlich?

Ja. Mitomycin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.

Mitomycin: Wie ist es zu lagern?

Lagern Sie Mitomycin bei 15–30 °C in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich. Nach Anbruch: Mit 0,9%iger Natriumchloridlösung rekonstituieren. Nach Rekonstitution sofort verwenden; falls erforderlich, kann die rekonstituierte Lösung bis zu 8 Stunden bei 2–8 °C aufbewahrt werden. Vor Licht schützen..

Mitomycin: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?

Nein. Mitomycin ist bei 15–30 °C stabil, sodass eine normale Schutzverpackung ausreicht; während des Transports wird es dennoch vor Hitze und Feuchtigkeit geschützt.

Mitomycin: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?

Mitomycin wird je nach Land und Hersteller als Mitomycin-Medac, Mutamycin, Jelmyto, Mitosol vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.

Mitomycin: Welche Stärken sind verfügbar?

Mitomycin ist in folgenden Stärken erhältlich: 2-mg-Durchstechflasche, 5-mg-Durchstechflasche, 10-mg-Durchstechflasche. Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.

Mitomycin: Wie lange ist es haltbar?

Die Haltbarkeit von Mitomycin beträgt Mindestens 4 Jahre (Pulver) bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.

Medizinische Informationen & Leitlinien

Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs

Pharmakologische Wirkung

Mitomycin ist ein antitumorales Antibiotikum, das von Streptomyces caespitosus produziert wird. Es ist ein Prodrug, das innerhalb der Zelle reduktiv aktiviert werden muss, um zu einem potenten DNA-Alkylanz zu werden.

Wirkmechanismus

Biorduktive Aktivierung:

Mitomycin wird durch NADPH-abhängige Reduktasen (und andere zelluläre Oxidoreduktasen) enzymatisch zu reaktiven alkylierenden Zwischenstufen reduziert. Diese Bioaktivierung erfolgt bevorzugt in hypoxischer Umgebung — eine Eigenschaft, die Selektivität gegenüber dem schlecht oxygenierten Kern solider Tumoren vermittelt. Der Guanin- und Cytosingehalt der DNA korreliert direkt mit dem Ausmaß der Quervernetzung: GC-reiche Regionen werden bevorzugt angegriffen.

DNA-Quervernetzung:

Die aktivierte Spezies ist ein bi- und trifunktionelles Alkylanz. Sie bildet Inter- und Intrastrang-Quervernetzungen und zielt auf:

  • N6-Position des Adenins sowie O6- und N2-Positionen des Guanins (primäre Quervernetzungsstellen)
  • Einzelstrangbrüche durch reduziertes Mitomycin via Radikalmechanismus; durch Radikalfänger verhinderbar

Die Quervernetzung hemmt DNA-Replikation und -Transkription und löst letztlich Apoptose aus. Die Wirkung ist in der späten G1- und frühen S-Phase am stärksten ausgeprägt; insgesamt gilt Mitomycin als zellzyklusphasen-unspezifisch.

Zusatzeffekte:

  • In hohen Konzentrationen werden auch zelluläre RNA- und Proteinsynthese supprimiert
  • In vitro wurde gezeigt, dass Mitomycin die Proliferation von B-Zellen, T-Zellen und Makrophagen hemmt und die Sekretion von IFN-γ, TNF-α und IL-2 beeinträchtigt

Pharmakokinetik

Mitomycin wird aus dem Gastrointestinaltrakt nur inkonsistent resorbiert und muss daher intravenös verabreicht werden.

  • Spitzenplasmakonzentration (Cmax): ca. 0,4 µg/ml nach Dosen von 20 mg/m²; verschwindet nach Injektion rasch aus dem Blut.
  • Verteilungsvolumen / Gewebeverteilung: weit verteilt im Körper. Höchste Konzentrationen in den Nieren, gefolgt von Muskulatur, Augen, Lunge, Darm und Magen. Der Wirkstoff ist in Leber, Milz oder Gehirn nicht nachweisbar — diese Organe inaktivieren Mitomycin rasch. Überquert nicht die Blut-Hirn-Schranke. In Tumorgewebe finden sich in der Regel höhere Konzentrationen als in normalem Gewebe.
  • Plasmaproteinbindung: ca. 70–80 %.
  • Metabolismus: überwiegend hepatisch; hepatische Extraktion ca. 20 %. Ausgedehnt metabolisiert (> 90 % der Dosis); die Inaktivierungsprodukte sind nicht vollständig identifiziert. Die Bioaktivierung zu der alkylierenden Form durch Tumorzell-Sonikate erfordert hypoxische Bedingungen und ein NADPH-erzeugendes System.
  • Clearance: ca. 0,3–0,4 l/h/kg.
  • Halbwertszeit (biphasisch):
    • Alpha-Phase: 5–10 Minuten (rasche Gewebeaufnahme und -verteilung)
    • Beta-Phase: ca. 46 Minuten (terminale Elimination)
    • Insgesamt berichteter Bereich: 8–48 Minuten; Plasma-Clearance-Halbzeit ca. 1 Stunde bei 20 mg/m².
  • Ausscheidung: ca. 10 % der Dosis werden unverändert mit dem Urin ausgeschieden; < 10 % in der Galle wiedergefunden. Bei niedrigeren Dosen (< 2 mg/kg i. v. bei Ratten) liegt die renale Wiederfindung der unveränderten Substanz innerhalb von 24 Stunden bei ca. 18 %; bei höheren Dosen (8 mg/kg) werden bis zu 35 % unverändert im Urin ausgeschieden (keine in den Fäzes).

