Acarbose
Alpha-Glucosidase-Inhibitor
Acarbose ist ein Alpha-Glucosidase-Inhibitor, der die intestinalen Enzyme, die für den Abbau komplexer Kohlenhydrate verantwortlich sind, kompetitiv hemmt. Durch die Verlangsamung der Kohlenhydratverdauung und -resorption werden postprandiale Blutzuckerspitzen abgemildert; damit bietet die Substanz einen gezielten Ansatz für die postprandiale Hyperglykämie bei Typ-2-Diabetes.
Erhältlich unter folgenden Markennamen
Dieser Wirkstoff wird je nach Region und Hersteller unter folgenden Markennamen vertrieben:
- Glucobay ®
- Precose ®
- Prandase ®
Markennamen sind eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Inhaber. Pharmalogistic vertritt, produziert oder vertreibt die oben genannten Markenprodukte nicht.
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Häufig gestellte Fragen
Acarbose: Wofür wird es angewendet?
Acarbose ist ein Alpha-Glucosidase-Inhibitor, der die intestinalen Enzyme, die für den Abbau komplexer Kohlenhydrate verantwortlich sind, kompetitiv hemmt.
Acarbose: Ist ein Rezept erforderlich?
Ja. Acarbose ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Erforderlich ist ein gültiges Rezept einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes; die Rezeptvorschriften des Bestimmungslandes werden vor jedem Versand geprüft.
Acarbose: Wie ist es zu lagern?
Lagern Sie Acarbose bei Unter 25 °C in der Originalverpackung, vor Licht geschützt und für Kinder unzugänglich.
Acarbose: Ist ein gekühlter Versand (Kühlkette) erforderlich?
Nein. Acarbose ist bei Unter 25 °C stabil, sodass eine normale Schutzverpackung ausreicht; während des Transports wird es dennoch vor Hitze und Feuchtigkeit geschützt.
Acarbose: Unter welchen Markennamen wird es vertrieben?
Acarbose wird je nach Land und Hersteller als Glucobay, Precose, Prandase vermarktet. Markennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Inhaber; Pharmalogistic vertritt oder vertreibt die Markenprodukte nicht.
Acarbose: Welche Stärken sind verfügbar?
Acarbose ist in folgenden Stärken erhältlich: 50 mg, 100 mg. Die geeignete Stärke und das Dosierungsschema legt die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt fest.
Acarbose: Wie lange ist es haltbar?
Die Haltbarkeit von Acarbose beträgt 3 Jahre bei Lagerung gemäß Empfehlung. Nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfalldatum nicht mehr anwenden.
Medizinische Informationen & Leitlinien
Pharmakologie, Anwendungsgebiete und Sicherheitsprofil dieses Wirkstoffs
Pharmakologische Wirkung
Acarbose ist ein komplexes Oligosaccharid, das intestinale Alpha-Glucosidase-Enzyme kompetitiv hemmt. Wirkziel sind postprandiale (nach der Mahlzeit auftretende) Glukoseanstiege; die Substanz stellt einen eigenständigen Wirkmechanismus in der Therapie des Typ-2-Diabetes dar.
Wirkmechanismus
Acarbose hemmt reversibel die Alpha-Glucosidasen im Bürstensaum des Dünndarms. Die Hemmstärke folgt dieser Reihenfolge: Glucoamylase > Saccharase > Maltase > Isomaltase. Diese Enzyme bauen komplexe Kohlenhydrate zu Einfachzuckern ab; ihre Hemmung verlangsamt die Verdauung komplexer Kohlenhydrate und verzögert die Glukoseresorption.
- Senkt die postprandiale Hyperglykämie durch Abflachung der Glukosespitzen nach Mahlzeiten.
- Stimuliert die Insulinsekretion nicht und führt in Monotherapie daher nicht zu Hypoglykämien.
- Verbessert moderat die Insulinsensitivität und das Lipidprofil.
- Gewichtsneutral.
Pharmakokinetik
Acarbose ist auf eine lokale Wirkung im Gastrointestinaltrakt ausgelegt; die systemische Exposition ist bewusst minimal.
- Bioverfügbarkeit (Muttersubstanz): weniger als 1–2 % der verabreichten Dosis werden als intakte Acarbose resorbiert. Etwa 35 % der Gesamtradioaktivität einer radioaktiv markierten Dosis werden jedoch innerhalb von 96 Stunden resorbiert — entsprechend resorbierten Abbauprodukten und Metaboliten. Die Spitzenradioaktivität im Plasma tritt nach 14–24 Stunden auf und spiegelt die Zeit für die mikrobielle Verstoffwechselung im Darm und die anschließende Resorption der Metaboliten wider.
- Verteilungsvolumen: nicht zutreffend (überwiegend lokale gastrointestinale Wirkung).
- Plasmaproteinbindung: für die Muttersubstanz vernachlässigbar.
