Imatinib

Tyrosinkinase-Inhibitor

Imatinib ist ein 2-Phenylaminopyrimidin-Tyrosinkinase-Inhibitor (MW 493,6 Da, Formel C₂₉H₃₁N₇O), der die BCR-ABL-Fusionskinase, c-KIT, PDGFR-α/β und mehrere weitere Tyrosinkinasen selektiv durch Bindung an deren ATP-Tasche blockiert. Als erste erfolgreiche molekular zielgerichtete Krebstherapie (FDA-Zulassung Februar 2001) hat Imatinib die chronische myeloische Leukämie von einer einheitlich tödlichen Erkrankung in eine beherrschbare chronische Erkrankung verwandelt und das Paradigma der „zielgerichteten Therapie“ begründet. Bei mehreren Ph+- und KIT-getriebenen Malignomen bleibt Imatinib Standardtherapie.

Erhältlich unter folgenden Markennamen

Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:

  • Gleevec ®
  • Glivec ®
  • Imatinib Teva ®
  • Imkeldi ®

Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.

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Häufig gestellte Fragen

Imatinib: Wofür wird es angewendet?

Imatinib ist ein 2-Phenylaminopyrimidin-Tyrosinkinase-Inhibitor (MW 493,6 Da, Formel C₂₉H₃₁N₇O), der die BCR-ABL-Fusionskinase, c-KIT, PDGFR-α/β und mehrere weitere Tyrosinkinasen selektiv durch Bindung an deren ATP-Tasche blockiert.

Imatinib: Ist ein Rezept erforderlich?

Ja. Imatinib ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.

Imatinib: Wie ist es zu lagern?

Lagern Sie Imatinib bei Unter 30 °C in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich.

Imatinib: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?

Nein. Imatinib ist bei Unter 30 °C stabil, sodass eine normale Schutzverpackung ausreicht; während des Transports wird es dennoch vor Hitze und Feuchtigkeit geschützt.

Imatinib: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?

Imatinib wird je nach Land und Hersteller als Gleevec, Glivec, Imatinib Teva, Imkeldi vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.

Imatinib: Welche Stärken sind verfügbar?

Imatinib ist in folgenden Stärken erhältlich: 100-mg-Tabletten, 400-mg-Tabletten. Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.

Imatinib: Wie lange ist es haltbar?

Die Haltbarkeit von Imatinib beträgt 3 Jahre bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.

Medizinische Informationen & Leitlinien

Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs

Pharmakologische Wirkung

Imatinib ist ein 2-Phenylaminopyrimidin-Derivat aus der Klasse der Tyrosinkinase-Inhibitoren. Obwohl Imatinib eine Reihe von Tyrosinkinasen hemmt, ist es gegenüber dem durch die Philadelphia-Chromosom-Translokation entstandenen BCR-ABL-Fusionsprotein sehr selektiv. Der BCR-ABL-Signalweg steuert zahlreiche nachgeschaltete Kaskaden, die zentral an der neoplastischen Proliferation beteiligt sind — Ras/MAPK (Zellproliferation), Src/Pax/Fak/Rac (Zellmotilität) und PI3K/AKT/BCL-2 (Apoptoseregulation). Normale Zellen sind zwar ebenfalls auf diese Signalwege angewiesen, verfügen aber meist über redundante Tyrosinkinasen, die ihre Funktion trotz ABL-Hemmung erhalten; BCR-ABL-abhängige Tumorzellen sind hingegen überproportional betroffen.

Wirkmechanismus

Imatinibmesilat hemmt die BCR-ABL-Tyrosinkinase durch Bindung an die ATP-Bindungstasche im aktiven Zentrum und verhindert so die nachgeschaltete Phosphorylierung der Zielproteine. Die ABL-Aktivierung ist in verschiedenen Tumoren überexprimiert und an Wachstum und Überleben der Tumorzellen wesentlich beteiligt.

Imatinib hemmt darüber hinaus die Rezeptor-Tyrosinkinasen des plättchenstimulierenden Wachstumsfaktors (PDGFR-α und -β) sowie von Stammzellfaktor / c-KIT und blockiert dadurch PDGF- und SCF-vermittelte zelluläre Ereignisse. In vitro hemmt Imatinib die Proliferation und induziert Apoptose bei GIST-Zellen mit aktivierenden c-KIT-Mutationen.

Weitere bestätigte Zielmoleküle (gemäß DrugBank-Zielprofil):

  • BCR-ABL-Fusionskinase — Hauptziel bei CML und Ph+ ALL.
  • c-KIT (CD117) — Treiber bei GIST und Mastzellerkrankungen.
  • PDGFR-α und -β — Treiber bei DFSP, hypereosinophilem Syndrom und MDS/MPN mit PDGFR-Rearrangements.
  • RET, CSF1R (FMS), DDR1, DDR2 — bei klinisch relevanten Konzentrationen ebenfalls gehemmte Kinasen, die zur erweiterten Aktivität beitragen (z. B. Osteoklastensuppression über CSF1R, fibrotische Signalwege über DDR1/2).

