Cinacalcet
Calcimimetikum (Calciumsensing-Rezeptor-Agonist)
Cinacalcet ist das erste orale Calcimimetikum seiner Klasse — ein kleines Molekül, das den Calciumsensing-Rezeptor (CaSR) der Nebenschilddrüse allosterisch für zirkulierendes Calcium sensibilisiert und so die Parathormon- (PTH-)Sekretion nachhaltig supprimiert. Beim sekundären Hyperparathyreoidismus im Rahmen einer chronischen Nierenerkrankung senkt es das PTH und gleichzeitig Serumcalcium und Phosphat — ein zentraler Faktor der renalen Mineral- und Knochenstörung (CKD-MBD). Bei Nebenschilddrüsenkarzinom und primärem Hyperparathyreoidismus, in denen eine Operation nicht möglich ist, gehört Cinacalcet zu den wenigen wirksamen medikamentösen Optionen zur Kontrolle der Hyperkalzämie. Es wird in Nordamerika als Sensipar und in Europa als Mimpara vertrieben.
Erhältlich unter folgenden Markennamen
Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:
- Sensipar ®
- Mimpara ®
Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.
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Häufig gestellte Fragen
Cinacalcet: Wofür wird es angewendet?
Cinacalcet ist das erste orale Calcimimetikum seiner Klasse — ein kleines Molekül, das den Calciumsensing-Rezeptor (CaSR) der Nebenschilddrüse allosterisch für zirkulierendes Calcium sensibilisiert und so die Parathormon- (PTH-)Sekretion nachhaltig supprimiert.
Cinacalcet: Ist ein Rezept erforderlich?
Ja. Cinacalcet ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.
Cinacalcet: Wie ist es zu lagern?
Lagern Sie Cinacalcet bei Keine besonderen Lagerungsbedingungen in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich.
Cinacalcet: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?
Nein. Cinacalcet ist bei Keine besonderen Lagerungsbedingungen stabil, sodass eine normale Schutzverpackung ausreicht; während des Transports wird es dennoch vor Hitze und Feuchtigkeit geschützt.
Cinacalcet: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?
Cinacalcet wird je nach Land und Hersteller als Sensipar, Mimpara vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.
Cinacalcet: Welche Stärken sind verfügbar?
Cinacalcet ist in folgenden Stärken erhältlich: 30 mg, 60 mg, 90 mg. Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.
Cinacalcet: Wie lange ist es haltbar?
Die Haltbarkeit von Cinacalcet beträgt 5 Jahre (Filmtabletten) bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.
Medizinische Informationen & Leitlinien
Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs
Pharmakologische Wirkung
Cinacalcet senkt das PTH direkt, indem es die Sensitivität des Calciumsensing-Rezeptors der Nebenschilddrüse gegenüber extrazellulärem Calcium erhöht. Der PTH-Abfall wird begleitet von einer gleichzeitigen Senkung von Serumcalcium und — bei chronischer Nierenerkrankung — auch von Serumphosphat sowie des Calcium-Phosphat-Produkts.
Wirkmechanismus
- Allosterische CaSR-Aktivierung: Cinacalcet bindet an eine allosterische (Typ-II-calcimimetische) Bindungsstelle am Sieben-Transmembran-CaSR, der auf den Hauptzellen der Nebenschilddrüse exprimiert wird. Dadurch sinkt die Aktivierungsschwelle für extrazelluläres Ca²⁺; der Rezeptor signalisiert bei einer gegebenen Calciumkonzentration stärker.
- Suppression der PTH-Sekretion: Der aktivierte CaSR signalisiert über Gq/11 (Phospholipase C-β, IP3, intrazelluläres Ca²⁺) und Gi/o (Hemmung der cAMP-Bildung) und unterdrückt PTH-Synthese und -Freisetzung.
- Mineralstoffwechsel: Die PTH-Senkung verringert die Knochenresorption sowie die renale und intestinale Calciumrückresorption; Serumcalcium und (bei CKD) Phosphat sinken.
- Günstige Knocheneffekte bei CKD: PTH-Senkungen führen zu Verbesserungen der knochenspezifischen alkalischen Phosphatase und des Knochenumsatzes sowie zu einer Reduktion der Knochenmarksfibrose.
Pharmakokinetik
- Resorption: nach oraler Gabe rasche Resorption. Nahrung erhöht die Bioverfügbarkeit deutlich — Einnahme zu oder kurz nach einer Mahlzeit ist erforderlich.