Klinische Wirksamkeit

Magenkarzinom:

  • Kombiniert mit 5-FU bei fortgeschrittener Erkrankung
  • Verbessert in einigen Schemata das Gesamtüberleben

Pankreaskarzinom:

  • Verwendet mit Gemcitabin und anderen Substanzen
  • Moderater Nutzen in einigen Protokollen

Blasenkarzinom:

  • Intravesikale Instillation bei nicht-muskelinvasiver Erkrankung
  • Ansprechraten 30–60 %

Weitere Krebsarten:

  • Mamma-, Ovarial-, kolorektales und Lungenkarzinom (unterschiedliche Schemata)
  • Als Monosubstanz selten eingesetzt

Anwendungsgebiete

  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom
  • Pankreaskarzinom
  • Nicht-muskelinvasives Blasenkarzinom (intravesikal)
  • Verschiedene weitere solide Tumoren (in Kombinationsschemata)

In der Regel in Kombination mit anderen Chemotherapeutika angewendet.

Gegenanzeigen

  • Schwere Überempfindlichkeit gegen Mitomycin
  • Schwere Knochenmarkdepression
  • Ausgangs-Kreatinin > 1,7 mg/dl oder CCr < 60 ml/min
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Nebenwirkungen

Dosislimitierende Toxizität:

  • Verzögerte Myelosuppression: oft schwer; Nadir nach 3–4 Wochen

Sehr häufig:

  • Schwere Knochenmarkdepression (Anämie, Neutropenie, Thrombozytopenie)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Fatigue
  • Mukositis

Häufig:

  • Diarrhö
  • Alopezie
  • Anorexie
  • Schwäche

Schwer/Selten:

  • Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS): schwere Komplikation (~0,1–2 %), potenziell tödlich
    • Mikroangiopathische hämolytische Anämie
    • Thrombozytopenie
    • Nierenversagen
  • Pulmonale Toxizität: Pneumonitis, Fibrose (selten, häufiger bei höheren Kumulativdosen)
  • Kumulative Nephrotoxizität: meist asymptomatischer Kreatininanstieg
  • Paravasat: vesikant — Gewebeschäden
  • Sekundäre maligne Erkrankungen: Leukämierisiko (selten)

Dosierung

i. v. Infusion:

  • Typisch: 10–20 mg/m² pro Dosis
  • In der Regel alle 6–8 Wochen
  • Kumulative Gesamtdosis üblicherweise auf 50–60 mg/m² begrenzt (Nieren-/HUS-Risiko)
  • In den meisten Schemata mit anderen Substanzen kombiniert

Intravesikal (Blase):

  • 40 mg in 40 ml sterilem Wasser
  • Über 1–2 Stunden in die Blase instilliert, wöchentlich über 6 Wochen
  • Wöchentliche Erhaltung

Anwendung:

  • i. v.: langsame Infusion (möglichst über einen zentralvenösen Zugang)
  • Vesikant — Paravasat-Risiko
  • Nicht als i. v. Bolus verabreichen

Dosisanpassungen:

  • Bei Myelosuppression oder Vortherapie reduzieren
  • Bei CCr < 60 ml/min vermeiden
  • Nierenfunktion engmaschig überwachen

Wechselwirkungen

  • Vinca-Alkaloide: erhöhte Neurotoxizität und pulmonale Toxizität
  • Doxorubicin: erhöhte Kardiotoxizität und pulmonale Toxizität
  • Strahlentherapie: verstärkte Toxizität (gleichzeitige Behandlung vermeiden)

Besondere Hinweise

Knochenmarkkontrolle (kritisch):

  • Blutbild vor jeder Dosis
  • Auf verzögerte Myelosuppression achten (Nadir Woche 3–4)
  • Kann kumulativ verstärkt sein
  • Blutbild an Tag 21 nach Behandlung zur Nadir-Kontrolle