Pharmakokinetik

  • Resorption: oral gut resorbiert; mittlere absolute Bioverfügbarkeit 98 %. Cmax wird innerhalb von 2–4 Stunden nach Einnahme erreicht. Die AUC steigt im Bereich von 25–1.000 mg dosisproportional. Steady-State-Akkumulation 1,5- bis 2,5-fach bei einmal täglicher Dosierung.
  • Verteilungsvolumen: Steady-State-Vd 295 ± 62,5 l bei erwachsenen CML-Patientinnen und -Patienten; 167 ± 84 l bei pädiatrischen Patientinnen und Patienten (bei 340 mg/m²).
  • Plasmaproteinbindung: ~95 % an Plasmaproteine (überwiegend Albumin und α₁-saures Glykoprotein) bei klinisch relevanten Konzentrationen.
  • Metabolismus: überwiegend CYP3A4; geringere Anteile durch CYP1A2, CYP2C9, CYP2C19 und CYP2D6. Der wichtigste aktive Metabolit ist das N-demethylierte Piperazinderivat (CGP74588) mit in vitro vergleichbarer Wirksamkeit zur Muttersubstanz. Imatinib ist zudem ein mechanismusbasierter Hemmstoff von CYP3A4, was mehrere klinisch relevante Wechselwirkungen erklärt.
  • Halbwertszeit: ~18 Stunden (Muttersubstanz); ~40 Stunden (aktiver Metabolit CGP74588).
  • Clearance: ~8 l/h (50 kg, Alter 50) bis ~14 l/h (100 kg, Alter 50); interindividuelle Variabilität ~40 %.
  • Ausscheidung: vorwiegend fäkal — ~81 % der Dosis werden innerhalb von 7 Tagen wiedergefunden (68 % Fäzes, 13 % Urin); 25 % als unveränderter Wirkstoff (5 % Urin, 20 % Fäzes), der Rest als Metaboliten.
  • Transporter: Substrat von OCT1 (SLC22A1) für die zelluläre Aufnahme — eine niedrige OCT1-Aktivität in CD34+-CML-Zellen ist ein dokumentierter Mechanismus der Imatinib-Resistenz. Außerdem Substrat/Inhibitor von P-Glykoprotein (ABCB1) und BCRP (ABCG2).

Klinische Wirksamkeit und Sicherheit

  • Chronische myeloische Leukämie: vollständige zytogenetische Remission bei 70–85 % der neu diagnostizierten Patientinnen und Patienten in der chronischen Phase. Das 10-Jahres-Gesamtüberleben beträgt ca. 80–90 % (gegenüber < 20 % in der Prä-Imatinib-Ära). Viele Patientinnen und Patienten erreichen tiefe molekulare Remissionen.
  • Gastrointestinale Stromatumoren (GIST): Ansprechrate 50–70 % bei fortgeschrittener Erkrankung; Krankheitskontrollrate > 80 %; dramatisch verbessertes Überleben.

Anwendungsgebiete

Chronische myeloische Leukämie:

  • Neu diagnostizierte Philadelphia-Chromosom-positive (Ph+) CML in chronischer Phase.
  • CML in chronischer Phase, akzelerierter Phase oder Blastenkrise nach Versagen einer Interferon-alpha-Therapie.

Gastrointestinale Stromatumoren:

  • KIT (CD117)-positiver, nicht resezierbarer oder metastasierter GIST.
  • Adjuvante Behandlung nach chirurgischer Resektion eines KIT-positiven GIST.

Weitere Indikationen:

  • Philadelphia-Chromosom-positive akute lymphoblastische Leukämie (Ph+ ALL).
  • Myelodysplastische/myeloproliferative Erkrankungen mit PDGFR-Genrearrangements.
  • Aggressive systemische Mastozytose ohne D816V-c-KIT-Mutation.
  • Hypereosinophiles Syndrom und chronische eosinophile Leukämie.
  • Dermatofibrosarcoma protuberans.

Gegenanzeigen

  • Überempfindlichkeit gegen Imatinib oder einen der sonstigen Bestandteile.
  • Schwangerschaft (Schädigung des Fetus).

Nebenwirkungen

Sehr häufig (> 10 %): Ödeme (periorbital, untere Extremitäten), Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Muskelkrämpfe, muskuloskelettale Schmerzen, Hautausschlag, Fatigue, Kopfschmerzen.

Häufig (1–10 %): Myelosuppression (Anämie, Neutropenie, Thrombozytopenie), Bauchschmerzen, Dyspepsie, Gewichtszunahme, Schlaflosigkeit.

Schwer (weniger häufig):

  • Schwere Flüssigkeitsretention (Pleura- und Perikardergüsse, Aszites, Lungenödem).
  • Schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom — selten).
  • Hepatotoxizität (Transaminasenanstieg, selten schwere Hepatitis).
  • Kardiotoxizität (Herzinsuffizienz).
  • Tumorlysesyndrom.
  • Gastrointestinale Perforation oder Blutung.