- Verteilungsvolumen: ca. 1.000 l (ausgedehnte Gewebeverteilung).
- Plasmaproteinbindung: 93–97 %.
- Metabolismus: ausgedehnter hepatischer Abbau über CYP3A4, CYP2D6 und CYP1A2 — oxidative N-Dealkylierung zu Hydrocinnam- und Hydroxy-Hydrocinnamsäuren sowie Oxidation des Naphthalinrings zu Dihydrodiolen (anschließend glucuronidiert).
- Halbwertszeit: terminale Halbwertszeit 30–40 Stunden; verlängert um ca. 33 % bei mittelschwerer und um ca. 70 % bei schwerer Leberinsuffizienz.
- Ausscheidung: überwiegend renale Ausscheidung der Metaboliten; nur minimale Mengen unveränderter Substanz.
Anwendungsgebiete
- Sekundärer Hyperparathyreoidismus (SHPT) bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung unter Dauerdialyse (Hämodialyse oder Peritonealdialyse).
- Hyperkalzämie bei Patientinnen und Patienten mit Nebenschilddrüsenkarzinom.
- Schwere Hyperkalzämie bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit primärem Hyperparathyreoidismus (PHPT), bei denen aufgrund der Serumcalciumwerte eine Parathyreoidektomie indiziert wäre, eine Operation jedoch klinisch nicht angezeigt oder kontraindiziert ist.
- Pädiatrischer SHPT unter Dialyse (≥ 3 Jahre) in einigen Märkten, mit engmaschiger Calciumüberwachung und granulierten Formulierungen.
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Cinacalcet oder einen der sonstigen Bestandteile.
- Serumcalcium unter dem unteren Normwert — Cinacalcet darf nicht angesetzt werden, solange das korrigierte Calcium nicht ≥ 8,4 mg/dl (2,1 mmol/l) beträgt. In der Pädiatrie gelten gemäß Fachinformation niedrigere Schwellenwerte.
Nebenwirkungen
Sehr häufig (≥ 1/10): Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö; Hypokalzämie.
Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10): Anorexie, verminderter Appetit; Schwindel, Parästhesien; Kopfschmerzen; Hypertonie; Dyspepsie, Bauchschmerzen (Oberbauch), Obstipation; Hautausschlag; Myalgie; Muskelkrämpfe; Asthenie, Fatigue; Rückenschmerzen; verringerte Testosteronspiegel bei männlichen Hämodialysepatienten.
Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100): Krampfanfälle (insbesondere bei prädisponierenden Faktoren und Hypokalzämie); QT-Verlängerung; Überempfindlichkeitsreaktionen; gastrointestinale Blutungen (Fallberichte).
Selten (< 1/1.000): Angioödem; schwere Hypokalzämie mit nachfolgenden Arrhythmien bei prädisponierten Personen.
Post-Marketing (Pädiatrie): tödlich verlaufene Fälle, assoziiert mit schwerer Hypokalzämie — eine strikte Kontrolle des Serumcalciums vor und während der Therapie ist zwingend erforderlich.
Wechselwirkungen
- Starke CYP3A4-Inhibitoren (Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin, Ritonavir): erhöhen die Cinacalcet-Exposition; eine Dosisanpassung kann erforderlich sein.
- CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Johanniskraut): können die Exposition und Wirksamkeit verringern.
- CYP2D6-Substrate mit enger therapeutischer Breite (Flecainid, Propafenon, Metoprolol, Vinblastin, Desipramin, trizyklische Antidepressiva, die meisten Opioide): Cinacalcet ist ein starker CYP2D6-Inhibitor — eine Dosisreduktion des Substrats kann erforderlich sein.
- Vitamin-D-Analoga (Calcitriol, Paricalcitol, Alfacalcidol) und calciumhaltige Phosphatbinder: engmaschig überwachen — eine Kombinationstherapie ist beim CKD-SHPT üblich und Bestandteil des Gesamtkonzepts zur Mineral- und Knochenstoffwechselsteuerung; additive Hypo- oder Hyperkalzämien können jedoch auftreten.
- Etelcalcetid und andere Calcimimetika: nicht gleichzeitig anwenden.
Verabreichung und Dosierung
Tabletten sind zu oder kurz nach einer Mahlzeit einzunehmen, unzerkaut mit Wasser zu schlucken — nicht kauen, zerstoßen oder teilen. Nahrung erhöht die Resorption deutlich.
Sekundärer Hyperparathyreoidismus unter Dialyse (Erwachsene)
- Anfangsdosis: 30 mg einmal täglich.