Prävention des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS):

  • Auf HUS achten: mikroangiopathische hämolytische Anämie, Thrombozytopenie, Nierenversagen
  • Symptome: Hämoglobinurie, Ikterus, verminderte Urinausscheidung, Hypertonie
  • Höheres Risiko ab Kumulativdosen > 50 mg/m²
  • Tödliche Fälle berichtet — strikte Kumulativdosis-Grenzen empfohlen
  • Außer Dosisbegrenzung keine bekannte Prävention
  • Frühzeitige Erkennung und Intervention entscheidend

Kontrolle der Nierenfunktion:

  • Ausgangs-Kreatinin und CCr erforderlich
  • Während der Therapie regelmäßig kontrollieren
  • Bei CCr < 60 ml/min kontraindiziert
  • Auf Proteinurie achten

Pulmonale Toxizität:

  • Akute Pneumonitis mit Dyspnoe, Fieber, Husten
  • Chronische Fibrose mit progredienter Dyspnoe
  • Höheres Risiko bei Kumulativdosen > 50 mg/m², gleichzeitiger Anwendung von Vinca-Alkaloiden/Doxorubicin oder vorangegangener Strahlentherapie
  • Respiratorische Symptome überwachen
  • Bei Risiko Ausgangs- und periodische Röntgen- bzw. CT-Untersuchung des Thorax

Paravasat:

  • Vesikant — verursacht Gewebenekrose
  • Wenn möglich über einen zentralvenösen Zugang verabreichen
  • Infusionsstelle kontinuierlich überwachen
  • Bei Paravasat:
    • Infusion sofort stoppen
    • Restwirkstoff aspirieren
    • Kühlung anwenden
    • Bei schweren Befunden plastisch-chirurgisches Konsil

Schwangerschaft:

  • Teratogen
  • Zuverlässige Empfängnisverhütung erforderlich
  • Erstes Trimenon nach Möglichkeit meiden

Handhabung:

  • Zytostatikum — Schutzausrüstung erforderlich
  • Institutionelle Chemotherapie-Handhabungsprotokolle einhalten

Lagerung

Nicht rekonstituiertes Pulver: bei 15–30 °C lagern. Vor Licht schützen. Temperaturen über 40 °C vermeiden. Handelsübliches Mitomycin-Pulver ist bei sachgerechter Lagerung mindestens 4 Jahre bei Raumtemperatur stabil.

Nach Rekonstitution: sofort verwenden. Falls erforderlich, kann die rekonstituierte Lösung bis zu 8 Stunden bei 2–8 °C aufbewahrt werden. Vor Licht schützen. Nicht verwendete Reste verwerfen.

Haltbarkeit

Mindestens 4 Jahre (nicht rekonstituiertes Pulver) bei sachgerechter Lagerung. Nach Ablauf des Verfalldatums nicht mehr anwenden.

Abgabe

Verschreibungspflichtig. Anwendung ausschließlich in Krankenhaus/Onkologie. Aufgrund schwerer Risiken (HUS, pulmonale Toxizität) ist eine sorgfältige Patientenauswahl und Überwachung essenziell. Strikte Kumulativdosis-Grenzen (typischerweise 50–60 mg/m²) sind einzuhalten.

Weitere Wirkstoffe aus demselben Therapiegebiet oder derselben Wirkstoffklasse.

Wichtiger Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Diagnose oder Behandlungsempfehlung dar. Diese Informationen ersetzen nicht die Konsultation einer qualifizierten medizinischen Fachperson. Holen Sie bei Fragen zu einem Gesundheitszustand oder Arzneimittel stets den Rat Ihrer Ärztin bzw. Ihres Arztes, Apothekerin bzw. Apothekers oder einer anderen qualifizierten Fachperson ein. Ignorieren Sie ärztlichen Rat nicht und verzögern Sie dessen Einholung nicht aufgrund von Informationen auf dieser Website. Produktverfügbarkeit, zugelassene Anwendungsgebiete und Fachinformationen können je nach Land unterschiedlich sein. Viele der gelisteten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig; wo ein Rezept erforderlich ist, muss dieses im Bestimmungsland gültig sein, und die Produkte sind unter ärztlicher Aufsicht anzuwenden. Wir beschaffen, versenden oder listen keine Suchtmittel im Sinne des österreichischen Suchtmittelgesetzes (SMG) oder vergleichbarer internationaler Regelungen.

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Informationsquelle

Diese Produktinformation basiert auf:

PubChem CID 5746 / AHFS Drug Information / Goodman & Gilman

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