Wechselwirkungen

  • Starke CYP3A4-Inhibitoren (Ketoconazol, Clarithromycin, Ritonavir): erhöhen die Imatinib-Exposition.
  • Starke CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Phenytoin, Johanniskraut): senken die Imatinib-Exposition — vermeiden.
  • CYP3A4-Substrate: Imatinib ist ein mechanismusbasierter CYP3A4-Inhibitor und kann die Exposition gleichzeitig verabreichter CYP3A4-Substrate (z. B. Simvastatin, bestimmte Calciumantagonisten, Immunsuppressiva) erhöhen.
  • Warfarin: Imatinib beeinflusst über die CYP2C9-Hemmung den Warfarin-Stoffwechsel; alternativ niedermolekulares Heparin erwägen oder die INR engmaschig überwachen.
  • Paracetamol: Imatinib kann die Exposition erhöhen.

Wechselwirkungen mit Nahrung

  • Grapefruit-Produkte vermeiden: Grapefruit hemmt den CYP3A4-Stoffwechsel und kann die Serumspiegel von Imatinib erhöhen.
  • Johanniskraut: induziert CYP3A4 — kann die Serumkonzentration von Imatinib senken; vermeiden.
  • Mit einer Mahlzeit und einem großen Glas Wasser einnehmen: reduziert Magenreizungen.

Verabreichung und Dosierung

Standarddosierung

  • CML, chronische Phase: 400 mg oral einmal täglich.
  • CML, akzelerierte Phase oder Blastenkrise: 600 mg einmal täglich.
  • GIST: 400 mg einmal täglich; bei Progression Erhöhung auf 600–800 mg möglich.

Mit einer Mahlzeit und einem großen Glas Wasser einnehmen. Tabletten unzerkaut schlucken. Bei Schluckunfähigkeit können die Tabletten in Wasser oder Apfelsaft dispergiert werden.

Besondere Hinweise

Kontrollen

  • Komplettes Blutbild: zunächst wöchentlich, anschließend monatlich.
  • Leberwerte: monatlich; häufiger bei initial abnormen Werten.
  • Gewicht und Ödeme: bei jedem Besuch beurteilen.
  • Schwangerschaftstest: vor Therapiebeginn bei Frauen im gebärfähigen Alter.

Schwangerschaft

Imatinib ist stark teratogen. Während der Behandlung ist eine zuverlässige Empfängnisverhütung erforderlich; das Arzneimittel ist mindestens 15 Tage vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen.

Management häufiger Nebenwirkungen

  • Ödeme: Diuretika; bei ausgeprägter Symptomatik Dosisreduktion.
  • Übelkeit: mit einer Mahlzeit und einem großen Glas Wasser einnehmen; bei Bedarf Antiemetika.
  • Muskelkrämpfe: Chinin; Calcium- und Magnesiumsubstitution.
  • Hautausschlag: Antihistaminika, topische Kortikosteroide; bei schweren Reaktionen systemische Kortikosteroide.

Lagerungsbedingungen

Bei Raumtemperatur unter 30 °C lagern. Vor Feuchtigkeit schützen. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Haltbarkeit

3 Jahre. Nach Ablauf des Verfalldatums nicht mehr anwenden.

Abgabebedingungen in der Apotheke

Verschreibungspflichtig. Eine fachärztliche Verschreibung durch Onkologie oder Hämatologie ist üblicherweise erforderlich. Hinweis: Die zentrale EMA-Zulassung des Originalpräparats wurde im Oktober 2023 zurückgenommen; Imatinib ist als Generikum und über nationale Zulassungen in Europa und weltweit weiterhin breit verfügbar.

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Wichtiger Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Diagnose oder Behandlungsempfehlung dar. Diese Informationen ersetzen nicht die Konsultation einer qualifizierten medizinischen Fachperson. Holen Sie bei Fragen zu einem Gesundheitszustand oder Arzneimittel stets den Rat Ihrer Ärztin bzw. Ihres Arztes, Apothekerin bzw. Apothekers oder einer anderen qualifizierten Fachperson ein. Ignorieren Sie ärztlichen Rat nicht und verzögern Sie dessen Einholung nicht aufgrund von Informationen auf dieser Website. Produktverfügbarkeit, zugelassene Anwendungsgebiete und Fachinformationen können je nach Land unterschiedlich sein. Viele der gelisteten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig; wo ein Rezept erforderlich ist, muss dieses im Bestimmungsland gültig sein, und die Produkte sind unter ärztlicher Aufsicht anzuwenden. Wir beschaffen, versenden oder listen keine Suchtmittel im Sinne des österreichischen Suchtmittelgesetzes (SMG) oder vergleichbarer internationaler Regelungen.

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Informationsquelle

Diese Produktinformation basiert auf:

DrugBank — Imatinib (DB00619)

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