- Titration: alle 2–4 Wochen anhand des korrigierten Serumcalciums (Zielwert ≥ 8,4 mg/dl / 2,1 mmol/l) und des intakten PTH (Zielwert gemäß lokalen CKD-MBD-Leitlinien, typischerweise 2–9-Fache des oberen Normwerts).
- Erhaltung: üblicherweise 30–180 mg einmal täglich; maximal 180 mg/Tag.
- Kontrollen: Serumcalcium und Phosphat innerhalb einer Woche und PTH innerhalb von 1–4 Wochen nach Dosisänderungen.
Nebenschilddrüsenkarzinom und primärer Hyperparathyreoidismus
- Anfangsdosis: 30 mg zweimal täglich.
- Titration: alle 2–4 Wochen (60 mg zweimal täglich, dann 90 mg zweimal täglich, dann 90 mg drei- oder viermal täglich) zur Normalisierung des Serumcalciums.
- Maximaldosis: 90 mg viermal täglich.
Niereninsuffizienz
Keine Dosisanpassung allein aufgrund der Nierenfunktion; die Dosierung richtet sich nach Serumcalcium und PTH. Cinacalcet wurde außerhalb spezifischer pädiatrischer und Studien-Settings nicht bei nicht-dialysepflichtigem CKD-SHPT untersucht.
Leberinsuffizienz
Keine initiale Dosisanpassung bei leichter Leberinsuffizienz. Bei mittelschwerer bis schwerer Leberinsuffizienz aufgrund der verlängerten Halbwertszeit mit Vorsicht anwenden und engmaschig überwachen.
Vergessene Dosis
Sobald wie möglich am selben Tag einnehmen. Liegt die nächste planmäßige Dosis bereits nahe, die vergessene Dosis auslassen und das Schema fortsetzen.
Besondere Hinweise
Hypokalzämie
Der wichtigste dosislimitierende Effekt. Das Risiko ist erhöht bei gleichzeitig unzureichender Dosierung von Vitamin-D-Analoga, bei Mangelernährung und (bei Kindern) während des Wachstums. Symptome umfassen Parästhesien, Myalgien, Krämpfe, Tetanie, Konvulsionen und QT-Verlängerung. Bei schwerer Hypokalzämie absetzen oder pausieren; Calcium und aktives Vitamin D nach klinischem Bedarf substituieren.
Krampfanfälle
Ein erhöhtes Krampfanfallsrisiko wurde berichtet, insbesondere bei raschem Abfall des Serumcalciums. Vorsicht bei Personen mit Krampfanfällen in der Anamnese.
Kardiovaskulär
QT-Verlängerung möglich. Vorsicht bei kongenitalem Long-QT-Syndrom, bei gleichzeitiger Anwendung QT-verlängernder Arzneimittel oder bei relevanten Elektrolytstörungen.
Adynamische Knochenerkrankung
Eine anhaltende Übersuppression des PTH (intaktes PTH < 100 pg/ml bzw. < 15-Faches des oberen Normwerts laut einigen Leitlinien) kann eine adynamische Knochenerkrankung verschlechtern — bei Abfall des PTH unter den Zielwert die Dosierung überprüfen.
Schwangerschaft und Stillzeit
- Schwangerschaft: begrenzte Humandaten; tierexperimentelle Daten zeigen Entwicklungstoxizität bei maternal toxischen Dosen. Anwendung nur, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt.
- Stillzeit: Übergang in die Muttermilch nicht bekannt — möglichst vermeiden.
Pädiatrie
In einigen Märkten für SHPT bei dialysepflichtigen Kindern ab 3 Jahren zugelassen. Aufgrund des Risikos schwerer Hypokalzämien sind strikte Kontrollen und fachärztliche Überwachung zwingend.
Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit
In der Regel nicht beeinträchtigt; bei Schwindel zur Vorsicht raten.
Lagerungsbedingungen
Dieses Arzneimittel erfordert keine besonderen Lagerungsbedingungen. In der Originalverpackung aufbewahren.
Haltbarkeit
5 Jahre für Filmtabletten. Nach dem auf der Verpackung aufgedruckten Verfalldatum nicht mehr anwenden.
Abgabebedingungen in der Apotheke
Verschreibungspflichtig (Rx).
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Wichtiger Hinweis
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Informationsquelle
Diese Produktinformation basiert auf:
DrugBank — Cinacalcet (DB01012); EMA-Fachinformation — MimparaZuletzt geprüft:
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