- Metabolismus: Abbau durch intestinale Bakterien und Verdauungsenzyme (einschließlich intestinaler Glucosidasen) zu mehr als 13 Metaboliten, überwiegend methylierten, sulfatierten und glucuronidierten Konjugaten. Diese Umwandlung erfolgt im Darm vor der Resorption.
- Halbwertszeit: ca. 2 Stunden (Plasmahalbwertszeit der resorbierten Metabolitenfraktion).
- Clearance: renale Ausscheidung der resorbierten Metaboliten.
- Ausscheidung: ca. 50 % der verabreichten Dosis werden innerhalb von 96 Stunden mit den Fäzes ausgeschieden (überwiegend als nicht resorbierte Muttersubstanz); ca. 34 % der Dosis werden renal als Metaboliten ausgeschieden.
Die pharmakologische Wirkung ist vollständig vom Vorhandensein von Kohlenhydraten in der Mahlzeit abhängig — im Nüchternzustand besteht kein klinisch relevanter Effekt. Die maximale Wirkung tritt ein, wenn Acarbose zu Beginn der Verdauung vorhanden ist.
Klinische Wirksamkeit und Sicherheit
- HbA1c-Senkung: 0,5–0,8 % gegenüber dem Ausgangswert; stärkere Wirkung bei Patientinnen und Patienten mit höherem Ausgangs-HbA1c.
- Postprandiale Glukose: signifikante Reduktion der Glukoseanstiege (30–40 mg/dl).
- Nüchternglukose: moderate Senkung (10–20 mg/dl).
- STOP-NIDDM-Studie: 49 % Reduktion der Progression von gestörter Glukosetoleranz zu Typ-2-Diabetes; 49 % Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse; 34 % Reduktion neu auftretender Hypertonie.
- Effekte auf das Körpergewicht: gewichtsneutral oder moderater Gewichtsverlust.
Anwendungsgebiete
- Typ-2-Diabetes mellitus als Ergänzung zur Diät in Monotherapie oder in Kombination mit anderen oralen Antidiabetika (Metformin, Sulfonylharnstoffen, Thiazolidindionen, DPP-4-Inhibitoren, SGLT2-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptor-Agonisten) oder Insulin.
- Prädiabetes / gestörte Glukosetoleranz (in einigen Ländern): Prävention der Progression zum Typ-2-Diabetes.
- Besonders geeignet für Patientinnen und Patienten mit überwiegend postprandialen Glukoseerhöhungen.
Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen Acarbose oder einen der sonstigen Bestandteile.
- Chronische Darmerkrankungen mit deutlichen Verdauungs- oder Resorptionsstörungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Kolonulzerationen, partielle Darmverengung oder Prädisposition dazu.
- Erkrankungen, die sich durch vermehrte Darmgasbildung verschlechtern können (Roemheld-Syndrom, große Hernien, intestinale Stenosen).
- Schwere Nierenfunktionsstörung (Serumkreatinin > 2 mg/dl oder eGFR < 25 ml/min).
- Schwere Leberfunktionsstörung (Zirrhose).
- Diabetische Ketoazidose.
- Schwangerschaft und Stillzeit.
Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird die Anwendung wegen begrenzter Datenlage nicht empfohlen.
Nebenwirkungen
Sehr häufig (> 10 %) — dosisabhängig, verursacht durch Fermentation unverdauter Kohlenhydrate im Dickdarm: Flatulenz (am häufigsten, bis zu 74 %), Blähungen, Diarrhö, Bauchschmerzen oder -beschwerden, Borborygmen (Darmgeräusche). Diese Beschwerden nehmen bei fortgesetzter Behandlung in der Regel ab.
Häufig (1–10 %): Übelkeit, weicher Stuhl, vermehrte Darmgase.
Selten (< 0,1 %): erhöhte Leberenzyme (vorübergehend, meist asymptomatisch), Hepatitis, Ikterus, schwere allergische Reaktionen, Ödeme, Ileus oder Subileus bei prädisponierten Patientinnen und Patienten.
Sehr selten: Thrombozytopenie.
Nebenwirkungen sind zu Therapiebeginn und bei kohlenhydratreichen Mahlzeiten am stärksten ausgeprägt; sie können durch langsame Dosistitration und Anpassung der Ernährung minimiert werden.
Wechselwirkungen
- Intestinale Adsorbentien (z. B. Aktivkohle): gleichzeitige Anwendung vermeiden — reduziert die Wirksamkeit von Acarbose.
- Verdauungsenzyme (z. B. Amylase, Pankreatin): heben die Acarbose-Wirkung auf.
- Digoxin: kann die Resorption von Digoxin verringern — Spiegelkontrolle.
- Insulin, Sulfonylharnstoffe, Meglitinide: erhöhtes Hypoglykämierisiko bei Kombination.
Wichtiger Hinweis zum Hypoglykämiemanagement: Wenn Acarbose mit Insulin oder Insulinsekretagoga kombiniert wird, muss eine Hypoglykämie mit Glukose (Dextrose), nicht mit Haushaltszucker (Saccharose) behandelt werden — Acarbose blockiert den Abbau von Saccharose im Darm. Die Glukagon-Injektion bleibt wirksam. Alle behandelnden medizinischen Fachpersonen sollten über die Acarbose-Anwendung informiert werden.
Verabreichung und Dosierung
Acarbose muss zur Wirksamkeit mit dem ersten Bissen jeder Hauptmahlzeit eingenommen werden. Vor oder nach der Mahlzeit eingenommen, ist die Wirksamkeit deutlich reduziert. Tabletten können unzerkaut mit Flüssigkeit geschluckt oder mit dem ersten Bissen der Mahlzeit gekaut werden.
Erwachsene
- Anfangsdosis: 50 mg einmal täglich zur Abendmahlzeit, oder 50 mg zwei- bis dreimal täglich zu den Hauptmahlzeiten.
- Titration: schrittweise Erhöhung alle 4–8 Wochen anhand der 1-Stunden-postprandialen Glukose und der gastrointestinalen Verträglichkeit. Typische Progression: 50 mg einmal täglich → 50 mg zweimal täglich → 50 mg dreimal täglich → 100 mg dreimal täglich.
- Erhaltungsdosis: üblicherweise 50 mg dreimal täglich.
- Maximaldosis: 100 mg dreimal täglich; bei Patientinnen und Patienten unter 60 kg Körpergewicht maximal 50 mg dreimal täglich.
Besondere Patientengruppen
- Ältere Patientinnen und Patienten: keine Dosisanpassung erforderlich; bei erhöhter gastrointestinaler Empfindlichkeit niedrigere Dosen verwenden.
- Niereninsuffizienz: leicht bis mittelschwer keine Anpassung; schwer (eGFR < 25 ml/min oder Kreatinin > 2 mg/dl) kontraindiziert.
- Leberinsuffizienz: leicht — mit Vorsicht anwenden und Leberfunktion überwachen; mittelschwer bis schwer kontraindiziert.
Vergessene Dosis
Mit der nächsten Mahlzeit einnehmen. Nicht zwischen den Mahlzeiten oder vor dem Schlafengehen einnehmen — ohne Nahrung ist Acarbose wirkungslos. Die Dosis nicht verdoppeln.
Besondere Hinweise
Kontrolle der Leberfunktion
Leberenzyme (ALT, AST) vor Therapiebeginn sowie nach 3, 6 und 12 Monaten im ersten Jahr kontrollieren, anschließend bei stabilem Verlauf jährlich. Häufigere Kontrollen bei initial abnormer Leberfunktion oder bei Dosiserhöhungen. Bei ALT/AST über dem Dreifachen des oberen Normwerts oder bei Anzeichen einer Leberfunktionsstörung absetzen.
Ernährung und Lebensstil
Eine gleichmäßige Kohlenhydratzufuhr beibehalten. Die Wirksamkeit hängt vom Kohlenhydratgehalt der Nahrung ab; kohlenhydratarme Mahlzeiten führen zu minimalen gastrointestinalen Effekten, aber auch zu minimaler Glukosesenkung.
Schwangerschaft und Stillzeit
Kontraindiziert in der Schwangerschaft (für den Gestationsdiabetes wird Insulin bevorzugt) und während der Stillzeit (der Übergang in die Muttermilch ist nicht belegt).
Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit
Acarbose allein beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen nicht. In Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen sollten Patientinnen und Patienten auf das Hypoglykämierisiko hingewiesen werden.
Lagerungsbedingungen
Bei Temperaturen unter 25 °C in der Originalverpackung vor Feuchtigkeit geschützt lagern. Trocken und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
Haltbarkeit
3 Jahre. Nicht nach Ablauf des Verfalldatums anwenden.
Abgabebedingungen in der Apotheke
Verschreibungspflichtig.
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Wichtiger Hinweis
Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Diagnose oder Behandlungsempfehlung dar. Diese Informationen ersetzen nicht die Konsultation einer qualifizierten medizinischen Fachperson. Holen Sie bei Fragen zu einem Gesundheitszustand oder Arzneimittel stets den Rat Ihrer Ärztin bzw. Ihres Arztes, Apothekerin bzw. Apothekers oder einer anderen qualifizierten Fachperson ein. Ignorieren Sie ärztlichen Rat nicht und verzögern Sie dessen Einholung nicht aufgrund von Informationen auf dieser Website. Produktverfügbarkeit, zugelassene Anwendungsgebiete und Fachinformationen können je nach Land unterschiedlich sein. Viele der gelisteten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig; wo ein Rezept erforderlich ist, muss dieses im Bestimmungsland gültig sein, und die Produkte sind unter ärztlicher Aufsicht anzuwenden. Wir beschaffen, versenden oder listen keine Suchtmittel im Sinne des österreichischen Suchtmittelgesetzes (SMG) oder vergleichbarer internationaler Regelungen.
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Informationsquelle
Diese Produktinformation basiert auf:
DrugBank — Acarbose (DB00284)Zuletzt geprüft:
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